Tod am Bahnsteig: 28-Jähriger stößt Frau vor Zug - er will sich nur abgestützt haben

Landgericht Duisburg

Der 28-Jährige, der eine Frau in Voerde vor einen Zug gestoßen hat, bestreitet vor Gericht jede Absicht. Die Anklage spricht von Mordlust. Der Mann soll zuvor ein ganzes Dorf terrorisiert haben.

Voerde

09.01.2020, 13:27 Uhr / Lesedauer: 2 min
Tod am Bahnsteig: 28-Jähriger stößt Frau vor Zug - er will sich nur abgestützt haben

Der Angeklagte Jackson B. zu Beginn seines Prozesses mit einem Briefumschlag vor dem Gesicht im Landgericht Duisburg. © picture alliance/dpa

Im Prozess um den Tod einer Frau am Bahnhof im niederrheinischen Voerde hat der Beschuldigte bestritten, die 34-Jährige absichtlich vor einen einfahrenden Zug gestoßen zu haben.

„Ich würde niemals Frauen schubsen“, hieß es in einer von seiner Verteidigerin verlesenen Erklärung. „Ich kann mir nur vorstellen, dass ich mich bei ihr abgestützt habe.“ Am Tattag, dem 20. Juli 2019, sei es ihm schlecht gegangen. Sein Kopf habe sich gedreht, er habe geschwankt.

Staatsanwaltschaft: Reine Mordlust

Die Staatsanwaltschaft geht dagegen davon aus, dass der 28-jährige in Deutschland geborene Serbe Jackson B. die ihm völlig unbekannte Frau aus Mordlust vor den Zug stieß. Die Mutter einer damals 13-Jährigen war noch im Gleisbett gestorben. Die Tat löste bundesweit Entsetzen aus.

Ob der 28-Jährige vorher mit der 34-Jährigen gesprochen hat, ob es überhaupt einen Kontakt zwischen dem Täter und seinem Opfer gab, ist unklar. Ein Zeuge hatte damals der WAZ berichtet (WAZ+), es habe ein Gespräch gegeben. „Bei solchen Leuten reicht oft ein falscher Blick“, erklärt ein Polizeipsychologe Adolf Gallwitz in der Bild. (Bild+)

28-Jähriger terrorisierte offenbar das ganze Dorf

Der 28-Jährige ist für die Polizei kein Unbekannter. Wegen Diebstahl, Einbruch, Betrügereien und Körperverletzungen verbüßte er zwei Freiheitsstrafen. Unter anderem waren zwei Polizisten von ihm verletzt worden.

Auch hat der Mann offenbar die Menschen in dem Dorf, in dem er lebe, terrorisiert. „Wir haben schon befürchtet, dass etwas ganz Schreckliches passieren muss, bevor sie ihn einsperren“, sagt ein Imbiss-Besitzer aus Hamminkeln gegenüber der Bild. Ein Nachbar wird so zitiert: „Hier gibt es kaum jemanden, der nicht schon einen seiner Ausraster miterlebt hat.“

Der Mann lebte etwa ein Jahr lang mit seinem Bruder in Brünen, einem 4000 Einwohner zählenden Ortsteil von Hamminkeln am Niederrhein.

Tod am Bahnsteig: 28-Jähriger stößt Frau vor Zug - er will sich nur abgestützt haben

Blumen und Kerzen standen im Sommer 2019 an Gleis eins am Bahnhof. Die Tat löste bundesweit Entsetzen aus. © picture alliance/dpa

Es droht die unbefristete Unterbringung in der Psychiatrie

Bestraft werden kann der 28-Jährige nach jetzigem Stand aber wohl nicht. Er gilt wegen einer schweren seelischen Erkrankung als schuldunfähig. Im Fall einer Verurteilung könnte der Mann unbefristet in die geschlossene Psychiatrie kommen.


kar/dpa

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