Zählweise wird geändert: Großbritannien stoppt Updates zu Corona-Todesfällen

Coronavirus

Das Coronavirus hat Großbritannien schwer getroffen: Zehntausende sind bereits gestorben. Die Zählweise der Todesopfer soll sich nun ändern. Bis dahin werden keine Zahlen mehr veröffentlicht.

London

19.07.2020, 05:15 Uhr / Lesedauer: 1 min
Boris Johnson, Premierminister von Großbritannien, trägt eine Stoff-Maske während eines Besuchs in der Zentrale des London Ambulance Service NHS Trust.

Boris Johnson, Premierminister von Großbritannien, trägt eine Stoff-Maske während eines Besuchs in der Zentrale des London Ambulance Service NHS Trust. © picture alliance/dpa

Die britische Regierung hat die tägliche Aktualisierung der Todesfallzahlen durch die Coronavirus-Pandemie vorübergehend gestoppt. Das teilte das Gesundheitsministerium in London am Freitagabend mit. Grund sei, dass die Statistik für England nicht berücksichtigt, ob Infizierte tatsächlich an der Lungenkrankheit Covid-19 oder an einer anderen Ursache gestorben sind. Bis diese Ungenauigkeit behoben sei, werde die Zahl der täglichen Todesfälle nicht mehr veröffentlicht, hieß es auf der Webseite des Ministeriums.

Großbritannien: Bislang mehr als 45.000 Todesfälle gezählt

Bislang wurden in Großbritannien mehr als 45.000 Todesfälle bei nachweislich mit dem Coronavirus Infizierten gezählt. Das Vereinigte Königreich gilt damit als das von der Pandemie am schwersten betroffene Land Europas. Ob die nun in der Zählweise erkannte Schwäche diese Zahl erheblich reduziert, gilt aber als zweifelhaft.

Es gibt Grund zur Annahme, dass der Pandemie in Großbritannien viele Menschen zum Opfer gefallen sind, die nie auf das Coronavirus getestet wurden. Zahlen der Statistikbehörden zufolge wurden inzwischen beinahe 55.000 Todesfälle erfasst, bei denen die Lungenkrankheit Covid-19 im Totenschein erwähnt wurde.

Die sogenannte Übersterblichkeit für die Zeit der Pandemie liegt Berechnungen der “Financial Times” zufolge bei 65.700. Mit Übersterblichkeit ist die Differenz zwischen der Zahl der Todesfälle in diesem Jahr und dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre gemeint.

RND/dpa

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