Wieder geöffnet: Nordkirchens Friseure machen Überstunden mit Mundschutz

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Nachdem sie wochenlang schließen mussten, ist der Ansturm auf die Friseure in Nordkirchen groß. Einige arbeiten bis spät abends - mit neuen Regeln, Maske und Formularen für die Kunden.

Nordkirchen

, 05.05.2020, 21:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wochenlang durften die Frisöre in ganz Deutschland nicht schneiden, fönen, färben. Seit Montag (4. Mai) dürfen sie unter Auflagen wieder Kunden frisieren. Termine sind deshalb auf Wochen ausgebucht. Auch die Nordkirchener Friseure haben reichlich zu tun - und erzählen von neuen Routinen, Frisur-Korrekturen und neuen Preisen.

Die Nordkirchener Friseure haben derzeit so viele Kunden, dass einige ihre Öffnungszeiten ausgeweitet haben. Eva Frank, Inhaberin von Evas Haarstudio an der Lüdinghauser Straße, etwa hat schon seit Montag wieder geöffnet. Auf den Ruhetag am Mittwoch verzichtet sie vorerst. Zumindest vormittags macht sie ihren Laden nun mittwochs auf, denn seit der Öffnung „läuft es super“, sagt Eva Frank.

(In einer vorherigen Version war der Montag als zusätzlicher Ruhetag genannt. Das war eine Verwechslung. Gewöhnlich ist Evas Haarstudio mittwochs geschlossen.)

„Kein Genöle, kein Gemecker“

„Ich hatte das Gefühl, die Kunden waren einfach nur dankbar“, sagt die Friseurin über den ersten Tag, an dem sie wieder Haare schneiden durfte. Alle Kunden kämen mit Maske, blieben vorne im Laden stehen, ließen sich die Hände desinfizieren und trugen sich in die Listen mit den Kontaktdaten ein, die nun vorgeschrieben sind. „Kein Genöle, kein Gemecker“ habe es für diese vorgeschriebenen Maßnahmen gegeben, sagt Eva Frank.

Auch sie und ihre Kollegin müssten sich nun daran gewöhnen, bestimmte Regeln einzuhalten. So habe bei Männern ein Schnitt der Augenbrauen wenn nötig in ihrem Friseursalon dazu gehört. Doch gesichtsnahe Dienstleistungen sind verboten. „Aber jeder Handgriff wird irgendwann zur Routine werden“, sagt Eva Frank.

Großere Frisuren-Unfälle von Kunden, die in der Not selbst zur Schere gegriffen haben, hat sie aber bis Dienstag noch nicht erlebt, sagt Eva Frank. Ein Kind sei aber angemeldet, bei dem der Vater die Frisur begonnen habe und die Mutter versucht hätte, den Haarschnitt zu beenden. Die Friseurin darf nun retten.

Bis zum 20. Mai sind ihre Termine bereits ausgebucht. Und das sei auch gut so. Die Zeit, in der sie schließen musste, habe sie einige schlaflose Nächte gekostet, erzählt Eva Frank. Nun müsse sie das verlorene Geld einfach wieder aufholen.

Ein Termin dauert jetzt länger

Die Preise habe sie aber nicht erhöht. Allerdings muss sie nun immer zuerst die Haare waschen und das berechnet die Friseurin auch. Statt 30 Minuten dauern die Termine nun 45 Minuten in ihrem Salon - mit Desinfizieren und Daten aufnehmen und allen Vorschriften. Am Montag habe sie erst um 21 Uhr ihren Laden abgeschlossen.

Noch eine halbe Stunde länger stand Manuela Francke, Inhaberin vom Friseur Hauke An der Mühle, am Montag im Laden. „Hier herrscht ein kleines Chaos, weil wir müssen uns erst umgewöhnen.“ Normalerweise können die Kunden dort ohne Termin kommen. Nun ist der Termin Pflicht. Das hätten die Kunden aber positiv aufgenommen, so entfalle die Wartezeit, erzählt Francke.

Preise noch nicht erhöht

„Wir fangen früher an und machen länger“, erzählt auch Ann-Kathrin Neuhäuser, die im Friseursalon Haarlequin an der Schloßstraße arbeitet. Es sei jede Menge zu tun. Der gesamte Mai sei schon ausgebucht.

Auch ihre Termine sind auf Tage ausgebucht, sagt Manuela Francke vom Friseur Haucke. Doch das könne die Einnahmen-Ausfälle der vergangenen Wochen nicht kompensieren. „Die Kunden kommen ja jetzt nicht zweimal im Monat.“ Ihre Preise habe sie noch nicht erhöht, aus Sorge, das könnte Kunden verschrecken. Denn die meisten Kunden seien nicht bereit, viel mehr Geld zu bezahlen, sagt Francke. Vielleicht bald, weil sie nun gesehen haben, wie wichtig die Dienstleistung ist, hofft die Friseurin.

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