West-Nil-Fieber auf dem Vormarsch: Droht diesen Sommer eine Mückenplage?

Mücken

Mücken nerven im Sommer besonders, ein Stich ist gefürchtet. Erwartet uns diesen Sommer eine Plage? Zudem könnte sich das tropische West-Nil-Fieber in Deutschland weiter ausbreiten.

Hannover

19.06.2020, 20:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Mücken könnten das tropische West-Nil-Fieber in diesem Sommer in Deutschland weiter verbreiten.

Mücken könnten das tropische West-Nil-Fieber in diesem Sommer in Deutschland weiter verbreiten. © picture alliance / Jochen Lübke

Es könnte so schön sein im Sommer. Lange, laue Nächte, die draußen unter dem Sternenhimmel verbracht werden. Wenn nur nicht die Mücken anrücken und durch einen Stich einen unerträglichen Jockreiz auslösen. Mücken sind nicht nur nervig, sie können auch Krankheiten übertragen. Doch in diesem Sommer könnten die Menschen in Deutschland teilweise verschont bleiben.

„Für ein ‚gutes Mückenjahr‘ dürfte es in diesem Jahr überwiegend zu trocken gewesen sein“, erklärt Julian Heiermann, Experte für Umweltinformationen beim Naturschutzbund Deutschland (NABU) gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Regional könne es durchaus zu Unterschieden kommen, doch mit einer flächendeckenden Plage in Deutschland sei „aus meiner Sicht in diesem Jahr eher nicht zu rechnen“, so Heiermann. Die dichtesten Mückenpopulationen befänden sich entlang von Flussauen entlang von Donau, Rhein und Elbe oder in ausgedehnten Moorgebieten.

Milder Winter, trockener Frühling - schlechte Voraussetzungen für Mücken

Das liege vor allem daran, dass der Winter und der Frühling keine idealen Voraussetzungen für die Larven geschaffen haben: „Gute Voraussetzungen für Stechmücken wären ein kurzer aber frostiger Winter und ein feucht-warmes Frühjahr gewesen.“ Der milde Winter habe vielerorts keine Brutstätten geboten. Insekten hätten beim Überwintern mehr Probleme mit einer Verpilzungen der Larven gehabt. Die Folge: Viele Larve seien gestorben.

Da das Frühjahr in vielen Teilen Deutschlands trocken und nicht, wie es die Mücken benötigen, feucht-warm war, konnten sich viele Eier nicht entwickeln. „Warme Temperaturen ermöglichen den Stechmücken eine schnelle Entwicklung vom Ei bis zum fertigen Insekt, da diese in warmer Umgebung schneller von statten geht“, so der Experte.

Gärten bieten unfreiwillige Brutstätten für Mücken

Mückenlarven entwickeln sich in Gewässern, erklärt Heiermann. So kommt es, dass viele Menschen den Larven unfreiwillig eine angenehme Brutstation bieten: „Da die Larven zahlreiche Fressfeinde in Seen, Teichen und Flüssen haben, ist der Entwicklungserfolg in mit Regenwasser vollgelaufenen Blumentopf-Untersetzern, Regentonnen und ähnlichem größer.“

Mücken sind ungeliebte Plagegeister und können zudem Krankheiten übertragen.

Mücken sind ungeliebte Plagegeister und können zudem Krankheiten übertragen. © picture alliance/dpa

Um das Schlüpfen der Larven zu verhindern, helfe es, auf offene Wasserstellen im Garten zu verzichten. Sprich: Vor dem Winter alle Gefäße, in denen sich Wasser sammeln könnte, entfernen und Regentonnen oder Teiche über den Winter mit Planen abdecken. Auch sogenannte BTI-Tabletten für Regenfässer könnten helfen. Der biologische Wirkstoff zerstöre den Darm von Mückenlarven. Experten sind sich mittlerweile einig: Es wird immer wichtiger, dass die Bevölkerung aktiv hilft, die Ausbreitung von Mücken zu verhindern.

Klimwandel bringt neue Mückenarten und Krankheiten

Mücken können aufgrund des fortschreitenden Klimawandels weitaus größere Herausforderungen mit sich bringen als einen juckenden Stich. Sie spielen zunehmend eine Rolle als Überträger von Infektionskrankheiten. Heiermann erklärt: „Es dürften gesundheitliche Herausforderungen auf uns zukommen.

Einerseits durch ‚neue‘ Stechmückenarten, die aus wärmeren Regionen einwandern beziehungsweise von uns Menschen eingeschleppt werden und im Zuge dessen dann Krankheitserreger mitbringen.“ Andererseits könnten auch unsere heimischen Mückenarten neu eingebrachte Krankheitserreger übertragen.

Tigermücke wandert ein: West-Nil-Fieber in Deutschland

In Südfrankreich wurden im vergangenen Jahr bereits Menschen mit dem Zika-Virus durch dort heimisch gewordene Asiatische Tigermücken angesteckt - es war der erste solche Nachweis in Europa. Auch eine andere eingeschleppte Krankheit sorgt für Ausbrüche in Europa: das vereinzelt tödlich verlaufende West-Nil-Fieber. Ende September 2019 wurde der erste Fall einer in Deutschland erworbenen Infektion beim Menschen bekannt.

Die ursprünglich aus Afrika stammende Erkrankung war zuvor als Tierseuche vor allem bei Vögeln bekannt. Besorgniserregend ist: Das Virus kann von ganz normalen heimischen Stechmücken übertragen werden. Auch hier spielt der Klimawandel eine Rolle: Je wärmer es ist, umso schneller vermehrt sich Experten zufolge der Erreger in der Mücke - die Gefahr einer Übertragung wächst. Das West-Nil-Virus könnte daher künftig auch in Deutschland saisonale Erkrankungswellen verursachen.

Coronavirus wird nicht durch Mücken übertragen

Eine gute Nachricht: Von Stechmücken geht in der Corona-Pandemie nach bisherigen Erkenntnissen keine besondere Gefahr aus. Das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 werde durch Tröpfcheninfektion übertragen – mit dem Stich einer Mücke könne das Virus nach dem derzeitigen Kenntnisstand nicht in den Körper gelangen, sagt die Mücken-Expertin Doreen Werner vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF).

Das bestätigt auch Peter Ben Embarek, WHO-Experte für Infektionen, die von Tier zu Mensch oder umgekehrt übertragen werden können. Studien hätten sich mit verschiedenen Parasiten – auch Mücken – beschäftigt und keine Übertragung festgestellt. „Diese Viren haben spezifische Affinitäten zu bestimmten Arten, und sie können nur an bestimmte Zellen andocken – sie können nicht jede Art infizieren, mit der sie in Berührung kommen“, sagte Ben Embarek.

RND