Tanzen und Etikette lernen - warum Jugendliche Spaß am Tanzkurs haben

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Millionen Menschen schalteten zuletzt Woche für Woche die Tanzsendung „Let‘s dance“ ein, um Promis und Profis beim (Standard)-Tanzen zuzusehen. Doch wie beliebt ist Tanzen im Alltag?

NRW

, 26.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Viele Menschen erinnern sich mit Freude oder auch mit Grausen an die ersten Schritte auf dem Parkett einer Tanzschule. Wie man als Teenager mit schwitzenden Händen und viel zu glatten Sohlen Disco-Fox, Walzer und Rumba einübte. Dafür musste man sich näher kommen, was in der Pubertät schrecklich und aufregend zugleich war. Gut dran waren diejenigen, die bereits mit dem Freund oder der Freundin als Tanzpartner auftrumpfen konnten. Vor beherzten Fehltritten auf die Füße des anderen schützte dies aber auch nicht.

Doch scheinen diese Zeiten nicht alle abgeschreckt zu haben: Laut einer repräsentativen Umfrage der Marktforschungsinstitute YouGov und Sinus von 2017 tanzen 51 Prozent der Deutschen zumindest gelegentlich. Am beliebtesten sind die sogenannten Disko-Tänze, die keine Schrittfolge vorgeben. Etwas seltener, aber immerhin zu 33 Prozent werden Standardtänze wie Walzer getanzt, dahinter folgen laut Umfrage die lateinamerikanischen Tänze wie Salsa oder Rumba (20 %). Die aktivsten Tänzer kommen aus der Altersgruppe 60plus (59 Prozent) und den 18- bis 29-Jährigen. Hier tanzen 56 Prozent. Studien zufolge soll regelmäßiges Tanzen das Risiko, an Demenz zu erkranken, erheblich verringern.

Fast jeder Zweite hat einen Tanzkurs belegt

Spaß, Fitness, Flucht aus dem Alltag nannten die Befragten als Gründe fürs Tanzen, aber auch die Hoffnung auf neue Bekanntschaften durch das Tanzen. Tatsächlich haben 45 Prozent irgendwann in ihrem Leben einen Tanzkurs belegt.

Bei Jugendlichen sei der klassische Tanzkurs nach wie vor beliebt, sagt Jürgen Ball, designierter Präsident des Allgemeinen Deutschen Tanzlehrerverbandes (ADTV) und Leiter der ADTV-Tanzschulakademie. „Für sie ist der Tanzkurs auch Start in die Gesellschaft.“ Viele ADTV-Tanzschulen böten darüber hinaus ein sogenanntes „Anti-Blamier-Programm“ an, auch in Kooperation mit Schulen, sagt Ball. Es besteht unter anderem aus Grüßen und Begrüßen, Auftritt beim Bewerbungsgespräch, Verhalten am Tisch, Bestecksprache. „Es kommt sehr gut an bei den Schülern“, so Ball.

Der eigentliche Boom der Tanzschulen sei in den 1970er-, 1980er-Jahren gewesen, sagt der 58-Jährige, der seit 25 Jahren angehende Tanzlehrer ausbildet. Nach einem kleinen Knick in den 90er-Jahren hielten sich die Tanzschulen seit der Jahrtausendwende auf einem guten Niveau. Dabei hätten es Tanzschulen im ländlichen Raum häufig leichter als in der Großstadt, weil es dort mehr Konkurrenz untereinander und beim Freizeitangebot gebe. Tanzshows wie „Let‘s dance“ animierten viele dazu, doch mal im Angebot der örtlichen Schule zu schauen. Die Schulen hätten sich dem Zeitgeist angepasst, böten quasi für jede Generation das entsprechende Angebot und Kurs-Modell.

Im Allgemeinen Deutschen Tanzlehrerverband (ADTV) sind etwa 800 Tanzschulen organisiert, laut Eigenauskunft ist es der größte Verband dieser Art in Deutschland. Bundesweit hat der ADTV 2.830 Mitglieder. Ab Juli 2019 ist Jürgen Ball neuer Präsident des ADTV.
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