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Harte Arbeit und gute Kameradschaft im Bergbau

Anekdoten eines Bergmanns

Herbert Zimmer war Bergmann auf Zeche Werne, ab 1974 bei Heinrich-Robert und später freigestellt für die Betriebsratsarbeit. Sein Beruf war einst recht verlockend, verlangte aber auch großen Einsatz und Mut.

WERNE

von Von Helga Felgenträger

, 18.05.2011
Harte Arbeit und gute Kameradschaft im Bergbau

Ein Bergmann hat die Heilige Barbara immer bei sich: Bei Herbert Zimmer steht sie neben seinem Tonkrug für den Zechenwirt auf dem Sideboard.

Kameradschaftssinn, das Herz am rechten Fleck und "mir graut vor nichts": Als Bergmann ist der ganze Mensch im Einsatz. "Man ist Kumpel durch und durch", sagt Herbert Zimmer (74).

"Eigentlich wollte ich Polsterer werden", erinnert er sich. Doch die bessere Bezahlung, die verkürzten Arbeitszeiten ("Wir konnten nachmittags im Kanal schwimmen gehen") lockten den jungen Mann. 1951 schloss der gebürtige Rünthener seinen Lehrlingsvertrag, die ärztliche Untersuchung bescheinigte ihm, dass er für die Arbeit untertage geeignet ist.Bergbau hat seine eigene Sprache

1960 machte er seine Hauerprüfung, und musste dann im "Gedinge" arbeiten. "Der Bergbau hat seine eigene Sprache", erklärt er das Wort Gedinge, das für Akkordarbeit stehe.

Zuerst war er als Stempelsetzer im Einsatz, dann als Bläser (der abgekohlte Raum musste mit Bergematerial zugeblasen werden) und später in der "Vorkohle". Er löste die Kohle mit dem Presslufthammer. Der Job war nicht ungefährlich. "Wir passten aufeinander auf, wenn sich beispielsweise irgendwo Gesteinsbrocken lösten". Sie warnten sich gegenseitig.Nach der Schicht ein Bier

Umso mehr freuten sie sich, wenn nach der harten Schicht der Zechenwirt Franz Betting mit einem halben Liter Bier auf die Kumpels wartete. "Er zapfte uns mit großer Liebe den halben Liter im Tonkrug", erzählt Zimmer. Der Tonkrug steht heute noch auf einem Sideboard im Wohnzimmer. "Es zischte nur so durch unsere ausgetrockneten Kehlen", schmunzelt er. Bezahlt wurde erst, wenn "Lohntüten-Ball" war. Frau Betting gab dann den Vätern für die Kinder eine Tafel Schokolade, erinnert er sich.

 

Die Zeiten liegen lange zurück. In der Geschichtswerkstatt des Werner Museums und der VHS Werne hat der ehemalige Bergmann einige Anekdoten zum Besten gegeben - um die Erinnerung an den Bergbau wachzuhalten.