Trockene Brunnen - was Bewohner im Außenbereich jetzt machen können

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Die Lage spitzt sich zu: Im zweiten trockenen Sommer in Folge sind erste Hausbrunnen in den Nordkirchener Bauerschaften versiegt. Die Diskussion über Lösungsmöglichkeiten nimmt Fahrt auf.

Nordkirchen

, 27.09.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Geschäftsführerin der Landwirtschaftskammer Coesfeld referiert kurz die Fakten: Im ohnehin regenarmen Sommer 2018 habe es im Südkreis noch weniger geregnet als in anderen Bereichen des Bundeslandes, berichtet Marianne Lammers. „Die Niederschlagsmenge lag bei knapp 400 mm - rund 130 bis 150 mm weniger als sonst üblich.“

Die Folgen hätten einige Landwirte leidvoll zu spüren bekommen. Ihre Brunnen seien im zweiten trockenen Sommer 2019 versiegt. Marianne Lammers berichtet von unkomplizierter Hilfe. „Betroffene haben sich Wasser vom Nachbarn geholt.“ Was ist aber, wenn es weitere trockene Sommer gibt und weitere Landwirte betroffen sind? Wenn ihre Brunnen versiegen oder sich zumindest das Wasserangebot deutlich verringert?

Gemeindeverwaltung lädt ein zum Informationsabend

Die Gelsenwasser AG und die Gemeinde Nordkirchen laden für Montag, 7. Oktober ins Bürgerhaus, Am Gorbach 2, zu einer Informationsveranstaltung ein, um ab 18 Uhr mit Eigentümern von Grundstücken im Außenbereich grundsätzlich über einen Anschluss ans Wassernetz zu sprechen.

„Ein Anschluss ans Wassernetz kann für Sicherheit sorgen“, räumt Marianne Lammers ein. Zugleich weist sie darauf hin, dass jeder Betroffene seine persönliche Rechnung aufmachen muss. „Denn die Rohrverlegung ist eine riesige Aufgabe.“ Aus Sicht der Geschäftsführerin sollte beim Ausbau des Wassernetzes zugleich das Thema Abwasser mit überlegt werden.

Gelsenwasser übernimmt zu 30 Prozent Ausbaukosten

Bernd Hartung, Un­ter­neh­mens­sprecher Gelsenwasser, nennt auf unsere Anfrage Zahlen: Für einen neuen Hausanschluss sind aktuell 1900 Euro zu zahlen - bei einer maximalen Anschlusslänge von 15 Metern. In den Bauerschaften werden deutlich längere Leitungen notwendig sein. Und damit steigen die Kosten.

Hartung berichtet von einer rund zwei Kilometer langen Leitung, die Gelsenwasser in Ostwestfalen verlegt hat. „Kostenpunkt: ein fünfstelliger Betrag.“ Investitionen, die auf die Anlieger umgelegt wurden. Wie hoch sie am Ende in Nordkirchen sein werden, hänge vor allem von den Rahmenbedingungen ab.

Bürger müssen am Ende Grundsatzentscheidung treffen

Müssen wie in Innenstädten Asphaltflächen aufgeschnitten, Schotter ausgehoben werden, dann erwartet Hartung Kosten von 170 bis 200 Euro je Meter. Diese Summe könne jedoch im Außenbereich dadurch deutlich reduziert werden, wenn beispielsweise Wasserleitungen einfach eingespült werden können.

Grundsätzlich gilt dabei, dass Gelsenwasser mindestens 30 Prozent der Ausbaukosten trägt, die deutlich größere Summe auf die Anlieger umgelegt werde. Deshalb gelte: Je mehr Bewohner im Außenbereich mitmachen, desto geringer wird der finanzielle Aufwand für den Einzelnen.

So oder so bleibt es für die Bürger eine schwierige Einzelentscheidung. Am Ende muss sich jeder entscheiden, was für ihn wichtiger ist: Versorgungssicherheit oder preiswertes Wasser.

Marianne Lammers bringt das Thema Reserven ins Gespräch

Während Marianne Lammers den betroffenen Eigentümern im Außenbereich keine Empfehlung aussprechen will, hat sie klare Vorstellungen beim grundsätzlichen Thema Wasserhaushalt. Sie rät dazu „strategisch umzudenken.“ Ganz konkret bringt sie ins Gespräch, im Winter mehr Wasser zu sammeln, um für den nächsten (trockenen) Sommer Reserven anzulegen.

Aber reicht es nicht aus, den eigenen Brunnen tiefer zu bohren? „Wenn das alle machen, schießen wir uns selbst ins Knie“, sagt die Geschäftsführerin. Ein Aspekt, den auch Gemeinde und Gelsenwasser in ihrer Einladung ansprechen. Dabei verweisen sie wie auch die Kammer darauf, dass jeder am Ende die Wirtschaftlichkeit der Maßnahme berechnen muss.

Zumindest wird der Info-Abend aber zeigen, ob es in Nordkirchen überhaupt Interesse im Außenbereich an einen Anschluss ans öffentliche Wassernetz gibt. Oder halt auch nicht.

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