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Tom Cruise als wahnwitziger Schlawiner im Höhenflug

Kino: „Barry Seal“

Wäre die Geschichte eine Fiktion, würde man sie dem Autor um die Ohren hauen, weil sie nach durchgeknalltem Kokolores klingt. Da ist ein Pilot, der Waffen von Amerika nach Nicaragua fliegt. Auf dem Rückflug transportiert er Kokain für Pablo Escobar, besticht unterwegs den starken Mann in Panama, während die CIA eine schützende Hand über ihn hält.

von Kai-Uwe Brinkmann

, 07.09.2017 / Lesedauer: 2 min
Tom Cruise als wahnwitziger Schlawiner im Höhenflug

Mit einer Ladung Gewehre startet er nach Nicaragua: Tom Cruise spielt den Vielflieger im Dienst der CIA. Foto: Universal © dpa

Der Kerl schwimmt im Geld. Er verbuddelt es im Garten, lagert es im Haus, bis die Penunsen aus jeder Ritze quellen.

So irre es klingt: Regisseur Doug Liman hält sich mit „Barry Seal – Only in America“ an Fakten. Der Wahnwitz war real damals in den 80ern, als die USA aus schwarzen Kassen Milizen in Zentralamerika bewaffneten, Stichwort „Iran/Contra-Affäre“.

Revue-artige Posse

Während Präsident Reagan den Krieg gegen die Drogen ausruft, scheffelt Barry Seal (Tom Cruise) Millionen mit dem Schnee aus Kolumbien, und der Geheimdienst ist behilflich. Der Film ist eine Revue-artige Posse, ein Schelmenstück aus dem Tollhaus amerikanischer Politik, wo die linke Hand nicht weiß, was die rechte tut. Hauptsache, es geht gegen Kommunisten und Revoluzzer.

So steigt der kleine Pilot Barry zum Herren über eine Luftflotte auf, die im Shuttle-Dienst zentnerweise Koks über den Sümpfen Louisianas abwirft. Tom Cruise hat reichlich Gelegenheit, sein spitzbübisches Gewinner-Grinsen zu zeigen. Barry weiß nicht, wie ihm geschieht, aber der liebe Gott meint es offenbar gut mit ihm.

Popcorn-Komödie



In Rückblenden beichtet er sein Leben, ganz wie Johnny Depp in „Blow“, auch so eine Retro-Drogenballade nah an der Komödie. „Barry Seal“ ist sicher amüsant, flott erzählt und unterhaltsam, im Grunde aber eine Popcorn-Operette ohne besondere Fallhöhe. Politik ist ein Affenzirkus, Barry der Clown in der Manege.

Spannung und Thriller-Dramatik halten sich in Grenzen, obwohl unser Mann mit Wölfen vom Schlage Escobars heult. Viele Figuren wirken wie Skizzen, selbst Barrys Frau (Sarah Wright) bleibt blass. Ein Tom Cruise-Vehikel, durch und durch.