Umweltbewusstsein hat weniger Priorität in der Corona-Krise

dzCorona und Umwelt

Plastik reduzieren gehört für viele Menschen inzwischen zum Alltag. Während der Corona-Krise haben sich aber die Prioritäten verschoben. Wie man selbst bei einer Eisdiele in Nordkirchen sehen kann.

Nordkirchen

, 18.10.2020, 11:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer sein Eis im Plastikbecher verspeist, hat den Vorteil, dass er es problemlos abstellen kann oder auch, dass die Leckerei nicht die Hände herunterläuft und kleckert. Einen entscheidenden Nachteil hat die Variante im Becher aber gegenüber der im Hörnchen: es fällt deutlich mehr Müll an.

Das Eiscafé Pallina in Nordkirchen hatte deshalb im Frühjahr 2019 auf plastikfreie Eisbecher umgestellt. Sie bestehen aus PLA (Polyaticide), einem nachwachsendem Rohstoff. Rund anderthalb Jahre nach der Einführung fällt das Fazit eindeutig positiv aus, die Becher gibt es nach wie vor. Inzwischen gibt es auch Strohhalme und Löffel aus nachwachsenden Rohstoffen in dem Café.

Plastikfreie Becher waren beim Außer-Haus-Verkauf wenig gefragt

Doch Beate Pieper vom Eiscafé Pallina ist auch etwas interessantes aufgefallen: „Es ist total spannend, wie so ein Trend läuft“, meint Pieper. Dass sich immer mehr Menschen für ökologische Themen interessieren, sei offensichtlich geworden. „Man merkte bei den Leuten, dass eine Öko-Welle schwappte und auch immer noch schwappt“, sagt Beate Pieper. Doch während der Corona-Krise - zumindest während der ersten großen Welle im Frühjahr - hätten sich die Prioritäten etwas verschoben.

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„Beim Außer-Haus-Verkauf hat zum Beispiel niemand mehr nach den plastikfreien Bechern gefragt“, berichtet Pieper aus der Zeit im Frühjahr, als die Eisdielen zwar wieder aufmachen durfte, aber niemand in der Nähe des Eiscafés Speisen zu sich nehmen durfte. „Entweder wussten die Menschen schon, dass wir diese Becher haben, oder es war in dem Moment nicht so wichtig, wie das Thema Corona.“ Als die Corona-Welle dann über den Sommer zunächst wieder ausgebremst war, sei die Nachfrage wieder gestiegen und mehr Leute hätten auch gezielt nach den plastikfreien Eisbechern gefragt.

Verpackungsbranche verzeichnete Zuwächse

Und tatsächlich macht sich das veränderte Konsum-Verhalten während der Corona-Krise auch in anderen Bereichen bemerkbar. Während die Verpackungsbranche in den vergangenen Jahren massive Umsatzeinbrüche hinnehmen musste - zum Beispiel durch nur noch kostenpflichtige Plastiktüten an der Supermarktkasse - verzeichnete sie während der Corona-Krise wieder eine höhere Nachfrage. Besonders bei Verpackungsprodukten für Lebensmittel, Medikamenten, Hygieneartikeln aber auch bei Schutzbekleidung habe es zum Teil eine deutlich höhere Nachfrage, teilte die Industrievereinigung Kunststoffverpackungen im Frühjahr mit. Zweistellige Umsatzsteigerungen seien zwischen Mitte März und Mitte April die Folge gewesen.

Auch beim heimischen Abfall machen sich die veränderten Gewohnheiten während der Corona-Krise bemerkbar: „Wir merken, dass die Restmüllmengen zugenommen haben“, sagt Matthias Bücker, Sprecher bei den Wirtschaftsbetrieben im Kreis Coesfeld (WBC). Während 2019 im Kreis insgesamt 24.600 Tonnen Restmüll zusammengekommen sind, waren es von Januar bis September 2020 19.500 Tonnen.

Mehr Müll im Kreis Coesfeld während Corona-Krise

Legt man den Wert zu Grunde, der 2019 noch in den letzten drei Monaten des Jahres dazukam, wären es 2020 insgesamt 25.700 Tonnen. „Also etwa eine Tonne mehr, das ist schon einiges“, sagt Bücker. Gerade, wenn man bedenke, dass sich der Wert von 24.500 Tonnen in den vergangenen Jahren konstant gehalten habe. „Während der Corona-Krise waren die Leute aber auch mehr zu Hause“, sagt Bücker, haben vielleicht beim Lieferdienst bestellt, aufgeräumt und weggeschmissen und auch mehr Müll durch zusätzliche Hygieneaufwendungen verursacht. Aktuelle Zahlen zum Verpackungsmüll im Kreis Coesfeld gibt es noch nicht, auf die können die Wirtschaftsbetriebe erst Ende des Jahres zugreifen, erklärt Bücker. „Es ist aber zu erwarten, dass da der Müll auch um einiges zugenommen hat“, so Bücker. Er gehe davon aus, dass es in allen Bereichen Steigerungen gebe. Vielleicht sogar im Bereich Biomüll.

Das Eiscafé Pallina hat nun jedenfalls noch - vor einer kleinen Winterpause - bis Mitte November geöffnet. Wie viele Leute während der aktuellen Corona-Welle im Moment Wert auf die plastikfreien Eisbecher legen, wird sich zeigen.

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