Tödliches Ehedrama in Hamm: „Alles war wie im Nebel“

dzLandgericht Dortmund

Qualvoll erstickt ist eine 58-jährige Frau aus Hamm – weil ihr der Brustkorb zugedrückt wurde. Ihr Ehemann bestreitet jede Schuld. Doch als sie gefunden wurde, war auch alles voller Blut.

von Jörn Hartwich, Jonathan Löckenhoff

Hamm, Dortmund

, 29.01.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es muss ein qualvoller Tod gewesen sein: Vor sechs Monaten wurde einer 58-jährigen Frau aus Hamm so massiv auf den Brustkorb gedrückt, dass sie langsam erstickt ist. Seit Mittwoch steht ihr Ehemann in Dortmund vor Gericht – und bestreitet jegliche Absicht.

Es war der 31. Juli 2019, als der Angeklagte bei seinen Nachbarn Alarm schlug. Sie sollten schnell kommen, er brauche Hilfe. Tatsächlich war da schon alles zu spät. Die 58-Jährige lag leblos auf dem Boden, ihr Kopf war voller Blut. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Ehemann sie auch noch geschlagen hat, so dass sie in eine Vitrine stürzte.

Opfer nur noch Haut und Knochen

Für die Nachbarn muss es damals ein unfassbar trauriger Anblick gewesen sein. Die Frau war ohnehin nur noch Haut und Knochen und hatte zuletzt kaum noch etwas gegessen. „Höchstens eine halbe Scheibe Toast morgens und Süßigkeiten“, sagte ihr Mann den Richtern. „Sie ist immer dünner geworden.“ Auch die vom Arzt verschriebene Zusatznahrung habe sie kaum noch angerührt.

Außerdem war sie schwer lungenkrank, konnte sich ohne Sauerstoffgerät kaum noch bewegen. Was sie allerdings nicht davon abgehalten haben soll, jeden Tag noch mindestens eine Schachtel Zigaretten zu rauchen. „Darüber haben wir manchmal gestritten“, so der Angeklagte.

Vor dem Tod seiner Frau will er die ganze Nacht durchgetrunken haben – Gin und Martini. Was dann passiert sei, wisse er nicht mehr. Plötzlich habe seine Frau auf jeden Fall auf dem Boden gelegen. „Alles war wie im Nebel.“ Er habe sie geschüttelt und gedrückt, um sie aufzuwecken. Aber es gab keine Reaktion mehr

Spontanes Geständnis nach der Tat?

Gewalt will er seiner Frau aber nicht angetan haben. „Vielleicht bin ich getorkelt und auf sie draufgefallen, als ich von der Toilette kam.“ An dieser Version haben die Richter allerdings Zweifel. Vor allem, weil der Angeklagte den Polizisten damals noch in der Wohnung gesagt hat, dass er seine Frau umgebracht habe. Später wollte er davon allerdings nichts mehr wissen.

Der Angeklagte hat sein halbes Leben als Bergmann unter Tage verbracht. Seit er in Rente ist, ging es immer weiter bergab. Vor allem der Alkohol wurde immer wichtiger. Seine Frau musste ihm angeblich bis zuletzt das Bier bringen, das er im Kofferraum seines Autos deponiert hatte – trotz ihrer schweren Erkrankung.

Bei seiner Festnahme hatte der 55-Jährige über zwei Promille im Blut, er bestreitet jedoch Alkoholiker zu sein. Die Anklage lautet auf Totschlag, die Richter wollen voraussichtlich schon in der nächsten Woche das Urteil sprechen.

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