Wer will sich impfen lassen und wer nicht? Umfragen zeigen die Bereitschaft

Corona-Impfstoff

Die Zulassung einer Impfung gegen das Coronavirus rückt immer näher. Schon in wenigen Monaten könnte sie verfügbar sein. Es sind aber immer weniger Menschen bereit dazu, sich impfen zu lassen.

von Irene Habich

, 21.11.2020, 05:40 Uhr / Lesedauer: 3 min
Zu Beginn wird die Zahl der Menschen, die Interesse an einer Corona-Impfung haben, wahrscheinlich die Verfügbarkeit übersteigen.

Zu Beginn wird die Zahl der Menschen, die Interesse an einer Corona-Impfung haben, wahrscheinlich die Verfügbarkeit übersteigen. © picture alliance/dpa

Für das Gemeinschaftsforschungsprojekt Cosmo-Covid-19-Snapshot-Monitoring werden seit dem Frühjahr regelmäßig Befragungen zur Impfabsicht in der Bevölkerung durchgeführt. Die Befragten sollen dabei angeben, ob sie sich gegen Covid-19 impfen lassen würden, wenn sie nächste Woche die Möglichkeit dazu hätten. Das Interesse an einer Impfung hat demnach abgenommen. Während der ersten Welle im April hatten noch 79 Prozent der Befragten angegeben, sich impfen lassen zu wollen. Inzwischen (Stand 10. November) sind es nur noch 54 Prozent.

Abgefragt wurde auch, welche Gründe dabei eine Rolle spielten, sich für oder gegen eine Immunisierung zu entscheiden. Einer davon war die Sicherheit einer neuen Impfung: Das Vertrauen in die Sicherheit eines neuen Corona-Impfstoffs sei seit dem Sommer leicht gesunken, heißt es in der Auswertung. Vielen der Befragten war es wichtig, Nutzen und Risiken einer möglichen Impfung kritisch abzuwägen.

Eine höhere Impfbereitschaft zeigte sich dann, wenn die Befragten männlich und eher im höheren Alter waren – also ein erhöhtes Risiko hatten, schwer zu erkranken. Auch unter chronisch Kranken war die Absicht etwas höher. Etwas niedriger als im Durchschnitt war sie hingegen bei Angehörigen der Gesundheitsberufe.

Ein Drittel will sich „definitiv“ impfen lassen

Auch das Markt- und Meinungsforschungsinstitut Kantar hat Anfang des Monats in mehreren Ländern eine Onlineumfrage zur Impfabsicht durchgeführt. In Frankreich, Deutschland, Großbritannien und den USA hatten zwischen dem 10. und 14. November jeweils 1000 Personen an der Befragung teilgenommen. Kantar hatte dabei genauer nachgefragt, wie groß die Bereitschaft zu einer Impfung wäre: Die Umfrageteilnehmer sollten nicht nur sagen, ob sie sich grundsätzlich vorstellen könnten, sich impfen zu lassen. Sie sollten auch angeben, wie sicher sie sich dabei sind.

In Deutschland würde sich demnach nur eine Minderheit sicher für eine Impfung gegen das Coronavirus entscheiden. 35 Prozent der befragten Deutschen gaben an, sich „definitiv“ impfen lassen zu wollen, 32 Prozent gaben an, dies wahrscheinlich tun zu wollen. 27 Prozent wollten sich wahrscheinlich oder sicher nicht impfen lassen, der Rest war unentschlossen. Deutschland lag damit etwa im Mittelfeld der befragten Länder.

Bedenken hinsichtlich der Sicherheit

Auch die Gründe, die gegen eine Impfung sprachen, wurden erhoben. 41 Prozent der befragten Deutschen hatten Bedenken in Bezug auf die Sicherheit der Corona-Impfstoffe: und zwar aufgrund der Geschwindigkeit, mit der diese entwickelt und hergestellt wurden. In den anderen Ländern hatte mehr als die Hälfte der Umfrageteilnehmer diese Bedenken.

Etwas höher war die Impfabsicht nach einer Erhebung von Infratest Dimap für den ARD-Deutschlandtrend. Hierfür waren ebenfalls Mitte November rund 1000 Menschen in Deutschland befragt worden. Im Telefoninterview sagten 37 Prozent der Umfrageteilnehmer, sie würden sich „auf jeden Fall“ impfen lassen, wenn ein Impfstoff zur Verfügung stünde.

34 Prozent sagten dem Meinungsforschungsinstitut, dass sie dies wahrscheinlich tun würden, fast ein Drittel lehnte eine Impfung eher oder sicher ab. Die Impfabsicht war auch hier gegenüber einer früheren Umfrage im August gesunken. Damals hatten sich noch 44 Prozent sicher impfen lassen wollen.

Geringere Akzeptanz von Genimpfstoffen

Wie viele Menschen sich tatsächlich impfen lassen wollen, wird sich wohl erst nach der Zulassung einer Impfung zeigen. Es kommt wohl auch darauf an, welcher Impfstoff als Erstes zur Verfügung steht. So hängt das Vertrauen in die Sicherheit des Impfstoffs nicht zuletzt von dessen Art ab. Die von Infratest Dimap Befragten hatten tendenziell mehr Vertrauen in die bereits bewährten Tot- und Lebendimpfstoffe als in Genimpfstoffe und würden sich eher mit diesen impfen lassen.

Hinsichtlich der Sicherheit der Genimpfstoffe gibt es deshalb größere Bedenken, weil sie nach einem neuartigen Verfahren funktionieren und bisher noch nie zur Anwendung bei Menschen zugelassen wurden. Vieles deutet aber darauf hin, dass ein solcher Genimpfstoff als erster auf den Markt kommen könnte – wie etwa die MRNA-Vakzine von Biontech und Pfizer oder ein Präparat des Konzerns Moderna. Wie begründet sind die Ängste in der Bevölkerung?

Paul-Ehrlich-Institut betont Sicherheit

Das Paul-Ehrlich-Institut hatte kürzlich betont, in Tierversuchen und klinischen Studien habe es „keine Hinweise auf schwere Nebenwirkungen oder Schäden“ durch MRNA-Impfstoffe gegeben. Der Deutschen Gesellschaft für Virologie zufolge kann wegen der hohen Geschwindigkeit der Impfstoffentwicklung aber generell keine 100-prozentige Sicherheit garantiert werden:

„Eine rasche und breitflächige Anwendung eines Impfstoffes erhöht trotz größtmöglicher Sorgfalt das Risiko, dass seltene und spät nach Impfung auftretende Nebenwirkungen zunächst unerkannt bleiben“, heißt es in einer Stellungnahme vom Oktober. Es sei daher „dringend erforderlich“, die Wirksamkeit und Sicherheit der Covid-19-Impfungen zeitgleich zur Einführung in Studien zu überwachen.

Die Behörden gehen davon aus, dass sich nach Einführung einer Impfung in jedem Fall zunächst mehr Menschen impfen lassen wollen, als Impfdosen verfügbar sind. Daher wird eine Impfempfehlung wohl ohnehin zunächst nur für Risikogruppen gelten.