Deshalb ist für Menschen über 50 das Fitnessstudio wichtig

dzDurchschnittsalter in Studios liegt bei 40 Jahren

Immer mehr ältere Menschen jenseits der 50 trainieren in Fitnessstudios. Besonders in diesem Alter kann ein Studio wichtig und richtig sein. Allerdings sollten die sogenannten „Best Ager“ auf ein paar Dinge achten.

NRW

, 27.05.2018 / Lesedauer: 6 min

Peter Menkhoff aus Dortmund rudert und fixiert dabei mit seinen Augen einen festen Punkt. Er zieht seine Arme zu seinem Oberkörper, seine Armmuskulatur spannt sich an und sein Atem geht gleichmäßig.

Drei- bis viermal wöchentlich geht der 65-Jährige ins Fitnessstudio. „Ich kann gar nicht mehr ohne“, sagt er und wechselt zum nächsten Trainings-Gerät. Peter Menkhoff fing mit 52 Jahren an, im Studio zu trainieren. Er sei immer ein aktiver Sportler gewesen, sagt er.

Doch irgendwann lief es mit dem Fußball und dem Tennis nicht mehr so rund. „Die Gelenke, der Rücken ...“, klagt er. Darum wechselte er zum Fitnessstudio. „Die Schmerzen sind weg“, sagt Menkhoff, der seit vier Jahren Rentner ist.

Mehr Mitglieder in Fitnessstudios

2017 sind in Deutschland die Mitgliederzahlen in Fitnessstudios um 5,2 Prozent zum Vorjahr gestiegen. Im Klartext heißt das: 2016 gab es 10,08 Millionen Fitnessstudio-Mitglieder, im Jahr 2017 sind es 10,61 Millionen Mitglieder. Gleichzeitig ist das Durchschnittsalter der Mitglieder von 39,9 Jahren auf 40,7 Jahre leicht angestiegen. Der DSSV, der Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen, hat diese Zahlen erhoben.

Beim Sportforum an der Bahnhofstraße in Castrop-Rauxel liegt das Durchschnittsalter gar bei 46 Jahren, wie Anne-Kathrin Langer aus der Geschäftsführung mitteilt. Das älteste Mitglied sei sogar 91 Jahre alt.

Der Grund für den Anstieg? Einerseits trägt der demografische Wandel dazu bei. Die Menschen, die in den Babyboomer-Jahrgängen geboren wurden, also im Zeitraum von 1955 bis 1969, treten nun nach und nach in das Rentenalter ein.

Deshalb ist für Menschen über 50 das Fitnessstudio wichtig

30 Minuten lang macht sich Klaus Gürtler auf dem Fahrrad im Fitnessstudio warm. © Rau

Imagewandel der Studios

Weitere Gründe sind der Imagewandel der Fitnessstudios – vom Fitnesstraining zum Lifestyleprodukt – und „das wachsende Bewusstsein für die eigene Gesundheit im hohen Alter“, sagt Alexander Wulf vom DSSV.

„Zusätzlich ist durch die gesunkene Fluktuation ein längerer Verbleib der Mitglieder gegeben“, ergänzt Wulf. Die Trainierenden, die teilweise über Jahrzehnte einem Studio treu bleiben, werden gemeinsam älter.

Aber: Wie oft gehen die Mitglieder tatsächlich zum Training? Vier von fünf Mitglieder trainieren mindestens einmal in der Woche in ihrem Fitnessstudio. Die meisten trainieren ein bis zwei Mal die Woche. Knapp jedes fünfte Mitglied trainiert sogar dreimal in der Woche.

Der Anteil derjenigen, die weniger als einmal im Monat, pro Quartal oder gar nicht trainieren, liegt bei 13,3 Prozent. Zusammengefasst heißt das: Wer angemeldet ist, geht regelmäßig zum Sport.

Angebote für Senioren

Auch die Anzahl der Fitnessstudios ist gestiegen. Im vergangenen Jahr waren es in Deutschland insgesamt 8988 Studios, 2016 waren es nur 8684. Die Fitnessstudios bereiten sich laut Wulf gut auf diese Zielgruppe vor. Es gebe altersspezifische Angebote, die auf die Person angepasst werden: Muskellängentraining, Rückenschule, Koordinationstraining und altersgerechtes Krafttraining.

„Bei uns ist das die Hauptklientel“, sagt Elisabeth Czubek und meint damit die Menschen über 50, die regelmäßig ins Fitnessstudio gehen. Czubek leitet das Selmer Studio Actic Fitness, das sich neben dem Hallenbad am Sandforter Weg befindet.

Auch bei Kämmerling in Schwerte hat man sich auf diese Klientel eingestellt. „Unsere Zielgruppe sind Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen zu uns kommen, die entweder Reha machen oder etwas für ihre Gesundheit tun wollen“, sagt Susanne Ballack, Clubleiterin im Fitnesscenter. Dazu benötige man aber vor allem genügend qualifiziertes Personal. „Wir sind kein Geräteanbieter, unsere Kunden schätzen die Dienstleistung“, so Ballack.

Deshalb ist für Menschen über 50 das Fitnessstudio wichtig

Petra Dilger ist seit einem Jahrim Schwerter Sportstudio Kämmerling und macht dort zweimal die Woche Sport. © Paulitschke

„Mit 50 kommen die ersten Gebrechen“

Prof. Dr. Ingo Froböse ist Universitätsprofessor für Prävention und Rehabilitation im Sport an der Deutschen Sporthochschule für Köln. Er habe auch beobachtet, dass vermehrt Menschen ab 50 Jahren in Fitnessstudios trainieren. „Mit 50 sind die Kinder aus dem Haus und die ersten Gebrechen kommen“, begründet er die Zunahme.

Grundsätzlich seien alle Fitnessstudios für Menschen ab 50 Jahren geeignet. „Das liegt daran, dass ein kompetenter Trainer hilft“, sagt Froböse. Andererseits sollen Menschen, die am Training im Studio interessiert sind, darauf achten, dass die Anlage verschiedene Sportmöglichkeiten anbietet. „Nur mit Hanteln zu arbeiten, reicht nicht“, so Froböse. Ausprobieren heißt das Zauberwort.

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Die Dosis des Trainings sei entscheidend. „Die Leitlinie ist, dass ich mich nach dem Training subjektiv unterfordert fühle, damit ich auch noch am nächsten Tag Sport machen möchte“, sagt der Gesundheitsexperte.

Bewegung im Allgemeinen könne dazu beitragen, die geistigen Fähigkeiten zu verbessern. Froböse: „Gehirnjogging heißt nicht nur, Kreuzworträtsel zu lösen.“ Das Gehirn braucht Reize, um fit zu bleiben. Froböse erklärt das so: „Während des Sports bilden sich neue Zellen, die sich miteinander vernetzen und zum Beispiel dafür sorgen, dass der Sauerstoff besser verteilt wird. Wir werden frischer und schlauer.“

Experte: Sportler leben 6 bis 8 Jahre länger

Wer regelmäßig Sport treibt, verringert das Risiko, hohen Blutdruck, Diabetes, Arthrose und andere Beschwerden zu bekommen. „Sportler leben sechs bis acht Jahre länger. Sie verkürzen durch den Sport die Leidenszeit, die Krankheiten mit sich bringen, und leiden weniger an chronischen Schmerzen. Gesünder sterben ist wichtig“, erläutert der 61-Jährige. Durch Sport verschiebe sich die Pflegezeit weiter nach hinten, was mehr Lebensqualität bedeutet.

Krankenkassen übernehmen die Kosten für Mitgliedschaft im Fitnessstudio nicht. Die Versicherung BIG hat aber ein Angebot für ihre Versicherten: Über das Bonusprogramm können sie einmal jährlich 50 Euro bekommen, wenn sie nachweisen können, dass sie in einem „qualifizierten Fitnessstudio“ trainieren.

Von den Krankenkassen dürfen Versicherte aber leider nicht allzu viel Unterstützung erwarten. „Eine kontinuierliche Inanspruchnahme von Maßnahmen, also Dauerangebote, können nicht von den Kassen finanziert werden“, sagt Claudia Widmaier, Pressereferentin des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Die Übernahme oder Bezuschussung von Mitgliedschaftsbeiträgen in Fitnessstudios sei nicht zulässig.

Hormonumstellungen machen Krafttraining nötig

Dass Sport auch für Menschen jenseits der 50 wichtig ist, steht für Uwe Liedtke vom Lüner für Fitness-Studio Im Engelbrauck außer Frage. „Durch Hormonumstellungen im Alter müssen die Leute mehr Krafttraining machen, um Muskeln aufzubauen, die das Knochengerüst unterstützen. Cardio ist außerdem gut, um das Herz-Kreislauf-System zu unterstützen“, erklärt er.

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Ich war 17 Jahre lang im Bergbau tätig, da habe ich richtig malocht. Dafür brauchte ich einen Ausgleich", sagt der 75-jährige Adolf Linn aus Olfen. © Geschwinder

Adolf Linn aus Olfen geht jeden Tag ins Fitnessstudio – und das schon seit 15 Jahren. „Ich war 17 Jahre lang im Bergbau tätig, da habe ich richtig malocht. Dafür brauchte ich einen Ausgleich.“ Der 75-Jährige trainiert dann gerne im Circle, dort, wo verschiedene Kraft-Geräte stehen, anschließend geht er in die Sauna und dann gibt es abends zur Belohnung auch gerne mal ein Bier. „Ich mache das gerne“, sagt Linn. Das Trainieren samt Sauna gehört für ihn fest zum Tag dazu.

Der Dortmunder Andreas Ueter achtet besonders seit seiner Herz-OP 2016 auf seine Gesundheit. „Ich habe eine neue Herzklappe bekommen“, erzählt der 60-Jährige. Nach der OP war er in der Reha. Während dieser Zeit absolvierte er ein Trainingsprogramm, das er auch heute noch verfolgt. „Einmal in der Woche gehe ich ins Fitnessstudio“, sagt er. Öfter schaffe er es zeitlich nicht.

Kontakte beim Sport knüpfen

Das Training zielt darauf ab, dass Ueter seine Muskelmasse beibehält. Er trainiert seine Beine, Arme und den Rücken. „Und ich fahre Rad, um die Ausdauer zu trainieren. Nach 20 bis 30 Minuten fängt man in meinem Alter schon an zu schwitzen“, sagt er und lacht.

Wichtig ist ihm, dass die Geräuschkulisse nicht allzu laut ist. „In manchen Fitnessstudios dröhnt ja die Musik so laut“, sagt Ueter.

Ein anderer Grund für das Fitnessstudio: Kontakte. „Man findet hier Menschen, mit denen man während des Trainings quatschen kann“, erzählt eine 63-Jährige, die ihren Namen für sich behalten möchte. „Das richtige Tempo ist, wenn man sich beim gemütlichen Gehen noch unterhalten kann.“

Deshalb ist für Menschen über 50 das Fitnessstudio wichtig

Der Lüner Horst Dorsch ist 92 Jahre alt. Das Training im Fitnessstudio gehört für ihn zum Alltag. © Foto:Ingrid Wielens

Im „Forum pro vital“ in Haltern kennen alle Trainer und fast alle Mitglieder den 92-jährigen Horst Dorsch . Er ist beliebt. Viele Menschen grüßen ihn. „Hallo, Horst“, sagt eine Trainerin und küsst ihn auf die Wange. Die Sportler hier ziehen den Hut vor der Aktivität des hochbetagten Mannes. „Es ist auch diese Anerkennung, die mir unheimlich gut tut“, erklärt Horst Dorsch.

Auch im hohen Alter fit sein

Horst Dorsch trainiert seit sieben Jahren im Studio. Das Training zielt darauf ab, dass er seine Muskelmasse beibehält. Und seine Ausdauer. Dorsch war immer ein aktiver Sportler. Doch irgendwann lief es mit dem Rudern und dem Radrennsport – „ich habe zweimal die Welt umrundet“ – nicht mehr so rund. „Die Halswirbelsäule ...“, klagt er. Und so wechselte er ins Fitnessstudio.

„Ich muss hier nicht mehr der King sein“, sagt er und meint damit seine gegenüber jüngeren Sportlern langsameren Bewegungsabläufe. „Aber mein Verstand ist noch voll da.“ Das solle möglichst so bleiben. Auch deswegen geht er in die „Muckibude“.