Wie das Impfen in den Arztpraxen funktionieren soll

Corona-Impfung

Bund und Länder haben beschlossen, dass sich Ende März die niedergelassenen Ärzte an den Corona-Impfungen beteiligen. Noch sind aber einige Fragen offen.

von Tim Szent-Ivanyi

, 04.03.2021, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ärzte sollen künftig in ihren Praxen gegen das Coronavirus impfen.

Ärzte sollen künftig in ihren Praxen gegen das Coronavirus impfen. © picture alliance/dpa

Die Simulation zeigt das ganze Ausmaß des Problems: Wenn weiterhin nur in den Impfzentren der Länder gegen Corona geimpft wird, würde es nach Berechnungen des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (ZI) bis weit ins nächste Jahr dauern, die gesamte Bevölkerung Deutschlands durchzuimpfen.

Denn in den Zentren können pro Tag maximal 350.000 Menschen immunisiert werden. Wird jedoch so schnell wie möglich auch in den Arztpraxen geimpft wird, zeigt die Simulation den 12. September als Datum der vollständigen Durchimpfung an.

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Schon seit Wochen trommeln die niedergelassenen Ärzte für eine Ausweitung der staatlichen Impfkampagne auf ihre Praxen. Hinter den Kulissen wurden bereits erste Vorbereitungen getroffen, doch bisher fehlte die politische Entscheidung. Bund und Länder haben nun aber in ihrer Videoschalte am Mittwoch beschlossen, dass es Ende März/ Anfang April losgehen soll.

Eine Million Impfungen am Tag zusätzlich

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) geht davon aus, dass sich etwa 50.000 Praxen – insbesondere Haus-, Kinder- und Frauenärzte – an den Impfungen beteiligen werden. Erwartet wird, dass in jeder Praxis pro Tag 20 Menschen geimpft werden können – das wären bundesweit täglich eine Million Impfungen. Die Impfzentren der Länder sollen zeitweise parallel weiter arbeiten.

„Der eigentliche Game Changer werden die Praxen der niedergelassenen Haus- und Fachärzte sein“; sagte KBV-Chef Andreas Gassen dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Sein Stellvertreter Stephan Hofmeister mahnte allerdings, Voraussetzung für ein schnelles Impfen seien unbürokratische Rahmenbedingungen. „So und nur so kommen wir voran“, betonte Hofmeister.

Viele Details sind noch nicht geklärt. Leichter als erwartet dürfte zumindest der Umgang mit den Impfstoffen sein. Nach Einschätzung der KBV kann in den Praxen selbst das empfindliche Vakzin von Biontech/Pfizer verimpft werden. Es muss zwar bei minus 70 Grad gelagert werden, kann aber nach dem Auftauen noch fünf Tage im Kühlschrank aufbewahrt werden – das reicht für eine Arbeitswoche.

Prüfung der Rangfolge

Deutlich schwieriger ist die Frage, wie Impftermine vergeben werden. Die KBV geht zwar davon aus, dass die Terminvergabe wie bei jeder normalen Behandlung über die Praxen laufen kann. Doch zu erwarten ist sicherlich ein Ansturm von Interessenten, der irgendwie gelenkt werden muss.

Zudem muss kontrolliert werden, ob ein Impfwilliger überhaupt schon dran ist. Zwar wird in dem Beschluss von Bund und Ländern den Ärzten ein gewisser Spielraum eingeräumt. Es heißt aber eindeutig: „Die Priorisierung der Coronavirus-Impfverordnung gilt auch für die Impfungen in den Arztpraxen als Grundlage.“

Da das Ärger mit enttäuschten Patienten bringen könnte, lehnt die Ärzteschaft ein solches Vorgehen allerdings ab. „Wir sind keine weitere Priorisierungsinstanz, und wir wollen das auch nicht sein“, sagte Ärztepräsident Klaus Reinhardt dem RND. „Die Aufklärung der Menschen über die Impfstrategie der Bundesregierung muss deshalb vor den Praxistüren stattfinden. Wir können das nicht auch noch leisten“, mahnte der Ärztepräsident.

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