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Wenn mein Kind klüger ist als die anderen

dzHochbegabung

Ist mein Kind hochbegabt? Wie kann ich sicherstellen, dass es gut gefördert wird? Hochbegabung sei immer noch stigmatisiert, sagt eine Expertin.

NRW

, 06.05.2019 / Lesedauer: 3 min

In Literatur und Filmen werden Hochbegabte oft als schlaue, aber sozial ungeschickte Menschen dargestellt. Das Bild vom schüchternen, bebrillten Computergenie, das keine Freunde hat, ist laut Experten nur ein Stereotyp und statistisch nicht belegbar. Die öffentliche Wahrnehmung sei häufig noch eine andere, sagt Birgit Feldmann. Eltern erlebten es häufig als verstörend, dass man sich über das Fußball- oder Musiktalent des Kindes austauschen könne, eine intellektuelle Hochbegabung aber oft mit einem Stigma behaftet sei. „Manche Eltern trifft es wie ein Schlag, wenn sie davon erfahren.“

Feldmann ist 1. Vorsitzende des Regionalvereins Rhein-Ruhr der Deutschen Gesellschaft für das hochbegabte Kind. Der Verein setzt sich ehrenamtlich für die Förderung hochbegabter Kinder und Jugendlicher ein. „80 Prozent von ihnen sind ganz normal.“ Birgit Feldmann weiß, wovon sie spricht. Ihre Kinder sind hochbegabt. Sie kennt zwei Seiten: Während der Sohn zwar frühzeitig eingeschult wurde, aber ansonsten eine „normale“ Schullaufbahn durchlaufen habe, sei ihre Tochter ganz anders. „Ich habe an ihr gesehen, dass hohe Kompetenz einfach nicht ausreicht. Sie hat in der Schule das Sprechen verweigert, Arbeitsblätter nicht abgegeben.“ Sie sei nun auf einer Privatschule. An vielen Regelschulen fehle es an Förderung oder es würden nur leistungsstarke Kinder gefördert, kritisiert Feldmann.

Beschulung größter Motor für Intelligenzentwicklung

„Intelligenz ist ein Produkt aus Anlage und Umwelt“, sagt Sebastian Bergold, Junior-Professor für Kinder- und Jugendpsychologie im Bildungskontext an der TU Dortmund. Eltern, die das Kind kognitiv forderten, trügen dazu bei. Außerdem sei die Beschulung ab dem Grundschulalter der größte Motor von Intelligenzentwicklung.

Insgesamt etwa zwei Prozent der Menschen sind intellektuell hochbegabt, das heißt, ihr Intelligenzquotient liegt über 130. Der traditionelle Hochbegabungsbegriff gehe von einer weit überdurchschnittlichen allgemeinen Intelligenz aus, sagt Sebastian Bergold. „Die allgemeine Intelligenz lässt sich gut messen, ist in der Psychologie gut erforscht.“ Bei Kindern könne sich Hochbegabung zum Beispiel zeigen, wenn sich ein Dreijähriger selbst das Lesen beibringe. „Aber Kinder entwickeln sich unglaublich unterschiedlich, auch in der Intelligenz.“ Mit zu frühen Diagnosen solle man daher vorsichtig sein.

„Im kognitiven Bereich zeigt sich Begabung in besonderer Lerngeschwindigkeit, der Tiefe und Höhe des Verständnisses und der Fähigkeit, Wissensinhalte gut kombinieren zu können, Strukturen zu erkennen“, sagt Christian Fischer, Leiter der Arbeitseinheit Begabungsforschung und individuelle Forschung an der Universität Münster sowie Vorsitzender des Internationalen Centrums für Begabungsforschung. In seine Beratungsstelle kämen oftmals Eltern, die den Eindruck hätten, das Kind sei schulisch unterfordert – dann könne eine Diagnostik hilfreich sein, so Fischer. „Es kommt vor, dass Kinder bei leichten Aufgaben viele Fehler, bei schwierigen aber wenige Fehler machen als Zeichen von Unterforderung.“

Intelligenz ist mher als nur intellektuelle Fähigkeiten

Laut Fischer habe sich das Verständnis von Intelligenz heutzutage deutlich erweitert. Neben den intellektuellen und nicht-intellektuellen Fähigkeitspotenzialen seien auch Persönlichkeitspotenziale wichtig, etwa Durchhaltevermögen, Motivation. „Beides bedingt sich gegenseitig.“ IQ-Tests überprüften nur bestimmte Fähigkeiten im sprachlichen, räumlichen und numerischen Bereich. Sozial-emotionale Begabungen seien kaum zu messen.

Internationale Bildungsvergleichsstudien haben gezeigt, dass in Deutschland vergleichsweise wenige Kinder und Jugendliche Spitzenleistungen erzielen. Daraufhin haben Bund und Länder 2016 die Initiierung des Programms „Leistung macht Schule“ beschlossen. Es soll leistungsstarke und potenziell besonders leistungsfähige Schülerinnen und Schüler fördern. Die Initiative ist auf zehn Jahre angelegt und mit insgesamt 125 Millionen Euro finanziert.