Tom Tailor Group: Drohende Zahlungsunfähigkeit bei Bonita

dzWirtschaft

Bonita steckt länger in der Krise. Wegen drohender Zahlungsunfähigkeit hat das Modeunternehmen aus Hamminkeln jetzt die Eröffnung eines Schutzschirmverfahrens in Eigenverwaltung beantragt.

von Stefanie Himmelberg

Hamminkeln

, 10.06.2020, 14:33 Uhr / Lesedauer: 2 min

Löhne und Gehälter der Mitarbeiter seien in den nächsten drei Monaten durch das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit gesichert, teilt das Unternehmen mit. Am Kesseldorfer Rott sind insgesamt 235 Mitarbeiter inklusive Außendienst beschäftigt.

Auf die Frage, ob der Standort Hamminkeln in seiner Existenz gefährdet ist, antwortet Bonita-Geschäftsführer Karsten Oberheide mit einem „klaren Nein. Die Zentrale von Bonita in Hamminkeln bleibt bestehen. Daran ändert sich nichts. Ziel ist es, das gerichtliche Sanierungsverfahren jetzt zügig mit einem Insolvenzplan abzuschließen und das Ende 2018 entwickelte Sanierungskonzept für Bonita konsequent und schnell umzusetzen“.

235 Mitarbeiter bei Bonita

Auch Hamminkelns Bürgermeister Bernd Romanski sprach von einem „gangbaren Weg“ für Bonita. Er sehe das anstehende Sanierungsverfahren auch als Chance für das kriselnde Unternehmen, sagte er auf BBV-Frage.

Die Ladenschließungen im Zuge der Corona-Krise hatten bei dem angeschlagenen Modeunternehmen zu weiteren erheblichen Umsatzausfällen geführt. Daher bemühte sich die Unternehmensgruppe intensiv um eine Staatsbürgschaft.

Nachdem diese nicht im erforderlichen Umfang genehmigt wurde, rutscht Bonita nun in ein Schutzschirmverfahren. Dabei handelt es sich um ein besonderes Verfahren zur Sanierung von Unternehmen in Eigenverwaltung.

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Die Geschäftsführung bleibt im Amt und ist weiterhin uneingeschränkt handlungs- und weisungsbefugt. Zum vorläufigen Sachveralter wurde Rechtsanwalt Dr. Sven-Holger Undritz bestellt. Er wird als verlängerter Arm des Gerichts die Geschäftsführung im Rahmen des Schutzschirmverfahrens beaufsichtigen und begleiten.

Gerichtliches Sanierungsverfahren

Ziel sei es, das gerichtliche Sanierungsverfahren zügig mit einem Insolvenzplan abzuschließen. Diesen werde die Geschäftsführung innerhalb der nächsten drei Monate erarbeiten und dem Gericht vorlegen, sagt Geschäftsführer Oberheide.

„Wir sind überzeugt von einer erfolgreichen Zukunft der Marke Bonita. Hierfür haben wir bereits Ende 2018 die Weichen gestellt und ein Sanierungskonzept entwickelt. Das können wir unter dem Schutzschirm jetzt noch konsequenter und schneller umsetzen.“

Tom Tailor Group sieht für Bonita weiterhin Chancen

Auch Christian Werner, CFO der Tom Tailor Group und Geschäftsführer der Tom Tailor GmbH, sieht für Bonita weiterhin Chancen: „Das Schutzschirmverfahren gibt Bonita die Möglichkeit, die eingeleitete Restrukturierung konsequent fortzuführen.“

Das Eigenverwaltungsverfahren im Schutzschirm bei Bonita hat auch Auswirkungen auf die übergeordnete Tom-Tailor-Holding, die infolge der Bonita-Krise Insolvenzantrag gestellt hat. Tom Tailor spricht von „gruppeninternen Verpflichtungen gegenüber Bonita“, die eine Insolvenz bei der Holding „unausweichlich“ gemacht hätten. Die Tom Tailor GmbH und damit die Marke Tom Tailor sind von den Verfahren nicht betroffen.

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