Wackerbarth zieht mit seinem Sofa durch die "heimat.nrw"

Zeche Zollverein Essen

Ein Jahr lang reiste Horst Wackerbarth durch NRW um seine Bewohner, ihre Umgebung und ihre Geschichten in Bilder zu fassen - sein ikonisches rotes Sofa immer im Gepäck. Die NRW-Stiftung zeigt ab diesem Sonntag, 4. Juni, in der Ausstellung "heimat.nrw" auf Zollverein in Essen seine ausdrucksstarken Fotografien.

ESSEN

, 02.06.2017, 16:31 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Heimat ist dort, wo man zuhause ist - oder? Für Horst Wackerbarth steckt mehr dahinter. Als "klein, aber fein" beschreibt Horst Wackenbarth seine Fotoausstellung "heimat.nrw", als er lässig, mit weißem Hut und Sonnenbrille die Kohlenwäsche der Zeche Zollverein betritt.

Jedes Bild hat seine eigene Geschichte

14 von insgesamt 100 Bildern sind es, die die Wände des alten Rundeindickers unterm Dach schmücken. Doch die geringe Anzahl gebe mehr Tiefe, sagt der Fotograf.

Jedes Bild erzählt seine eigene Geschichte und zeigt einen kleinen Ausschnitt des Lands NRW - oder gleich mehrere.

Ein Italiener, ein Pole, ein Türke und Schimanski sitzen auf der Couch ...

Schimanski-Schauspieler Götz George etwa sitzt - natürlich auf der roten Couch - am Ufer der Mercator-Insel in Duisburg in einer Gesellschaft, die die Migrationswellen des Ruhrgebiets veranschaulicht: ein italienischer Kellner, ein Stahlwerk-Arbeiter aus Polen und der türkische Rapper "A'damn".

Auch kritische Akzente setzt Wackerbarth in "heimat.nrw" - teils sehr direkt. Ein Foto zeigt das rote Stoffsofa übersät mit toten Raubvögeln, im Hintergrund die Windkrafträder, die sie auf dem Gewissen haben.

Liebevolles Pärchen trifft auf maskierte Sprayer

"Ich habe die Vögel bei einem Ornithologen aus der Tiefkühle", sagt der charismatische Künstler flapsig.

Ein schwules Pärchen positionierte Wackerbarth liebevoll die Hände haltend auf der stillgelegten und dadurch maroden B9 bei Kranenburg. Zwei Grafitti-Sprayer sitzen maskiert und bunt befleckt auf dem Sofa.

Sofas wurden von Löwen und Eisbären zerfetzt

Jedem, der auf seiner Couch Platz nimmt, stellt Horst Wackerbarth zwölf Fragen wie "Was müsste sich in der Welt verändern?", oder "Was macht Ihnen Angst?" Die Video-Interviews sind auf Bildschirmen in der Raummitte zu sehen.

Es ist mittlerweile die vierte Generation des berühmten roten Möbelstücks. Das aktuelle Exemplar ist seit 1991 im Einsatz. Wackerbarth: "Es wurde schon von Löwen und Eisbären zerfetzt."

Wackerbarths geht endlich nach Afrika

Und den Vorgängern erging es nicht besser. Ein Sofa wurde von einem Museum versehentlich weggeworfen, und ein weiteres fiel in den Pazifischen Ozean. Doch solange er immer wieder neuen Stoff für sein Schätzchen bekommt, geht dessen Reise weiter - Wackerbarths nächstes und langes Wunschziel: Afrika.

: "heimat.nrw", 4.6. (Eröffnung 15 Uhr) bis 16.7., Rundeindicker in der Kohlenwäsche, Fritz-Schupp-Allee, täglich 10-18 Uhr, Katalog 25 Euro (Buchhandlung König nebenan), Kalender 10 Euro.