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Beim Abschied von St. Konrad fließen Tränen in der Kirche

Profanierung

In der Kirche St. Konrad herrschte am Sonntag große Trauer. Der Weihbischof entweihte sie offiziell. Die Gemeinde kann dennoch von Glück sprechen.

Werne

01.07.2018
Beim Abschied von St. Konrad fließen Tränen in der Kirche

Die Kirche St. Konrad wurde am Sonntag entweiht. Das Kirchenschiff wird abgerissen. © Helga Felgenträger (Archiv)

Viele weinende Gesichter waren zu sehen bei der letzten Sonntagsmesse in der Kirche St. Konrad. Weihbischof Stefan Zekorn des Bistums Münster, Pfarrdechant Jürgen Schäfer, Pfarrer Antonel Lenghen und der bereits pensionierte Pfarrer Ulf Doppelfeld profanierten die Kirche am Sonntag feierlich.

Das bedeutet, dass die Kirche entweiht wurde, quasi das Gegenstück zur Kirchenweihe. Das Kirchenschiff wird abgerissen und weicht einem Neubau. Hier entsteht das neue Gebäude der Zentralrendantur, also die Verwaltungseinrichtung für die Dekanate Hamm/Werne und Lüdinghausen. Die Fertigstellung strebt man etwa Ende des kommenden Jahres an.

Kirchturm als Gebetsraum

Der Kirchturm bleibt aber erhalten und soll auch weiter als Gebetsraum zur Verfügung stehen. Es soll auch trotzdem noch Gottesdienste im neuen Bau geben. Der Platz dürfte auch für die sonstige Anzahl der Messenbesucher ausreichen, meinte Pfarrdechant Jürgen Schäfer. Außerdem sind auch mitten in der Bauphase Gottesdienste auf der Baustelle geplant, bei denen auch die Architekten den Zwischenstand erklären werden, so Schäfer.

Beim Abschied von St. Konrad fließen Tränen in der Kirche

Die liturgischen Gegenstände und das Tabernakel aus der Kirche St. Konrad wurden feierlich nach draußen getragen und in ein Auto geladen. © Wilco Ruhland

Weihbischof Stefan Zekorn hielt am Sonntag die Predigt, bei der letzten feierlichen Messe im Gebäude auf dem Kirchberg. Beim abschließenden Te Deum, dem Lobgesang als Dank für alles, was die Gemeinde in der Kirche erleben durfte, flossen die Tränen bei vielen Anwesenden. Sechs Jahrzehnte lang war die Kirche für viele ein besonderer Ort.

Beim Abschied von St. Konrad fließen Tränen in der Kirche

Grundsteinlegung der Kirche St. Konrad, 24. April 1955 mit Weihbischof Dr. Heinrich Roleff. Heinrich Starhöfer (r.) hält dem Bischof den Rücken frei. © Gloger (Archiv)

„Das ist natürlich traurig. Man hat hier so vieles erlebt und verbindet so viel mit der Kirche“, sagte ein Besucher. Die Kirche war mit wenigen freien Plätzen gut gefüllt. „Manche, die heute hier waren, habe ich glaube ich vor 40 Jahren das letzte mal hier gesehen“, so der Besucher.

„Es waren auf jeden Fall mehr Leute da als sonst. Wir haben aber bewusst parallel einen Gottesdienst in Maria Frieden gefeiert, für diejenigen, denen eine solche Profanierung zu nahe geht“, erklärte Pfarrdechant Jürgen Schäfer.

„Großer Glücksfall“

Nach dem Abendmahl, nahm man das Allerheiligste aus dem Altar. Gemeinsam mit dem Tabernakel trug man es nach draußen, wo die liturgischen Gegenstände in ein Auto geladen wurden, um sie nach Stockum zu St. Sophia zu bringen. Hier werden vorerst die Messen stattfinden. Symbolisch gingen die Lampen im Kirchenschiff nach einander aus, um dem Ganzen den passenden Rahmen zu geben.

„Es gibt natürlich schönere Gottesdienste“, erklärte Pfarrdechant Jürgen Schäfer später, als man noch auf dem Kirchplatz bei strahlender Sonne zusammen kam. Aber er lebe schon zwei Jahre mit dem Gedanken, deswegen war er für sich darauf vorbereitet, erklärte er. Er verstehe aber, dass viele aus der Gemeinde traurig seien. Doch: „Eigentlich ist es ein großer Glücksfall, dass hier die neue Zentralrendantur entsteht und die Kirche nicht komplett aufgelöst wird“, so Schäfer.

Abbruch wird schmerzen

Der Altar bliebe und ohnehin „vieles was St. Konrad ausmacht.“ Schlimm sei es für die Gemeinde dann noch mal, wenn der wirkliche Abbruch startet. „Das wird erst mal schmerzen“, schätzt er. Doch wenn dann das neue Gebäude da sei, relativiere sich das, ist Schäfer sich sicher. Er habe in seiner alten Gemeinde schon mal eine Profanierung mitgemacht, doch in Werne sei es insgesamt das „erste Mal so offiziell“ vorgekommen, meinte der Pfarrdechant.

Beim Abschied von St. Konrad fließen Tränen in der Kirche

Nur der alte Glockenturm bleibt stehen: So soll die St.-Konrad-Kirche mit der angrenzenden Zentralrendantur einmal aussehen. © Steinhoff Architekten (Entwurf)

Das eine Profanierung nichts Alltägliches ist, bestätigte auch Weihbischof Stefan Zekorn. Es sei ungefähr seine siebte Profanierung einer Kirche in sieben Jahren. „Das ist schon traurig für die Leute, aber das Gute hier ist, dass es weitergeht. Es bleibt ja etwas bestehen“, so Zekorn. Auch bei der Eröffnung des neuen Gebäudes will er dabei sein.

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