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Mit liebevoller Strenge

„Es wühlt mich sehr auf“, sagt Bärbel Drohmann und meint damit die derzeitige Diskussionen zu "Contergan". Sie trägt selbst an den Folgen des Medikaments. Ihre Arme sind verkürzt und die Hände nicht ganz ausgebildet.

Werne

von Von Elisabeth Plamper

, 09.11.2007

Auch ihre Mutter nahm Anfang der 60-er Jahre das als gefahrlos eingestufte Schlafmittel ein. „Ich war noch ein Kind, als der Prozess gegen die Firma Grünenthal lief“, blickt die 45-Jährige zurück. „Was über all die Jahre immer noch kränkt, das ist, dass Grünenthal in keiner Weise bereit ist, Verantwortung zu übernehmen, weder moralisch noch finanziell“, sagt die Lehrerin, die am Städtischen Gymnasium Selm arbeitet.

Im Schulalltag

An ihrem ersten Schultag als Lehrerin erinnert sich Bärbel Drohmann noch gut. „Meine Hände waren schweißnass; ich habe vor der Klassentür gestanden, tief durchgeatmet – und dann bin ich reingegangen.“ Mucksmäuschenstill sei es in der Klasse gewesen. „Sie setzt sich mit liebevoller Strenge durch“. Das sagt ihr jetziger Chef und Schulleiter am Städtischen Gymnasium Selm Ulrich Walter.

Selbstständigkeit wichtig

Selbstständigkeit war Bärbel Drohmann immer wichtig. „Ich habe aber auch keine Scheu, um Hilfe zu bitten“, betont die dreifache Mutter. Neulich in der Stadt habe ihr eine Passantin beim Aufsetzen der Anorakkapuze geholfen, als es anfing zu regnen. In der Studienzeit in Münster stand ihr eine Freundin zur Seite.

„Ich kann mir die Haare nicht selber waschen“, erzählt Bärbel Drohmann. Die Freundin sei damals quer durch Münster geradelt, um zu helfen. „Im Gegenzug habe ich sie zum Frühstück eingeladen“, erinnert sie sich. Heute kümmert sich die 45-Jährige um ihre eigene Familie und erledigt einfach viele „Handgriffe“ mit den Füßen – Akten ordnen, Zettel sortieren – oder mit dem Mund – wie das Schreiben mit dem Stift zwischen den Lippen.

   

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