Wohnprojekt „Mittendrin“ soll neues Wohnquartier in Nordkirchen schaffen

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Leben wie in der Großfamilie, in einem kleinen Quartier mitten in Nordkirchen: Das Wohnprojekt „Mittendrin“ will genau das schaffen. Wie das aussehen könnte, zeigen wir im virtuellen Rundgang.

Nordkirchen

, 19.06.2020, 20:27 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn Frank Austrup (53) beschreibt, wie er sich das perfekte Wohnen vorstellt, dann bekommt man eine gutes Bild vom Wohnprojekt „Mittendrin“, das bald Am Gorbach entstehen soll. Mittendrin ist nicht nur der Name dieses neuen Quartiers. Es ist eine Idee. Sie soll zur Wirklichkeit werden. Dafür setzt sich Austrup ein. Auch aus ganz persönlichen Gründen.

Der gebürtige Nordkirchener, der auch immer noch in der Gemeinde lebt, hat zwei Kinder. Sein Sohn ist 23 Jahre alt - ein junger Erwachsener, der in einem Alter ist, in dem viele auf eigenen Beinen stehen, oder kurz davor sind. Für Frank Austrups Sohn, der Autist ist, ist dieser Schritt in die Selbstständigkeit aber nicht so einfach. Seit zwei Jahren suchen Austrup und seine Frau eine betreute Unterbringung für ihren Sohn, erzählt der 53-Jährige im Gespräch mit der Redaktion. Erfolglos.

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„Die Pflegeplätze im Kreis Coesfeld sind vergeben“, sagt er. Der Ärger mündete schließlich in einer Protestaktion beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe in Münster - und letztlich in der Erkenntnis: „Wenn es keine Plätze gibt, dann müssen wir eben welche schaffen“, wie Austrup es auf den Punkt bringt.

Gemeinsam mit einem Partner will Frank Austrup das Haus und das Grundstück am Gorbach neben der Wohnmobilanlage kaufen, um dort das Wohnprojekt "Mittendrin" zu realisieren.

Gemeinsam mit einem Partner will Frank Austrup das Haus und das Grundstück am Gorbach neben der Wohnmobilanlage kaufen, um dort das Wohnprojekt "Mittendrin" zu realisieren. © Karim Laouari

Als der Nordkirchener von den Plänen für das Wohnprojekt „Mittendrin“ hörte, war für ihn klar, das hier eine perfekte Chance wartet. Nicht nur für seinen Sohn, sondern für viele Menschen in der Schlossgemeinde. Die Lage - nördlich der Gesamtschule und direkt an den Wohnmobilstellplatz angrenzend sowie die Anbindung an den Ortskern seien „perfekt“, ist Austrup überzeugt. Genau hier soll ein inklusives Wohnprojekt entstehen. Ein kleines Quartier im Herzen der Schlossgemeinde, die sich wie kaum eine andere Kommune die Inklusion auf die Fahne geschrieben hat.

„Wenn es keine Plätze gibt, dann müssen wir eben welche schaffen.“
Frank Austrup

Nachdem das Projekt 2019 zum ersten Mal angekündigt wurde und sich ein Verein gegründet hatte, war es monatelang still um den geplanten Neubau. In der Zwischenzeit sei aber eine Menge passiert, wie Frank Austrup auch in der Sitzung des Ausschusses für Bauen und Planung am Donnerstag (18.6.) berichtete.

Gemeinsam mit einem Partner stehe Austrup jetzt kurz davor, das Haus und das zugehörige Grundstück zu kaufen - von jeweils unterschiedlichen Eigentümern. Mit dem Capeller Architekturbüro Steinhoff ist ein Planer an Bord, der ein mögliches Konzept erarbeitet hat, wie das Wohnprojekt später aussehen könnte.

Auf diesem Grundstück Am Gorbach soll das Wohnprojekt mit - Stand Juni 2020 - 40 Wohneinheiten in mehrere Wohnkuben und zwei Doppelhäusern entstehen.

Auf diesem Grundstück Am Gorbach soll das Wohnprojekt mit - Stand Juni 2020 - 40 Wohneinheiten in mehrere Wohnkuben und zwei Doppelhäusern entstehen. © Karim Laouari

Statt größerer Gebäuderiegel, wie sie in einem ursprünglichen Konzept angedacht waren, sind jetzt insgesamt acht kleinere Kuben mit jeweils fünf bis sechs Wohneinheiten in Planung. Die Kuben haben Dimensionen von 14 mal 16 Metern. Hinzu kommen zwei Doppelhäuser am Rand des Grundstücks.

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Wohnprojekt "Mittendrin" in Nordkirchen

Das Haus, das bereits auf dem Grundstück steht, soll - wenn möglich - erhalten, saniert und in das Quartier eingebettet sein. Ob das klappt, sei allerdings noch nicht klar, macht Austrup deutlich. Vieles sei noch in der Schwebe, die Pläne noch nicht final.

Die Idee hinter dem inklusiven Wohnprojekt ist dafür so klar wie nie. Hier sollen im besten Fall Nordkirchener, Südkirchener, Capeller zusammenleben - junge Familien, Menschen mit und ohne Behinderung, Ältere, Alleinstehende, zählt Frank Austrup auf. Er selbst wolle auch dort einziehen, wenn alles so kommt, wie erhofft. Dass hinter dem Projekt immer noch ein Verein steht, habe den Vorteil, dass die Auswahl, wer sich später in die Apartments einmietet, der Verein treffen kann, erklärt der 53-Jährige.

Das Projekt erfahre eine große Unterstützung durch die Gemeinde Nordkirchen, sagt Frank Austrup (2.v.l.). Er selbst, Architekt Lothar Steinhoff (2.v.r.), Bürgermeister Dietmar Bergmann (r.) und Bauamtsleiter Josef Klaas stellten den aktuellen Stand des Projekts jetzt im Bauausschuss vor.

Das Projekt erfahre eine große Unterstützung durch die Gemeinde Nordkirchen, sagt Frank Austrup (2.v.l.). Er selbst, Architekt Lothar Steinhoff (2.v.r.), Bürgermeister Dietmar Bergmann (r.) und Bauamtsleiter Josef Klaas stellten den aktuellen Stand des Projekts jetzt im Bauausschuss vor. © Karim Laouari

Bis dahin steht aber noch ein Berg voll Arbeit vor dem Nordkirchener, seinem Partner und Architekt Lothar Steinhoff. Zurzeit laufen Gespräche mit möglichen Trägern für die behindertengerechten Wohnungen. Je nachdem, welchen Bedarf der letztlich nennt, werde sich das Projekt noch verändern, kündigt Austrup an.

Ob sein Sohn dann ebenfalls dort einziehen wird, wisse er noch gar nicht, sagt er. Darum gehe es ihm auch gar nicht in erster Linie. Das Wohnprojekt „Mittendrin“ solle ein Ersatz für die Großfamilie sein, wie es sie früher gab.

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