Verleger sieht eine „Renaissance“ des Hungers nach seriöser Information

Neujahrsempfang von Lensing Media

Das Coronavirus hat den Hunger der Menschen nach seriöser Information und Einordnung neu entfacht, sagt Lambert Lensing-Wolff, Verleger von Lensing Media. Das biete neue Chancen.

Dortmund

, 07.01.2021, 12:58 Uhr
Verleger Lambert Lensing-Wolff (r.) - hier gemeinsam mit Moderator Dr. Wolfram Kiwit im Fernsehstudio - zog beim digitalen Neujahresempfangs von Lensing Media eine Bilanz des Jahres 2020. Dabei entdeckte er nicht nur wirtschaftlich schlimme Folgen der Pandemie, sondern auch neue Chancen.

Verleger Lambert Lensing-Wolff (r.) - hier gemeinsam mit Moderator Dr. Wolfram Kiwit im Fernsehstudio - zog beim digitalen Neujahresempfangs von Lensing Media eine Bilanz des Jahres 2020. Dabei entdeckte er nicht nur wirtschaftlich schlimme Folgen der Pandemie, sondern auch neue Chancen. © Stephan Schuetze

Vor einem Jahr war das Konzerthaus prall gefüllt, als Lensing Media beim Neujahrsempfang seinen 150. Geburtstag feierte. In diesem Jahr gab es ebenfalls einen Empfang, allerdings - ohne Empfang. Corona machte es nötig, die Digitalisierung macht es möglich.

Da die Geschäftspartner, Vertreter von Politik und Verwaltung, aus Kirchen, Verbänden und Vereinen nicht ins Konzert- oder Medienhaus kommen konnten, kam Lensing Media am Donnerstag zu ihnen. Per Live-Video in die Büros, Besprechungsräume und Homeoffice-Domizile. Eine gute Stunde lang führte Chefredakteur Dr. Wolfram Kiwit aus dem Fernsehstudio im Medienhaus am Westenhellweg durch ein Programm. Eine passende, ganz neue Form für eine Veranstaltung, die mit dem Begriff „Zeitenwende“ überschrieben war.

„Informationen als Grundnahrungsmittel der Demokratie“

Als eine entscheidende Zeit der Wende wertete auch Verleger Lambert Lensing-Wolff das vergangene Jahr. Die Corona-Pandemie habe den Wert seriöser Informationen wieder ins Bewusstsein gerückt: „Gerade in der Krise stellen sich echte Informationen als Grundnahrungsmittel von Freiheit und Demokratie heraus“, sagte Lensing-Wolff.

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Neujahrsempfang 2021

Impressionen vom digitalen Neujahrsempfang 2021 von Lensing Media.
07.01.2021
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Boris Stöber erlebte als 14-Jähriger den Mauerfall in Berlin.© Foto: Kisker
Volontärin Nora Varga sprach mit Dr. Stefanie Arndt über ihre Zeit auf der Polarstern-Expedition in der Arktis und den Klimawandel.© Foto: Kisker
Die Meereisphysikerin Dr. Stefanie Arndt verbrachte mehrere Monate in der Arktis.© Foto: Kisker
Chefredakteur Dr. Wolfram Kiwit moderierte den digitalen Neujahrsempfang und freute sich beim Öffnen der Empfangs-Box über das darin enthaltene "Konfetti".© Stephan Schuetze
Kevin Kisker, Birgit Schlomberg und Wenzel Heckenkamp (vorne v.r.) steuerten den digitalen Ablauf des Empfangs.© Stephan Schuetze
Über den PC, das Tablet oder das Smartphone war der Empfang zu verfolgen.© Stephan Schuetze
Großer technischer Aufwand war notwendig, um den digitalen Neujahrsempfang zu ermöglichen.© Stephan Schuetze
Chefredakteur Dr. Wolfram Kiwit im Fernsehstudio von Lensing Media.© Stephan Schuetze
Clara de Groote bot am Vibrafon eine außergewöhnliche Leistung.© Stephan Schuetze
Auch bei der Übertragung der Darbietung von Clara de Groote musste natürlich der Corona-Abstand eingehalten werden.© Stephan Schuetze
Verleger Lambert Lensing-Wolff (r.) - hier mit Moderator Dr. Wolfram Kiwit im Fernsehstudio - zog eine Bilanz des Jahres 2020. Dabei entdeckte er nicht nur schlimme wirtschaftliche Folgen der Pandemie, sondern auch neue Chancen.© Stephan Schuetze

„Die Nachfrage nach Wissen, nach Fakten, nach seriösen Informationen, nach Einordnung und Debatte hatte im vergangenen Jahr eine regelrechte Renaissance. Einen Boom. In jede lokale Verästelung hinein“, sagte Lensing-Wolff. Deshalb habe man in den Redaktionen auch keine Kurzarbeit eingeführt, sondern im Gegenteil die Inhalte sogar ausgebaut.

„Der größte redaktionelle Lokalteil Deutschlands“

„In Dortmund erscheinen wir seit April des letzten Jahres mit dem größten redaktionellen Lokalteil Deutschlands“, sagte der Verleger und: „Wir produzieren seit 2020 als erste deutsches Medienunternehmen jeden Tag, also 365 Mal im Jahr, eine Zeitung. An allen Sonn- und Feiertagen erscheint mittlerweile unser ePaper.“ Und der Einsatz habe sich gelohnt, denn man habe die Reichweiten 2020 in einem Maße ausbauen können wie seit 25 Jahren nicht mehr.



Dass die Corona-Krise in einer ganzen Reihe von Ereignissen, die man als Zeitenwende bewerten kann, steht, machte das weitere Programm deutlich. Die 94-jährige Lore Boas erzählte, wie sie als Jugendliche das Ende des Zweiten Weltkriegs und den Neuanfang in den Jahren danach erlebt hat. Hunger und Entbehrungen sind ihr in Erinnerung geblieben und die schlimmen Kriegserlebnisse: „Alles war besser als der Bombenkrieg“, sagt sie noch heute. Und eine Erkenntnis ist in den Jahrzehnten seither in ihr gewachsen: „Die Dummheit stirbt nie aus.“

Zeitenwenden auf der Mauer und im Eis

Boris Stöber, heute Vertriebsleiter Lesermarkt bei Lensing Media , hat eine andere Zeitenwende erlebt. Als 14-Jähriger stand der gebürtige Berliner 1989 am Tag des Mauerfalls am Brandenburger Tor auf der Mauer. Der Mauerbau hatte seine Familie zerrissen. Dass jetzt die Grenzen plötzlich offen waren, hat ihn tief geprägt: „Was wir alle aus dieser Zeit mitgenommen haben, ist der unbedingte Glaube daran, dass Dinge, die scheinbar in Stein gemeißelt sind wie die Mauer, auf einmal weg sein können.“



Die Erfahrung, von der Dr. Stefanie Arndt, Meereisphysikerin am Alfred-Wegener-Institut für Polarforschung erlebt, handelt von einer Zeitenwende, die sich jetzt gerade, in diesem Augenblick ereignet. Die Rede ist vom Klimawandel. Mehrere Monate lang verbrachte die Forscherin im vergangenen Jahr bei der Expedition Mosaic auf der Polarstern, die ein Jahr lang das Eis der Arktis erforscht hat. Ihre sehr klare Schlussfolgerung aus dieser Zeit: Der Klimawandel komme nicht nur, er sei bereits da: „Die Folgen des Klimawandels spüren wir jetzt schon“ sagt sie.



Das war viel interessanter, aber auch ernster Stoff zum Thema Zeitenwende. Da war es gut, dass zwischendurch Clara de Groote, Stipendiatin der Mozart-Gesellschaft, mit ihrem Vibrafon live aus einem anderen Raum im Medienhaus ins Fernsehstudio zugeschaltet wurde und mit ihrer Musik Räume schuf, in denen das Gehörte nachklingen konnte.

So gelungen diese Premiere eines Video-Neujahrsempfangs auch war: Allen Beteiligten ist klar, was sie sich für den Neujahrsempfang 2022 wünschen: Ein volles Haus mit Händeschütteln, Umarmungen und gemütlichen Plaudereien bei leckeren Häppchen.

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