Trotz Corona keine tiefe Rezession? Drei Szenarien für Deutschland – und was sie bedeuten

Coronavirus

Die Bundesregierung rechnet damit, dass die Wirtschaft wegen der Corona-Krise um mindestens 5 Prozent einbricht. Die sogenannten Wirtschaftsweisen sind nicht ganz so pessimistisch.

Berlin

von Tim Szent-Ivanyi

, 30.03.2020, 13:37 Uhr / Lesedauer: 2 min
Bricht die Wirtschaft in Deutschland ein? Das Foto zeigt die Köhlbrandbrücke in Hamburg mit einem Stau von Lkw.

Bricht die Wirtschaft in Deutschland ein? Das Foto zeigt die Köhlbrandbrücke in Hamburg mit einem Stau von Lkw. © picture alliance/dpa

Die Wirtschaftsweisen gehen davon aus, dass sich die wirtschaftliche Lage in Deutschland über den Sommer wieder stabilisiert und daher die Konjunktur nicht so stark einbricht wie befürchtet. Das geht aus einem am Montag veröffentlichten Sondergutachten des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung hervor. Die Experten verweisen dabei auf die Entwicklung in China.

Für das laufende Jahr rechnen die Ökonomen mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 2,8 Prozent. Damit wäre der Einbruch wesentlich kleiner als in der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/2009, als die Konjunktur um rund 5 Prozent zurückging. Die Bundesregierung geht bisher davon aus, dass die Wirtschaftsleistung in Deutschland aufgrund der Corona-Krise mindestens so stark sein wird wie in der Finanzkrise.

1. Szenario nach Corona: „Kurzes V“

Für 2021 prognostizieren die Experten in diesem „V“-Szenario – das V beschreibt einen kurzen Einbruch – ein kräftiges Wachstum von 3,7 Prozent. Sie begründen diese Erwartung mit sogenannten Aufholeffekten: Die Wirtschaft bekommt einen zusätzlichen Schub, weil ausgefallene Investitionen oder Einkäufe nachgeholt werden.

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2. Szenario nach Corona: „Ausgeprägtes V“

Die Wirtschaftsweisen beschreiben allerdings auch ein Risikoszenario („ausgeprägtes V“). Dabei erholt sich die Wirtschaft zwar auch wieder über den Sommer. Der Rückgang im Frühjahr ist aber deutlich stärker als im ersten Szenario.

Unter diesen Bedingungen rechnen die Experten mit einem Einbruch der Konjunktur im zweiten Quartal um 10 Prozent. Im Jahresdurchschnitt würde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) dann um 5,4 Prozent zurückgehen. 2021 könnte die Wirtschaft dann allerdings sogar um 4,9 Prozent wachsen.

3. Szenario nach Corona: „Langes U“

In einem dritten Szenario gehen die Ökonomen davon aus, dass die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus über den Sommer hinaus andauern müssen. In dieser Variante („langes U“) erwarten die Wirtschaftsweisen Entlassungen und Insolvenzen in einem größeren Ausmaß.

„Verschlechterte Finanzierungsbedingungen sowie die gestiegene und verfestigte Unsicherheit könnten zudem Investitionen bremsen und zur Kaufzurückhaltung bei Haushalten führen“, heißt es in dem Gutachten. Zudem könnten auch die Banken und die Finanzmärkte in Mitleidenschaft gezogen werden.

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In dieser Variante rechnen die Ökonomen mit einem Einbruch der Konjunktur in diesem Jahr um 4,5 Prozent. Deutlichere Spuren würde dieses Szenario aber vor allem 2021 hinterlassen. Denn hier erwarten die Experten dann nur eine sehr langsame Erholung der Wirtschaft mit einem Plus von lediglich einem Prozent.

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