Ruhrgebiet: Theater und Museen machen dicht

Albtraum Coronavirus

NRW. Das Virus mutiert zum Albtraum für die Kultur. Ruhrgebietstheater machen dicht. Viele Museen schließen. Was aber ist mit den Ruhrfestspielen?

13.03.2020, 18:49 Uhr / Lesedauer: 3 min
Die Kunstmesse Art Cologne – hier das Archivbild einer Arbeit von Ayako Rokkaku – wird auf November verschoben.

Die Kunstmesse Art Cologne – hier das Archivbild einer Arbeit von Ayako Rokkaku – wird auf November verschoben. © picture alliance / dpa

Manche Stadttheater wie das in Oberhausen oder das Westfälische Landestheater in Castrop-Rauxel hatten bisher wacker weitergemacht, jetzt geben jedoch alle auf. Als größte Bühne hat am Freitag die Theater und Philharmonie Essen (TUP) ihren Spielbetrieb „bis auf Weiteres“ eingestellt. Die für diesen Samstag geplante Verdi-Premiere „Don Carlo“ ist damit abgesagt. Kartenkäufer, die ihre Tickets bei der TUP erworben haben, senden ihre Karten postalisch an das TUP-TicketCenter, II. Hagen 2, 45127 Essen mit dem Hinweis, ob eine Rückerstattung des Kartenpreises oder ein Wertgutschein gewünscht wird. Rückfragen unter Tel. (0201) 8122200 oder per E-Mail unter ticket@theater-essen.de Der persönliche Besuch des Ticket-Center ist vom 16. bis 21.3. nicht möglich.

Blickpunkt Theater

Das Schauspielhaus Bochum schließt bis einschließlich 19. April. Hintergrund ist, dass der Krisenstab alle städtischen Veranstaltungen abgesagt hat, auch solche mit weniger als 100 Personen. Karten können für eine Ersatzvorstellung umgebucht, in einen Wertgutschein umgetauscht oder storniert werden. Abonnenten erhalten ersatzweise einen Abo-Schein, der auch in der kommenden Spielzeit bis zum 30. November 2020 einlösbar ist. Sollten die Karten über eine externe Vorverkaufsstelle erworben worden sein, sollte man sich dort melden.

Von der Entscheidung der Stadt Bochum ist auch „Starlight Express“ betroffen. Der Musical-Zug pausiert vorerst bis 19.4. „Der Schaden für uns als privaten Theaterbetreiber ist enorm“, erklärte Geschäftsführer Burkhard Koch. Das Management wird in der kommenden Woche Kurzarbeit für einen Großteil der Mitarbeiter beantragen. Die Kunden sollten schon ab Freitag E-Mails mit den Umbuchungsmöglichkeiten erhalten.

Eine ebenso schmerzhafte Absage ist das Volksfest der Ruhrfestspiele. Diese beliebte und kostenlose Attraktion vor allem für Familien muss ausfallen, so hat es der Kreis Recklinghausen entschieden. „Wir hoffen weiterhin, dass wir die Ruhrfestspiele durchführen können und bleiben darum im engen Austausch mit den Behörden“, teilte Intendant Olaf Kröck mit. Mindestens 65 Prozent der Karten sind schon verkauft.

Im Westfälischen Landestheater (WLT) Castrop-Rauxel finden bis 1. Mai keine Aufführungen statt. Karten behalten ihre Gültigkeit. Besucher können sie gegen für einen anderen Termin oder für einen Gutschein tauschen. Rückfragen unter (02305) 978020.

In Dortmund wird bis Mitte April überhaupt keine städtische Kulturveranstaltung mehr stattfinden. Bereits berichtet haben wir, dass das Theater Dortmund und das dortige Konzerthaus bis 15.4. geschlossen bleiben. Museen, Bibliotheken und der U-Turm sind geöffnet.

Das Theater Hagen sagt nun auf Anweisung des dortigen Oberbürgermeisters alle Veranstaltungen bis 18.4. ab, auch die kleineren. Die E-mail für Erstattungen lautet theaterkasse@stadt-hagen.de In Oberhausen sind nach einer Sitzung des Krisenstabs der Stadt ab sofort per Ordnungsverfügung auch „alle Veranstaltungen unter 1000 Personen, die nicht zwingend erforderlich sind“ untersagt, dies gilt zunächst bis einschließlich Karfreitag (10.4.). Das Metronom-Theater sagte daraufhin die Vorstellungen des Musicals „Tanz der Vampire“ bis einschließlich 19. April ab und versichert auf seiner Internetseite: „Selbstverständlich behalten alle Eintrittskarten weiterhin den vollen Wert.“ Wer seine Tickets unter www.musicals.de gebucht hat, möge sich über die E-Mail-Adresse soko@ticketonline.com an das Theater wenden. Wer Karten bei einer anderen Verkaufsstelle erworben habe, müsse mit dieser Kontakt aufnehmen. Das Theater Oberhausen, wo am Freitag die Premiere „Der Funke Leben“ nach dem Roman von Remarque stattfinden sollte, stellte den Spielbetrieb für den März in allen Sälen ein und will im Großen Haus am 19. April mit der nachgeholten Premiere neu starten. Das Ebertbad, das aktuell Gerburg Jahnkes – komplett ausverkaufte – neue Produktion „Die Abrechnung“ zeigt, bleibt bis 10. April geschlossen. Wer dort eine Karte erworben hat, so Theaterleiter Hajo Sommers auf Nachfrage, wird vom Theater in den nächsten Tagen kontaktiert.

Das Parktheater Iserlohn macht ebenfalls bis 19.4. Schluss, das Konzert Theater Coesfeld bis 30.4. und das Musiktheater im Revier bis 19.4.. Gelsenkirchen hat am Freitag überhaupt alle Veranstaltungen untersagt.

Blickpunkt Kunst

Die größte deutsche Kunstmesse Art Cologne wird um einige Monate verschoben. Die Schau, die für Ende April geplant war, werde vom 19. bis 22. November parallel zur Cologne Fine Art & Design stattfinden, teilte die Kölner Messe mit. „Vollkommen richtig“, meinte Karin Schulze-Frieling von der Dortmunder Galerie Utermann. „Es wäre doch sowieso niemand gekommen.“ Die Entscheidung sei genau rechtzeitig gefallen: „Wir haben noch keine Einladungen verschickt.“ Auch aufgebaut war noch nichts.

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe schließt seine 18 Museen von diesem Samstag an bis 20. April.

Alle Kultureinrichtungen des Landes bleiben bis 19.4. dicht – auch die Kunstsammlung NRW in Düsseldorf.

Die Bundeskunsthalle in Bonn schließt bis zum 19. April, ebenso das Lehmbruck-Museum in Duisburg.

Auch das Kunstquartier Hagen mit dem Osthaus-Museum und dem Emil-Schumacher-Museum macht bis zum 19.4. Corona-Pause.

Überregionale Probleme

Und was ist mit überregionalen Absagen? Die Semperoper und das Staatsschauspiel in Dresden pausieren bis 19. April. Hamburg sagte alle Veranstaltungen in staatlichen Theatern und Konzerthäusern bis Ende April ab – also auch in der Elbphilharmonie. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz schließt sämtliche Häuser. Dies gelte von Samstag an, sagte Sprecherin Stefanie Heinlein in Berlin. Die Stiftung ist eine der international wichtigsten Kulturinstitutionen. Zu ihr gehört auch das Welterbe der Museumsinsel in Berlin.

Von vielen Fans sehnsüchtig erwartet: Die Deutschland-Premiere von „Harry Potter und das verwunschene Kind“ in Hamburg an diesem Wochenende findet nicht statt. „Es ist eine der schwersten beruflichen Entscheidungen gewesen, die ich je treffen musste“, bedauerte Maik Klokow, Produzent der Mehr-BB Entertainment, die Verschiebung der Shows auf Oktober.

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