Wegen steigender Fallzahlen: Intensivmediziner erwarten wieder mehr Corona-Todesfälle

Coronavirus

Aktuell steigt die Zahl der Corona-Neuinfektionen wider stark an. Ärztevertreter rechnen nun damit, dass demnächst auch die Zahl der Corona-Toten in Deutschland wieder steigen könnte.

Essen/Berlin

27.09.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 1 min
Noch ist die Corona-Sterblichkeitsrate in Deutschland gering - das könnte sich Experten zufolge aber bald ändern.

Noch ist die Corona-Sterblichkeitsrate in Deutschland gering - das könnte sich Experten zufolge aber bald ändern. © picture alliance/dpa

Ärztevertreter rechnen damit, dass die Zahl der Corona-Toten in Deutschland in den kommenden Wochen weiter steigen wird. Die aktuell zunehmende Zahl der Covid-19-Toten spiegele zeitversetzt das steigende Infektionsgeschehen der vergangenen Wochen wider, sagte Uwe Janssens, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), den Zeitungen der Essener Funke Mediengruppe (Samstag).

Von der Erstinfektion bis zu einer schweren Erkrankung dauere es in der Regel zehn bis 14 Tage, die durchschnittliche Zeit auf der Intensivstation betrage 21 bis 24 Tage. Das bedeute, dass sich viele der Menschen, die jetzt sterben, vor mehr als fünf Wochen angesteckt hätten, erklärte Janssens.

Gesamtzahl der Toten wird erst in einigen Jahren bekannt

Der Mediziner rechnet nach eigenen Worten aber nicht mit einer erneut dramatischen Entwicklung wie im Frühjahr. „Die Intensivmediziner wissen heute viel mehr über erfolgreiche Behandlungsmöglichkeiten und können medikamentös gezielter eingreifen“, sagte er. Zudem habe das Land gelernt, die besonders gefährdeten Gruppen, die Alten und Kranken, besser zu schützen.

Zur traurigen Bilanz der Pandemie gehörten aber nicht nur die unmittelbaren Todesfälle, fügte Janssens hinzu: „Neben den Menschen, die an und mit dem Corona-Virus sterben, dürfen wir aber nicht diejenigen vergessen, die weiterhin sterben, weil sie sich aus Angst vor Ansteckung nicht in Praxen und Kliniken trauen.“ Die Gesamtzahl der indirekten Toten werde man erst Jahre später beziffern können, wenn sämtliche Spätfolgen der Pandemie abschätzbar seien.

RND/epd

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