Thomas Kerkhoff: LWL regte 2015 Denkmalschutz für Bocholter Rathaus an

Bürgermeister nach Akteneinsicht

Wer hat 2015 den ersten Schritt getan, um das Bocholter Rathaus unter Denkmalschutz zu stellen? Für Bürgermeister Thomas Kerkhoff ist nach Einsicht in die Akten klar: der LWL.

Bocholt

von Jochen Krühler

, 01.03.2021, 17:45 Uhr / Lesedauer: 2 min
Bürgermeister Thomas Kerkhoff steht im Treppenhaus des Rathauses. In dem maroden Gebäude läuft zurzeit die Altlastensanierung.

Bürgermeister Thomas Kerkhoff steht im Treppenhaus des Rathauses. In dem maroden Gebäude läuft zurzeit die Altlastensanierung. © Sven Betz

Die Initiative ging 2015 vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in Münster aus. Das sagte Kerkhoff jetzt auf Anfrage. Demnach hatte sich 2015 die LWL-Denkmalpflege als Fachbehörde an die Stadt Bocholt als Untere Denkmalbehörde gewandt, nachdem bekannt geworden war, dass die Stadt einen Umbau oder gar Abriss des maroden Rathauses erwägt.

Kerkhoff widerspricht damit der These, dass die Initiative zur Unterschutzstellung des Rathauses von der Stadt selbst ausgegangen sei. Der Bürgermeister hatte zuletzt für die Politiker des Haupt- und Finanzausschusses ausführlich den Sachstand der Rathaussanierung erläutert und dabei auch die Chronologie der Unterschutzstellung dargelegt.

Fachbehörde des LWL begann mit Prüfung für Denkmalschutz

Dem Bocholter-Borkener-Volksblatt (BBV) sagte Kerkhoff nun, dass sich im April 2015 die Fachbehörde des LWL in Münster an die Stadt gewandt habe zu prüfen, ob das Bocholter Rathaus unter Denkmalschutz gestellt werden müsse. Hintergrund sei die damalige Diskussion in Bocholt über Umbau oder Abriss des sanierungsbedürftigen Gebäudes gewesen.

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„Ich kann nur mutmaßen, dass davon irgendwann auch der LWL gehört hat“, sagte Kerkhoff. Eine vergleichbare Situation habe es damals bei mehreren Rathäusern im Münsterland gegeben, etwa in Ahlen oder Gronau. Die Untere Denkmalbehörde der Stadt sollte deshalb auf Initiative des LWL prüfen, ob eine Unterschutzstellung infrage komme. Kerkhoff: „Das wurde dann auch von der Unteren Denkmalbehörde gemacht.“ Das sei ein „ganz reguläres Verfahren“ gewesen. „Münster hat die Initiative ergriffen, unsere Fachbehörde hat dann den Ball aufgenommen“, so der Bürgermeister.

Was ist seit 2015 passiert?

Damit wurde 2015 das Denkmal-Verfahren angestoßen. Doch was ist danach passiert? Eine Rekapitulation der Ereignisse:

Nach der „Anregung“ durch den LWL kommt es im September 2015 zu einer Innenbesichtigung des Rathauses. Zwei Monate später, im November 2015, berät der damalige Verwaltungsvorstand der Stadt Bocholt mit Bürgermeister Peter Nebelo an der Spitze das Thema. Im Januar 2016 legt der LWL schließlich ein Fachgutachten vor. Ergebnis: Nach „fachlicher Prüfung“ kommt die LWL-Denkmalbehörde zu der Auffassung, dass es sich beim Bocholter Rathaus „um ein Baudenkmal“ handelt, heißt es in dem Schreiben, das bei der Stadt Bocholt am 1. Februar 2016 eingeht. Der LWL bittet darin die Stadt, das Gebäude in die Denkmalliste einzutragen.

Bis es so weit ist, dauert es jedoch noch neun Monate. Im Mai 2016 gibt es zunächst ein Gespräch zwischen Stadt und LWL über den Denkmalschutz. Im November 2016 dann die Entscheidung: Die Stadt als Untere Denkmalbehörde stellt sich selbst einen entsprechenden Bescheid zu und teilt der städtischen Gebäudewirtschaft offiziell mit, dass das Rathaus jetzt unter Denkmalschutz steht. Eine einmonatige Klagefrist gegen den Bescheid läuft im Dezember 2016 ungenutzt ab.

Teile des Rats erfahren 2017 von Unterschutzstellung

Die Öffentlichkeit hat bis dahin von dem Verfahren nichts mitbekommen. Teile des Stadtrats erfahren aber offenbar im Januar 2017 von der Unterschutzstellung. Laut Kerkhoff informiert da die Verwaltung den Ältestenrat, in dem auch die Fraktionsspitzen des Stadtrats sitzen, über den Denkmalschutz. Im Februar 2017 gibt es nicht-öffentlich eine Information an die Politiker im städtischen Gebäudeausschuss. Und erst am 1. März 2017 platzt dann im Bauausschuss die Bombe: Die Verwaltung erklärt erstmals öffentlich, dass das Bocholter Rathaus unter Denkmalschutz steht.

Bürgermeister Kerkhoff sieht im damaligen Handeln der städtischen Mitarbeiter der Unteren Denkmalbehörde zwar grundsätzlich keinen Fehler. „Die Mitarbeiter der Unteren Denkmalbehörde haben nach ihrem Ermessen ihre Rolle und ihr Verständnis des Amts richtig ausgeführt“, sagte er dazu im jüngsten Haupt- und Finanzausschuss. Aber: „Man hätte damals durchaus kritischer gegenüber dem LWL sein können.“

Die Stadt hätte damals dezidierter prüfen können, ob man die Denkmalfrage nicht noch anders sehen könne, sagte Kerkhoff im BBV-Gespräch. „Die hätten sagen können: Da müssen wir noch mal ran.“ Das ist damals nicht erfolgt. Fest steht für Kerkhoff jedenfalls: „Das Rathaus ist nicht aus Versehen unter Denkmalschutz geraten.“

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