Von Manege bis Management: Zirkus-Chef Raoul Schoregge schreibt über sein Leben

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Clown Correggio und Circusmensch, aber auch Produzent und Manager des Chinesischen Nationalcircus: Raoul Schoregge hat eine facettenreiche Autobiografie vorgelegt.

von Jürgen Schroer

Borken

, 15.01.2020, 16:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Wer einmal Sägemehl unter den Füßen hatte, kommt nicht mehr davon los“, sagt einer, der es wissen muss. Raoul Schoregge, in Gescher aufgewachsen, ist als Clown in die Welt gezogen und hat in vielen Manegen im In- und Ausland das Publikum verzaubert. Aber der 50-Jährige kennt auch die Zahlen-Seite des Circus-Geschäftes, ist Produzent und Tourneeveranstalter des Chinesischen Nationalcircus. Am kommenden Freitag, 17. januar, gastiert dieser in der Borkener Stadthalle.

Autobiografischer Ratgeber

Zwischen den beiden Lebensaufgaben Clown und Zirkus-Chef balanciert Schoregge wie auf einem Drahtseil und legt mit „Die Leiter am Fuße des Lächelns“ einen autobiografischen Ratgeber vor. Mitten im Leben will es der Clown im Manager noch einmal wissen und produziert ein neues Soloprogramm: über sich, sein Leben und Visionen. Schoregge beschreibt den mühseligen Weg über 100 Tage bis zur Premiere. Er streut geschickt Rückblenden und Anekdoten aus seinem beruflichen Kosmos ein, gespickt mit Zitaten und (nicht nur) chinesischen Lebensweisheiten.

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Mancher Wegbegleiter aus Gescher wird sich an den „jungen“ Schoregge erinnern. Der hat sich schon als Heranwachsender als Nonkonformist gesehen, eher Indianer (im Karneval) und Punk als Cowboy und Normalo-Teenager. Folgerichtig entschloss sich der junge Mann, noch vor dem Abitur Schule und bürgerliches Leben hinter sich zu lassen und Clown zu werden. Schoregge lernte die klassische Figur des Weißclowns und trat unter anderem im Circus Crone auf. „Meine Eltern waren nach dem ersten Schock eigentlich ganz guter Dinge“, entsinnt sich der Autor. Von seinem Vater Günter, Kunstmaler und 2002 früh verstorben, bekam der Sohn die Lebensaufgabe mit, wenn schon Clown werden zu wollen, dann wenigsten so wie der weltberühmte Oleg Popov. Später ist Schoregge mit dieser Legende befreundet und gemeinsam in China aufgetreten.

Ausflüge in den Schoregge-Kosmos

Das andere Gesicht des Raoul Schoregge ist der Kaufmann und Manager, der seit fast 20 Jahren den Chinesischen Nationalcircus erfolgreich produziert. Reisen nach China, Verständnis für diese 5000 Jahre alte Kultur, viele Kontakte und Erlebnisse prägen sein Leben. Als Endvierziger ist es an der Zeit, Bilanz zu ziehen, der berühmten Midlife-Crisis zu entgehen. Schoregge will es allen, vor allem sich selbst, noch einmal beweisen. Er produziert eine Show mit sich als Clown Correggio. „Das ist es! Das Leben Revue passieren lassen in einer Revue über das Leben. Mein Soloprogramm.“ Den nicht immer leichten Weg bis zur Premiere nennt er „100 Tage bis zur Wahrheit“. Ein Weg (auch) zu sich selbst.

Aus dem Leben eines „clownesken Managers“

Zwischendurch erfährt der Leser Amüsantes und Lehrreiches aus dem Leben eines „clownesken Managers“, der viel erlebt hat. Von Lehrjahren im Circusbetrieb über einen Auftritt bei „Verstehen Sie Spaß?“ und ein „Pressegespräch mit Dickhäutern“, die am Ende einen Obststand plündern, bis hin zu Begegnungen mit Prominenten, vielen China-Reisen und Annäherungen an eine faszinierende Kultur reichen die Ausflüge in den Schoregge-Kosmos. Die Reise durchs Leben ist unterhaltsam, aber zugleich immer wieder mit Erkenntnisgewinn verbunden, auf den Punkt gebracht durch Zitate berühmter Denker. Hätte Vater Günter das Werk seines Sohnes Raoul noch lesen können, hätte er wohl sein größtmögliches Lob erteilt: „Nicht ganz schlecht“.

  • „Die Leiter am Fuße des Lächelns“, erschienen im Landwirtschaftsverlag, 18 Euro. Karten für die Vorstellung am Freitag, 17. Januar, in der Stadthalle gibt es im Ticketcenter unter Tel. (02861) 944110

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