Tausende Sirenen heulen in NRW – Ist das Land für den Notfall gerüstet?

NRW-Warntag

Tausende Sirenen haben am Donnerstag um 11 Uhr in NRW Alarm geschlagen. Doch beim Probealarm wurden nicht nur Sirenen getestet. Was ist passiert und wie ist das Land für den Notfall gerüstet?

11.03.2021, 11:20 Uhr / Lesedauer: 3 min
Das Land NRW setzt auf den Ausbau des Warnsystems mit Sirenen.

Das Land NRW setzt auf den Ausbau des Warnsystems mit Sirenen. © Udo Hennes

Um 11 Uhr am Donnerstagmorgen (11.3.) gab es in Nordrhein-Westfalen einen landesweiten Probealarm. Der landesweite Warntag sollte zeigen, wie das Land für einen Notfall gerüstet ist.

Alle verfügbaren Sirenen sollten auf Kommando losheulen. Das hat in vielen Städten auch geklappt. Im Gegensatz zu früheren Warntagen waren die Sirenen offenbar in vielen Städten besser zu hören. So gab es im Ruhrgebiet, im Rheinland und im Münsterland viele positive Meldungen.

Der Kreis Wesel hatte seine Teilnahme am landesweiten Probealarm kurzfristig abgesagt. Grund sei eine Warnung des Deutschen Wetterdienstes vor Orkanböen. So solle vermieden werden, dass es zu Verunsicherung und Missverständnissen komme.

Zusätzlich sollte landesweit per Warn-App „NINA“ (Notfall-Informations- und Nachrichten-App des Bundes) eine Probe-Warnmeldung versendet werden. Und diesmal hat „Nina“ in vielen Städten offenbar wirklich pünktlich Warnungen und Entwarnungen verschickt. Allerdings gab es auch diesmal wieder Menschen, die offenbar keine Nachricht bekommen haben.

Beim bundesweiten Warntag im vergangenen September hatte es noch zahlreiche Pannen in NRW gegeben, Nina hatte die Warnungen erst eine halbe Stunde später verschickt.

Warum ertönten die Sirenen?

Bei Großbränden, Naturkatastrophen, Massenunfällen oder ähnlichen Ereignissen können möglicherweise nicht alle Menschen über das Radio, Fernsehen oder Internet erreicht werden. Auch Nachts haben die Menschen normalerweise ihr Handy aus. Eine Sirene weckt Menschen jedoch auf.

Daher hat das Land NRW entschieden, das Sirenennetz im Land wieder auszubauen. Der Probealarm sollte testen, ob sie funktionieren - und auch die Bedeutung der Sirenensignale in der Öffentlichkeit bekannter machen.

Das bedeuten die Töne

Zunächst erklang um 11 Uhr ein einminütiger Dauerton, der eigentlich „Entwarnung“ bedeutet. Danach folgt eine fünfminütige Pause. Anschließend soll ab 11.06 Uhr ein einminütiger auf- und abschwellender Heulton zu hören sein. Dabei handelt es sich um das eigentliche Warnsignal, das bei einem Notfall auf eine Gefahrenlage hinweist. Im Krieg war es das Signal für einen Luftangriff, heute weist es etwa auf einen Amoklauf, einen Terroranschlag, Überflutung und ähnliche Ausnahmelagen hin.

Nach einer weiteren fünfminütigen Pause schließt sich ein einminütiger Dauerton zur Entwarnung den Probealarm ab. In diesem Video werden die Sirenentöne ausführlich erklärt:

Wie soll ich mich im Notfall verhalten?

Bei einem Warnton der Sirenen in einem echten Notfall gilt: Die eigene Wohnung oder ein Gebäude aufsuchen, Fenster und Türen schließen, Klima- und Lüftungsanlage ausschalten, Nachbarn informieren und das Radio einschalten.

Einige Städte hatten die Sirenen bereits abgebaut

Nicht in allen Städten werden die Sirenen ertönen: In den 1990er Jahren waren sie nach dem Ende des Kalten Krieges vielerorts abgebaut worden. In den vergangenen Jahren fand ein Umdenken statt. Für den Wiederaufbau des Sirenennetzes hat das Innenministerium den Kommunen in den vergangenen Jahren 20 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

In Lünen beispielsweise gab es keine einzige Sirene mehr, am Donnerstag heulen im Lüner Stadtgebiet aber insgesamt wieder 28 Sirenen. Der bundesweite Probealarm im vergangenen September zeigte allerdings, dass die neuen Geräte nicht überall zu hören waren. „Wir haben den Probe-Alarm tatsächlich als solchen genutzt, denn es war ja der erste Test für die neuen Geräte“, sagte Stadtsprecher Benedikt Spangardt damals. Der Warntag am Donnerstag wird also zeigen, wie weit die Städte mit dem Ausbau vorangekommen sind.

Viele Pannen im September

Auch in Dortmund war das Sirenennetz zurück gebaut worden. 2019 gab es nur noch drei aktive Sirenen im ganzen Stadtgebiet, inzwischen sind es wieder elf. Und der Ausbau des Sirenennetzes geht weiter voran. In der Zukunft soll es wieder 35 Sirenen in Dortmund geben. Doch auch in Dortmund gab es im September 2020 Probleme, war der Probealarm nicht überall in der Stadt zu hören. Ebenso etwa in Dorsten, Castrop-Rauxel, oder Werne.

In Dortmund gibt es aktuell 11 Sirenen.

In Dortmund gibt es aktuell 11 Sirenen. © Stadt Dortmund

In einigen NRW-Städten ertönten die Sirenen gar nicht. So berichteten Anwohner aus Kerpen, Alsdorf, Baesweiler, Herzogenrath, Eschweiler, Zweifall, Monschau, Vossenack und Düren dem WDR, dass die Sirenen gar nicht oder zu spät ertönten. Und die Warn-Apps hatten ihre Warnungen teilweise über eine halbe Stunde zu spät verschickt. Das Bundesinnenministerium räumte anschließend technische Probleme ein.


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