Wie die EU heimischen Erzeugern hilft

dzEU-Kennzeichnung für Lebensmittel

Westfälischer Schinken, Dortmunder Bier, Aachener Printen: Drei von einigen Spezialitäten aus NRW mit dem EU-Siegel für regionale Lebensmittel. Doch die EU regelt noch mehr.

NRW

, 26.04.2019, 08:41 Uhr / Lesedauer: 2 min

Durch drei spezielle Produktsiegel wird die Besonderheit eines regionalen Produktes anerkannt und vor Nachahmung oder Missbrauch von Namen und Bezeichnungen geschützt. Alle drei Siegel bieten den Verbrauchern Orientierung beim Einkauf von Lebensmitteln. Seit 2013 ist zum Beispiel der westfälische Knochenschinken im Register der regionaltypischen Spezialitäten aufgenommen und steht so in einer Riege mit Parmesankäse und Champagner. Um sich mit der Bezeichnung schmücken zu dürfen, müssen unter anderem ganze Keulen verarbeitet werden und die Reifezeit muss mindestens sechs Monate betragen. Auch traditionelle Lebensmittel aus anderen Ländern wie Parmaschinken und Tiroler Speck sind geschützte Bezeichnungen.

Nicht alle Spezialitäten sind geschützt

„Es ist gut, dass mit der Kennzeichnung kleinere Produzenten geschützt werden sollen“, sagt Isabelle Buscke von der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) und Leiterin des Büros in Brüssel. Insgesamt sei die Regelung ein schönes Beispiel dafür, wie EU-einheitliche Politik auch Regionen und den dortigen Herstellern zugutekommen könne. „Leider ist nur für viele regionale Lebensmittel der Zug sozusagen abgefahren. Im Gegensatz zum griechischen Feta ist der französische Camembert nicht geschützt und darf überall produziert werden“, bedauert Buscke.

Produkte aus anderen EU-Ländern im heimischen Supermarkt zu kaufen und zu konsumieren, ist heute selbstverständlich. Dass hierzulande ohne Bedenken der Käse aus der Schweiz und die Wurst aus Italien gegessen werden kann, ist auch der Europäischen Union zu verdanken: Die EU-Lebensmittelverordnung regelt, dass die Inhaltsstoffe auf dem Etikett angegeben werden müssen, wie viele Kalorien das Produkt hat, woher es stammt, wie lange es mindestens haltbar ist. Das ist für die gesamte EU einheitlich geregelt.

Gerade die Kennzeichnung der Inhaltsstoffe und Allergene, die vom Supermarkt bis zum Bäcker jeder auflisten müsse, sei eine Erleichterung für Menschen mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten, sagt Isabelle Buscke vom VZBV. Die Produkte müssten zudem gleichen Mindestanforderungen entsprechen, deren Einhaltung kontrolliert werde. Nur dann könnten Verbraucher dem Produkt vertrauen, so Buscke. An den Kontrollen hapere es allerdings häufig. „Auch in Deutschland läuft nicht alles tadellos, bei Fipronil in Eiern zum Beispiel wurde zu lax kontrolliert“, kritisiert die Verbraucherschützerin. Auch bei den Fleisch-Skandalen in der Vergangenheit sei Deutschland nicht außen vor gewesen. „Eines der großen Probleme, die sich am Fipronil-Skandal gezeigt haben, ist die Risikokommunikation“, sagt Isabelle Buscke. Die Staaten hätten unterschiedlich kommuniziert und so die Verbraucher verunsichert. Hier müsse die EU engere Vorgaben machen.

Gütezeichen der Europäischen Kommission
g. U. (geschützte Ursprungsbezeichnung): Erzeugung, Verarbeitung und Herstellung in einem bestimmten geografischen Gebiet nach einem anerkannten und festgelegten Verfahren.
g. g. A. (geschützte geografische Angabe): Enge Verbindung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse und Lebensmittel mit dem Herkunftsgebiet. Mindestens eine der Produktionsstufen – also Erzeugung, Verarbeitung oder Herstellung – wird im Herkunftsgebiet durchlaufen.
g. t. S. (garantiert traditionelle Spezialität): Traditionelle Zusammensetzung oder traditionelles Herstellungs- und/oder Verarbeitungsverfahren.
Schlagworte:
Lesen Sie jetzt