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Ein eindrucksvolles Zeitzeugnis

WERNE Es riecht nach Jute. Die Bühne ist in schummriges Licht getaucht und vollständig mit Jutebahnen und Kartoffelsäcken verhängt. Eine eindrucksvolle Inszenierung des Stücks "Schlussklappe - Vom Ende einer langen Nacht" zeigte der Literaturkurs des Gymnasiums St. Michael aus Ahlen am Dienstag in der Aula des Gymnasiums St. Christophorus.

von Von Teja Heine

, 07.11.2007
Ein eindrucksvolles Zeitzeugnis

Vorurteile am Waschtag: Die Ankömmlinge aus der Stadt sind sich sicher zu fein, um auf dem Hof mit anzupacken.

Die Kollage aus Filmsequenzen, Kafka-Bildern, Theaterspiel und Musik bringt eine schwerwiegende Thematik auf den Plan. Beruhend auf einer wahren Begebenheit geht es um zwei von fünf Bauernfamilien in Werne und Umgebung, die zwischen 1943 und 1945 die junge jüdische Familie Spiegel vor den Nationalsozialisten versteckten. Sie riskierten damit ihr Leben, um diese Menschen vor dem sicheren Tod zu bewahren.

Retter in der Nacht

Das Stück basiert auf einem Drehbuch von Imo Moszkowicz nach Marga Spiegels Erinnerungen "Retter in der Nacht". Auf Bühne und Leinwand wird der bäuerliche Familienalltag gezeigt, unterbrochen von Anweisungen der Regisseure und Gerichtsakten: Zitate aus dem Hirtenbrief des münsteraner Bischofs von Galen, aus Himmlers "Posener Rede" und einer Stellungnahme des damaligen Oberen des Werner Kapuzinerklosters, Pater Venantius.

Die begleitende Musik reicht von Bachs dahingeklimpertem "Nun danket alle Gott" bis hin zu "Deep Purple" und "Pink Floyd". "Wir haben uns gefreut, in Werne aufzutreten," sagte Dietmar Hecht, der das Projekt gemeinsam mit Alexander Peiler leitete, "da dies der Ort war, wo sich die Dinge zugetragen haben."

"Für mich eine Selbstverständlichkeit"

Pater Suitbert hatte die Ahlener Schauspieler nach Werne eingeladen und brachte im Anschluss an das Stück eine Überraschung mit: Das Ton-Dokument eines Interviews aus dem Jahr 1971 mit den beteiligten Zeitzeugen Hubert Pentrop und Bernhard Sickmann. Gefragt nach seinen Beweggründen, schallte Sickmanns Kommentar durch die Schulaula: "Für mich war das einfach eine Selbstverständlichkeit".

Ob er denn 26 Jahre später erneut genauso handeln würde? Das sei eine schwierige Frage, meinte Sickmann darauf, er sei nicht so sicher, ob er noch einmal bewusst das Leben seiner Familie aufs Spiel setzen würde.

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