Wasserknappheit: Stever wird aus dem Dortmund-Ems-Kanal aufgefüllt

dzWasserversorgung

Im August schränkten bundesweit Gemeinden den Wasserverbrauch ein. Mancherorts drohen sogar hohe Strafen. In Olfen und Nordkirchen sei die Wasserversorgung allerdings kein Problem.

Olfen, Nordkirchen

, 20.08.2020, 21:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit Anfang August tauchen Gemeinde-Namen in den Schlagzeilen auf, die vermutlich sonst nur die Ortsansässigen kennen: Grävenwiesbach, Schmitten, Borgholzhausen oder Simmern-Rheinböllen. Sie alle haben gemeinsam, dass deren Bewohner Trinkwasser nicht mehr uneingeschränkt nutzen dürfen. Im Kreis Kassel wird das Schöpfen von Wasser aus Bächen und Flüssen sogar mit 100.000 Euro Strafe geahndet.

Auch Anrainern der Stever ist es verboten, Wasser aus dem Fluss zur Bewässerung abzupumpen. Es sei denn sie haben eine entsprechende Erlaubnis, die genau regelt, wie viel Wasser innerhalb eines bestimmten Zeitraums abgepumpt werden darf. „Auch wenn die Stever durch den Zufluss wieder mehr Wasser führt, darf die genehmigte Menge auf keinen Fall überschritten werden“, warnt Herrmann Mollenbauer, Leiter der Unteren Wasserbehörde im Kreis Coesfeld. Ein Verstoß, das Abpumpen von Stever-Wasser ohne Erlaubnis kann bis zu 25.000 Euro kosten. Gerade jetzt kontrolliere die Behörde verstärkt, so Mollenhauer.

Qualität und Versorgung gesichert

Eine Trinkwasserknappheit drohe Olfen und Nordkirchen hingegen nicht, wie das lokale Wasserversorgungsunternehmens Gelsenwasser aktuell vermeldet. „Die Trinkwasserversorgung im Gelsenwasser-Gebiet ist gesichert“, stellt Pressesprecherin Heidrun Becker deutlich fest. Und Magnus Meckelburg, Leiter des Wasserwerks Haltern betont: „Die gute Trinkwasserqualität ist durch alle Aufbereitungsschritte im Wasserwerk jederzeit gewährleistet.“

Der Grund für diese Sicherheit liegt in dem Gewinnungsverfahren des Trinkwassers.

Treffen an der Zwischenstever: Magnus Meckelburg (Leiter Wasserwerk Haltern, Gelsenwasser), Jessica Bremer (Untere Wasserbehörde), Matthias Lindner (Leiter Wassergewinnung, Wasserwerk Haltern), Martin Spieker (Stadt Haltern am See).

Treffen an der Zwischenstever: Magnus Meckelburg (Leiter Wasserwerk Haltern, Gelsenwasser), Jessica Bremer (Untere Wasserbehörde), Matthias Lindner (Leiter Wassergewinnung, Wasserwerk Haltern), Martin Spieker (Stadt Haltern am See). © Gelsenwasser

Olfen wird durch das Wasserwerk an der Talsperre Haltern, Nordkirchen zusätzlich durch die Wasserwerke Halingen/Fröndenberg und Echthausen beliefert. Im Unterschied zu beispielsweise hessischen Gemeinden, deren Trinkwasser zu 95 Prozent aus dem Grundwasser gewonnen wird, arbeitet Gelsenwasser mit Reservoires. Die Talsperre Haltern wird aus dem Wasser der Stever gespeist. Dieses Wasser wird dann gezielt in Grundwasser führende Schichten versickert, das dann wiederum an die Oberfläche gepumpt und an die Haushalte verteilt wird. „Zu Wasserknappheit kommt es, wenn es keine Möglichkeit gibt das Grundwasser zusätzlich anzureichern“, sagt Gelsenwasser-Sprecherin Heidrun Becker.

Wasserwerk wird mit zusätzlichem Wasser angereichert

Seit dem 10. August wird die Talsperre in Abstimmung mit der Unteren Wasserbehörde des Kreises Coesfeld mit täglich 43.000 Kubikmetern Wasser aus dem Dortmund-Ems-Kanal gespeist. „Das stützt das Wasseraufkommen und damit das Ökosystem in der oberen Stever“, heißt es von Gelsenwasser.

Der Spitzen-Wasserverbrauchswert vom vergangenen Sommer ist in diesem Jahr bisher nicht überboten worden: Am 24. Juli 2019 wurden durch das Wasserwerk Haltern 384.376 Kubikmeter Wasser in das Versorgungsnetz eingespeist. Am 7. August 2020 waren es 355.711 Kubikmeter, seit dem 10. August sinkt der Verbrauch wieder. „Am Abend ist der Wasserverbrauch in den Sommermonaten am größten, aber aufgrund des industriellen Charakters der Region sind die Rohre dafür ausgelegt große Mengen zu transportieren“, weiß Sprecherin Becker. Ein Rohr habe eine Liegezeit von etwa 100 Jahren.

Kein Grundwassermangel im Kreis

Ob es einen Grenzwert gibt, ab dem kein Grundwasser mehr an die Oberfläche gepumpt werden darf, ließe sich nicht genau sagen, beantwortet Herrmann Mollenbauer, Leiter der Unteren Wasserbehörde im Kreis Coesfeld eine weitere offene Frage. „Das Grundwasser ist überall unterschiedlich hoch, je nach Höhenlage und Beschaffenheit des Grundes“, erklärt er, „sodass es keinen einheitlichen Wert geben kann.“ Fakt sei jedoch, dass im Landkreis Coesfeld ausreichende Mengen an Grundwasser vorhanden sind. Trotzdem betont Mollenhauer: „Es muss unbedingt der Grundsatz des sparsamen Umgangs mit dem Wasser gelten.“

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