Unbekannter schießt am Bocholter Brauhaus auf Tauben

dzLuftgewehr

Seit einem Jahr finden Mitarbeiter des Bocholter Tiernotrufs rund um das Brauhaus immer wieder angeschossene Tauben. Offenbar nutzt der Schütze ein Luftgewehr.

von Stefan Prinz

Bocholt

, 04.08.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es sind verstörende Fotos: Eine Taube hat eine klaffende Schusswunde unter ihrem Gefieder. Sie ist eine von mittlerweile vielen Vögeln, die dem Tiernotruf rund um das Bocholter Brauhaus gemeldet werden. „Manchmal sind es mehrere Tiere am Tag“, weiß Martina Utzig, zweite Vorsitzende des Tiernotrufs. Viele Tauben überleben die Schüsse nicht.

„Von wo genau geschossen wird, wissen wir nicht“, sagt die Tierschützerin. Auffällig ist, dass zahlreiche Tiere in der Grünanlage rund um das Brauhaus gefunden wurden. Einige sind dann bereits tot. Auch als die beiden Tiernotruf-Mitarbeiterinnen Nicole Rensing und Martina Utzig Montagnachmittag unter den Bäumen und in den Büschen nach verletzten Tieren suchen, treffen sie auf zerfetzte Tauben. „Manchmal ist es ein Einschuss im Brustkorb und dann fehlt auch mal der ganze Kopf“, weiß Martina Utzig aus den erschreckenden Funden der vergangenen Wochen und Monate. „Das Ganze beobachten wir jetzt etwa ein Jahr.“

Schütze ist vor allem im Sommer und abends unterwegs

Offensichtlich sei der Schütze besonders in den Sommermonaten und in den Abendstunden unterwegs. „Also jetzt“, sagt Martina Utzig. Ein Tierarzt habe festgestellt, dass es sich angesichts der Verletzungen und der verwendeten Munition in den meisten Fällen wohl um einen Schützen mit einem Luftgewehr handeln muss. Anzeige habe der Tiernotruf bisher trotzdem nicht erstattet. Der Grund: Die Wahrscheinlichkeit, den unbekannten Täter zu erwischen, sei zu gering, glaubt Martina Utzig.

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Polizeisprecher Frank Rentmeister erklärt auf Nachfrage, dass „das Schießen mit einem Luftgewehr auf dem eigenen Grundstück“ grundsätzlich nicht verboten sei. Aber: „Es muss aber sichergestellt sein, dass die Geschosse das Grundstück nicht verlassen können.“ Da Luftgewehre Geschosse mit hoher Energie verschießen können, ist beim Gebrauch in der Öffentlichkeit egal zu welchem Anlass ein Risiko gegeben, sollten Personen, Tiere oder Gegenstände durch Irrläufer getroffen werden. Kurzum: Das Schießen in einer Parkanlage auf Tiere ist im Fall des Brauhaus-Schützen ganz klar strafbar.

Auch Katzen werden im Kreis vermehrt angeschossen

Der Luftgewehrschütze ist aber offensichtlich nicht der einzige, auf den die Polizei aufmerksam geworden ist. Im Kreis Borken werden der Polizei in letzter Zeit mehrere Fälle von Katzen mit Schussverletzungen gemeldet. Ebenso komme es vereinzelt zu Sachbeschädigungen, bei denen die Einschusslöcher, zum Beispiel in Rollläden, auf Luftdruckwaffen-Munition hindeuten, so Polizeihauptkommissar Rentmeister.

Die verletzten Tauben sind für den Tiernotruf derzeit ein doppeltes Problem: Denn auch ohne den Brauhaus-Schützen haben die Tierschützer alle Hände voll zu tun: entkräftete Vögel, verletzte Katzen oder Igel, die von Mährobotern verletzt wurden: „Wir fahren derzeit 20 bis 30 Einsätze pro Tag“, berichten die beiden Tierschützerinnen. Der weitaus größte Anteil ihrer Fälle spiele sich in Bocholt ab. Der Tiernotruf rücke aber auch für Fälle in Hamminkeln, Rhede und Isselburg aus.

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