Terrorverdacht: Polizistin bei Messerangriff auf Polizeiwache in Frankreich getötet

Kriminalität

Nahe Paris kommt es zu einer Messerattacke auf eine Polizeiwache. Eine Polizistin stirbt dabei. Der Angreifer soll angeschossen worden, festgenommen und anschließend gestorben sein.

Rambouillet

23.04.2021, 20:57 Uhr / Lesedauer: 2 min
Französische Polizisten sperren eine Straße in der Nähe einer Polizeistation, nachdem eine Mitarbeiterin der Polizei auf einer Polizeiwache getötet worden ist.

Französische Polizisten sperren eine Straße in der Nähe einer Polizeistation, nachdem eine Mitarbeiterin der Polizei auf einer Polizeiwache getötet worden ist. © picture alliance/dpa/AFP

Rambouillet. Bei einem Messerangriff auf einer Polizeiwache in einer Gemeinde nahe Paris ist eine Mitarbeiterin der Polizei getötet worden. „Die Republik hat gerade eine ihrer Alltagsheldinnen verloren - bei einer barbarischen und unendlich feigen Tat“, schrieb Premier Jean Castex am Freitagnachmittag auf Twitter.

Medien zufolge wurde der Angreifer von Polizisten angeschossen und ist anschließend gestorben. Der Angriff ereignete sich in der Gemeinde Rambouillet gut 60 Kilometer von Paris entfernt am frühen Nachmittag.

Premierminister Castex eilte nach der Tat sofort zum Tatort. Er erinnerte an brutale Anschläge im Pariser Umland wie die blutige Attacke auf Lehrer Paty. „Ich möchte allen Französinnen und Franzosen sagen, dass unsere Entschlossenheit, gegen alle Formen des Terrorismus zu kämpfen, intakt ist“, sagte er. Er nannte die getötete Frau eine „Heldin des Alltags“.

Anti-Terror-Staatsanwaltschaft übernimmt Ermittlungen

Die Anti-Terror-Fahnder ermitteln nun unter anderem wegen Mordes in Verbindung mit einem terroristischen Vorhaben. Der Ablauf der Tat und die Äußerungen des Täters seien Gründe, warum die Anti-Terror-Ermittler übernommen hätten, sagte Anti-Terror-Staatsanwalt Jean-François Ricard am Tatort.

Die Frau sei „feige“ ermordet worden. Ricard nannte keine Details. Medien zufolge soll der Frau die Kehle durchgeschnitten worden seien. Der Täter soll „Allahu akbar“ (Gott ist groß) gerufen haben und etwa 36 Jahre alt gewesen sein. Auch dazu äußerte sich der Staatsanwalt nicht.

„Die Polizei ist unter Beschuss“

Er sei in Gedanken bei der gestorbenen Polizistin und habe große Wut, sagte Philippe Benassayam, Abgeordneter aus der Region, im französischen Fernsehen. „Die Polizei ist unter Beschuss. Sie muss wirklich beschützt werden, denn die Angriffe sind konstant, regelmäßig und alltäglich.“

Die gleichen Schrecken folgten aufeinander, die gleiche unendliche Trauer beim Gedanken an die Angehörigen und Kollegen dieser ermordeten Polizistin, schrieb Rechtsaußen-Politikerin Marine Le Pen auf Twitter. Es seien immer die „gleichen islamistischen Motive“.

Der tödliche Vorfall hat sich am frühen Nachmittag ereignet. Die Zeitung „Le Parisien“ berichtete, dass die Frau beim Betreten des Polizei-Kommissariats von dem Angreifer überrascht worden sein soll. Sie sei noch am Tatort gestorben. Sie ist Berichten nach 49 Jahre alt und Mutter von zwei Kindern gewesen. Rambouillet mit seinen rund 26 000 Einwohnerinnen und Einwohnern gilt als friedlich. Die Gemeinde liegt im Südwesten der Hauptstadt.

Getötete Polizistin hat in Verwaltung gearbeitet

Jérome Moisant von der Polizeigewerkschaft Unité SGP Police sagte dem Sender Franceinfo, dass die getötete Kollegin in der Verwaltung gearbeitet habe. Der Angreifer habe sich zuvor vor der Polizeiwache aufgehalten. Er gehe von einem Terrorangriff aus, sagte er. Die französische Nachrichtenagentur AFP berichtete, dass es sich bei dem Tatverdächtigen um einen 36-jährigen Mann aus Tunesien handeln soll, der der Polizei vorher nicht bekannt war.

Immer wieder gibt es in Frankreich Angriffe auf die Polizei. Im Herbst 2019 tötete ein Angestellter im Polizeihauptquartier in Paris vier seiner Kollegen mit einem Messer. Die Ermittler gehen von einem Terrorhintergrund aus. 2017 tötete ein Mann auf der Pariser Nobelstraße Champs-Élysées einen Beamten und verletzte zwei weitere. Der IS reklamierte die Tat für sich. Frankreichs Mitte-Regierung will mit einem neuen Sicherheitsgesetz mehr Schutz für die Ordnungskräfte im Land bieten.

RND/dpa