Thomas Enzinger inszeniert Operette „Im Weißen Rössl“ als eine Riesen-Gaudi am See

Opernhaus Dortmund

In diesem „Weißen Rössl“ möchte man sofort einchecken. Die Dortmunder Oper bringt Benatzkys Singspiel als Riesen-Gaudi auf die Bühne und bietet beste Unterhaltung im Dirndl-Paradies.

Dortmund

, 19.01.2020, 11:58 Uhr / Lesedauer: 2 min
Thomas Enzinger inszeniert Operette „Im Weißen Rössl“ als eine Riesen-Gaudi am See

Die Rössl-Wirtin (Irina Simmes) versucht, auch den Berliner Giesecke (Steffen Scheumann) zufrieden zu stellen. © Anke Sundermeier / Stage Picture

Thomas Enzinger, Regisseur des Singspiels von Ralph Benatzky, lässt das Glück nicht vor der Tür stehen, er holt es mit seinem Gute-Laune-Team, bestehend aus einem fantasievollen Choreografen Ramesh Nair, dem kreativen Bühnen- und Kostümbildner Toto und Dirigent Philipp Armbruster (mit Swingbandleader-Qualitäten) auf die Bühne des Dortmunder Opernhauses. Genau so, wie es am Samstagabend in der Premiere zu sehen war, macht Operette Spaß: optisch prächtig ausgestattet, mit Witz und Spaß an kleinen ironischen Brechungen inszeniert, großartig geschauspielert und toll gesungen.

Wesentlichen Anteil daran, dass man das Dortmunder „Rössl“ gesehen haben muss, hat die musikalische Fassung, die Rekonstruktion der Urfassung aus den 1930er-Jahren, die Matthias Grinminger und Henning Hagedorn editiert haben. Da swingt die Musik, die die Dortmunder Philharmoniker schmissig im Graben spielen, noch mehr – nicht nur im Hit „Die ganze Welt ist himmelblau“ oder im knackigen Bläsersatz im Lied vom schönen Sigismund.

Steppballett mit Schwimmflossen

Jeder Song ist in dieser Operette ein Ohrwurm, und Enzinger verpackt das Gute-Laune-Medley aus dem österreichischen Urlaubsparadies in eine Peter-Alexander-Show-Kulisse. Jede Szene bietet nicht nur Operetten-Fans beste Unterhaltung, sondern hat bei der Premiere auch das junge Publikum gut amüsiert: Da stapfen Mitglieder des wieder hochpräsenten Opernchors mit Nordic Walking-Stöcken durch die Kulisse, und wenn der Wolfgangsee-Dampfer anlegt und neue Gäste in das Hotel spült, in dem Kaiser Gast und der Kunde König ist, legen die vier Tanzpaare einen flotten Koffer-Stepptanz aufs Parkett.

Der schöne Sigismund (Spitze: Morgan Moody) geht mit Lohengrin-Schwan und seinem Klärchen baden, und ein Steppballett mit Schwimmflossen muss man auch erst mal tanzen können. Selbst die Rap-Einlagen von Johanna Schoppa im drallen Dirndl auf dem Steg vor dem Orchestergraben machen Spaß.

Peter-Alexander-Charme

Manchmal schmeckt Süßes eben noch besser, wenn man – wie dieses Regieteam – noch mehr Zuckerguss drübergießt, aber dieses „Rössl“ hat auch Tiefe: Wenn Hinzelmann (wunderbar wie eine Loriot-Figur: Frank Voß) dem Fabrikanten Giesecke erklärt, wie Urlaubszauber entsteht und warum Geld allein nicht glücklich macht, hat der Spaß aus dem Salzkammergut wunderbar leise Töne, die genauso ans Herz gehen wie die Liebesgeschichten der drei Paare.

Berliner Schnauze trifft in dieser mit vielen Originalen besetzten Inszenierung auf österreichischen Schmäh: Steffen Schortie Scheumann, der übrigens schon im letzten Dortmunder „Rössl“ vor elf Jahren der Giesecke war, schimpft sich mit frecher Berliner Schnauze in Rage. Der Österreicher Matthias Störmer ist ein Zahlkellner Leopold mit Peter-Alexander-Charme – und der André Rieu des Wolfgangsees. Irina Simmes spielt und singt die Rössl- wirtin Josepha Vogelhuber patent und bezaubernd.

Gute Laune ist garantiert

Rechtsanwalt Otto Siedler (Haare stehen ihm gut: Fritz Steinbacher) und seine Ottilie (spielfreudig und kess gesungen: Giulia Montanari aus dem NRW-Opernstudio) sind das Liebespaar, das vor himmelblauer Alpenkulisse im rosaroten Liebesglück schwebt. Und das ganze Publikum darf den altersweisen Kaiser (Hannes Brock, mit losem Bart) standesgemäß begrüßen.

Dieses „Rössl“ ist eine Dirndl- und Lederhosen-Gaudi, die im Frühjahr Oktoberfest-Stimmung ins Opernhaus bringt und gute Laune garantiert. Nicht verpassen!

Termine: 24. / 30. 1., 5. /8. / 14. / 16. / 23. / 29. 2., 1. / 7./ 15. / 21. / 27. 3., 4. 4.; Karten: Tel. (02 31)502 72 22 oder www.theaterdo.de
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