Vorschlag von Ethikratsmitglied: Freier Tag nach der Impfung

Coronavirus

n einigen Bundesländern bleiben die Impfärzte derzeit vor allem auf Dosen des Herstellers Astrazeneca sitzen. Grund ist offenbar die Furcht vor möglichen Impfreaktionen wie Schwindel oder Fieber.

Saarbrücken

03.03.2021, 05:30 Uhr / Lesedauer: 1 min
Impfreaktionen ließen sich „durch bloßes Ausschlafen bekämpfen“

Impfreaktionen ließen sich „durch bloßes Ausschlafen bekämpfen“. © picture alliance/dpa/dpa Pool

Nach Ansicht des Ethikratsmitglieds Professor Wolfram Henn könnte ein freier Tag nach der Impfung die Impfbereitschaft in der Bevölkerung deutlich steigern. „Arbeitgeber, die an der Durchimpfung ihres Personals interessiert sind, könnten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für den Tag nach der Impfung vom Erscheinen am Arbeitsplatz oder dem Homeoffice freistellen, ohne dass diese sich eigens krankmelden müssten“, erklärte Henn gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Berufstätige Impflinge wüssten dann schon im Voraus, dass sie mögliche Impfreaktionen „am nächsten Morgen ohne bürokratischen Aufwand durch simples Ausschlafen bekämpfen könnten“. Bei diesen Impfreaktionen handele es sich um „etwas völlig Normales, nichts als ‚Muskelkater‘ vom Training des Immunsystems durch die Impfungen“.

Hintergrund sind Berichte über Impfreaktionen wie Schwindel und Fieber nach der Impfung gegen Covid-19 sowie eine geringe Akzeptanz des Astrazeneca-Impfstoffes. Henn, Humangenetiker und Medizinethiker am Universitätsklinikum des Saarlands, will mit seinem Vorschlag nach eigenen Worten die Schwelle vor einer Impfung erniedrigen und den freien Tag als „Erleichterung“ verstanden wissen, nicht als „Belohnung“.

Keine Belohnung für selbstverständliches, vernünftiges Verhalten

Prämien, die Arbeitgeber vereinzelt für Impfungen ihrer Mitarbeiter anbieten, lehnt Henn ab: „Es sollte keine Belohnung für selbstverständliches, vernünftiges Verhalten geben.“ Zugleich wandte sich das Ethikratsmitglied gegen die Forderung, die Prioritätenliste beim Impfen aufzugeben, wie es zum Beispiel der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) vorschlägt.

Dies würde zu einem „Windhundrennen“ führen, bei dem nur Schnelligkeit und Glück über die Vergabe entscheiden. Die Prioritätenliste der Ständigen Impfkommission lasse genügend Spielraum, um verfügbare Impfdosen auch unter Berücksichtigung der Bedürftigkeit rasch zu verimpfen.

RND

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