Weil die ARD keinen macht: Kebekus sendet „Brennpunkt“ zum Thema Rassismus

Fernsehen

Die Komikerin Carolin Kebekus hat in ihrer Show den Platz vor der Kamera geräumt. Zu Wort kamen stattdessen dunkelhäutige Menschen, die von ihren Erfahrungen mit Alltagsrassismus erzählten.

Köln

05.06.2020, 06:21 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Komikerin Carolin Kebekus gab ihrer Sendung den Schwerpunkt "Rassismus".

Die Komikerin Carolin Kebekus gab ihrer Sendung den Schwerpunkt "Rassismus". © picture alliance/dpa

Die Komikerin Carolin Kebekus hat in ihrer Sendung am Donnerstag ein deutliches Zeichen gegen Rassismus gesetzt. Weil die ARD bislang keinen „Brennpunkt“ zu Georg Floyd und rassistischer Polizeigewalt in den USA gesendet habe, habe sie sich entschieden, einfach selbst einen zu machen. Dafür räumte sie den Platz vor der Kamera und überließ das Pult der Moderatorin und Autorin Shary Reeves.

Zunächst stellt Reeves klar, dass Rassismus keineswegs ein reines Problem der USA sei – im Gegenteil. „Rassismus tötet auch in Deutschland“, so die Moderatorin. „Wir alle sind Teil eines strukturell rassistischen Systems.“ Menschen mit heller Haut könnten nicht nachvollziehen, was Menschen mit dunkler Haut widerfahre, erklärt die 51-Jährige und vergleicht das mit einer Schwangerschaft: Wer nie selbst ein Kind zur Welt gebracht habe, könne bei dem Thema auch nicht mitreden.

Nach dem Statement kommen im „Brennpunkt“ zahlreiche Deutsche mit dunkler Hautfarbe zu Wort – sie berichten von ihren Erfahrungen mit Alltagsrassismus. Mit dabei sind unter anderem der Rapper Denyo (Beginner), Ex-Nationalspieler Patrick Owomoyela, die Politiker Aminata Touré und Karamba Diaby und die Moderatoren Mo Asumang und Aurel Mertz.

Schockierende Berichte

Letzterer berichtet von einem zutiefst rassistischen Ereignis auf einer Weihnachtsfeier: Ein „sehr bekannter Produzent“ mit einem „sehr bekannten Familiennamen“ sei aufgestanden, habe gegen sein Glas geklopft und habe zu Mertz rübergeschaut. Dann fiel der Satz „Neger, Neger, halt ‚ne Rede“.

Die Moderatorin Hadnet Tesfai berichtet von einem Vorfall aus Berlin. Bei einer Senatswahl habe der Spitzenkandidat einer Partei Wahlkampf „ganz nah am Wähler“ gemacht und dafür ein Café besucht. Der einzige Tisch, dem er keinen Besuch abgestattet habe, sei ihrer gewesen, berichtet Tesfai. „Ich saß dort mit drei schwarzen Freunden, und wohlgemerkt drei von uns waren wahlberechtigt. Unsere Stimme hat er nicht bekommen.“

„Können nicht abschalten“

Rapper Denyo erzählt: „Ich habe ein blondes Kind. Das scheint für viele Menschen hierzulande (...) ein Problem zu sein. Ich werde oft angefeindet deswegen, kriege dumme Sprüche ab. Das ist mein Daily Life. Das bin ich, ich bin umgeben von Rassismus.“

Die Schilderungen dauern exakt 8 Minuten und 46 Sekunden. So lange, wie der amerikanische Polizist auf George Floyd gekniet hat. „Zum Glück können Sie den Beitrag abschalten“, sagt Shary Reeves am Schluss in Richtung ihrer weißen Zuschauerinnen und Zuschauer. „Für Menschen wie mich ist das Alltag. Da ist nichts mit abschalten.“

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