Unis fordern Videoüberwachung von Studenten bei Online-Klausuren

Universität

Zimmer oder Wohnung filmen, Kameras in den persönlichen Wohnräumen: Die Forderungen einiger Unis bei Online-Klausuren stoßen auf Kritik. Die Uni Münster hat nun einen Kompromiss gefunden.

Münster/Düsseldorf

11.02.2021, 05:00 Uhr / Lesedauer: 1 min
Bei Online-Klausuren wollen Unis per Video den Raum, in dem sich die Studenten befinden, einsehen können.

Bei Online-Klausuren wollen Unis per Video den Raum, in dem sich die Studenten befinden, einsehen können. (Symbolbild) © picture alliance/dpa

Studenten an der Uni Münster, die wegen der Corona-Pandemie online Klausuren schreiben müssen, dürfen nur mit einer Kamera im Verdachtsfall von Täuschungsversuchen überprüft werden. Darauf hat das Rektorat der Uni am Mittwoch hingewiesen. Dabei darf der Prüfling aufgefordert werden, „durch Drehen der Kamera überblicksartig zu zeigen, dass er sich alleine im Raum befindet und keine Hilfsmittel im Blickfeld hat“, heißt es in einer Stellungnahme. Das sei der Rahmen, den das Rektorat insgesamt vorgegeben habe.

Der Allgemeine Studierendenausschuss (ASta) der Uni hatte ausufernde Überwachung in Online-Klausuren kritisiert. Teilweise werde von Studierenden erwartet, neben ihrem Arbeitsplatz auch die persönlichen Wohnräume zu filmen oder mit mehreren Kameras Tisch und Türen aufzuzeichnen. „Eine solche Rundumüberwachung halten wir für unzulässig“, erklärt Lina Eilers aus dem AStA-Vorsitz in einer Mitteilung.

Laut Uni ist der Einsatz von mehreren Kameras nicht erlaubt. Die Uni Münster weist daraufhin, dass sie laut Hochschulgesetz verpflichtet sei, bei der Organisation und Abnahme von Hochschulprüfungen die prüfungsrechtlichen Grundsätze der Gleichbehandlung und Chancengleichheit zu wahren. Das bedeutet: Täuschungshandlungen müssen so weit wie möglich unterbunden werden.

Studierende zu einer Einwilligung gezwungen

Die Uni beruft sich auf im November 2020 erlassene Regelungen zur Video-Überwachung, die auf Erlassen des nordrhein-westfälischen Ministeriums für Kultur und Wissenschaft in der Pandemie-Situation beruhen. Zu Prüfungen im Staatsexamen wie bei Juristen oder Pharmazeuten könne sich die Uni nicht äußern. Darauf habe das Rektorat keinen Einfluss, sagte ein Sprecher.

Die nordrhein-westfälische Datenschutzbeauftragte Helga Block verweist nach der Kritik durch den AStA auf bislang fehlende Abstimmung mit den staatlichen Universitäten. Bei den privaten Unis sei die Datenschutzbeauftragte bereits weiter, heißt es in einer Stellungnahme. So habe sie erhebliche Bedenken, wenn eine private Hochschule eine Einwilligung für eine Videoüberwachung auf Basis der Datenschutz-Grundverordnung stützen will. Sollte keine Alternative für die Videoüberwachung bei Online-Klausuren oder Prüfungen angeboten werden, werde der Studierende zu einer Einwilligung gezwungen.

dpa

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