Studie: Hälfte der Corona-Toten in Deutschland lebte in Pflegeheimen

Coronavirus

Die Hälfte aller Covid-19-bedingten Todesfälle ist einer Studie zufolge in Pflegeheimen gezählt worden. Um die Situation zu verbessern, brauche man mehr Schutzkleidung und Testkapazitäten.

Bremen

10.06.2020, 22:21 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Wissenschaftler hätten für ihre Untersuchung bundesweit 824 Pflegeheime, 701 Pflegedienste und 96 teilstationäre Einrichtungen befragt.

Die Wissenschaftler hätten für ihre Untersuchung bundesweit 824 Pflegeheime, 701 Pflegedienste und 96 teilstationäre Einrichtungen befragt. © picture alliance/dpa

Pflegeforscher der Universität Bremen haben erstmals bundesweit die Situation in Pflegeeinrichtungen und -diensten während der Corona-Pandemie analysiert. Die Hälfte aller Covid-19-bedingten Todesfälle sei in Pflegeheimen gezählt worden, obwohl nur ein Prozent der Bevölkerung in einer solchen Wohnform lebe, teilte die Universität am Mittwoch mit. „Die Sterblichkeit unter Pflegebedürftigen ist somit mehr als fünfzig Mal so hoch wie im Rest der Bevölkerung“, sagte der Pflegeforscher Heinz Rothgang, der an der Studie mitwirkte.

Die Wissenschaftler hätten für ihre Untersuchung bundesweit 824 Pflegeheime, 701 Pflegedienste und 96 teilstationäre Einrichtungen befragt. Der Patientenschützer Eugen Brysch begrüßte die Studie und warf der Politik vor, die Pflege in der Pandemie nicht ausreichend zu beachten.

Ausreichend Schutzkleidung könnte Neuinfektionen verhindern

Laut der Leiterin der Studie, Karin Wolf-Ostermann, sind die pflegebedürftigen Menschen mit ihrem erhöhten Infektionsrisiko auch eine Gefahr für das Pflegepersonal. Bei vielen pflegerischen Handlungen sei ein vollständiger Schutz nicht möglich. Dennoch könne das Übertragungsrisiko eingedämmt werden, wenn schnelle Testergebnisse potenzielle Infektionsherde rasch aufdeckten und ausreichende Schutzmaterialien vorhanden seien. Dass dies funktioniere zeige die Tatsache, dass es in mehr als der Hälfte der Einrichtungen mit infizierten Mitarbeitenden keine erkrankten Klienten oder Bewohner gebe.

Zwar habe sich die Versorgung mit Schutzmaterialien seit Beginn der Pandemie deutlich verbessert, dennoch klage immer noch jeder vierte Pflegedienst und jede sechste stationäre Einrichtung über Engpässe, hieß es. Zudem seien Tests teilweise noch schwer zugänglich. „Die Übermittlung der Ergebnisse erfolgt erst nach drei bis vier Tagen - zu spät, um ihr Potenzial als Teil eines wirkungsvollen Schutzkonzeptes voll zu entfalten“, sagte Wolf-Ostermann. Erforderlich seien daher regelmäßige Reihentests, deren Ergebnisse schneller zur Verfügung stünden.

Stiftung: Öffentliche Stellen schließen die Augen vor Problemen

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Brysch, sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd), dass die öffentlichen Stellen zu den Problemen in den Heimen weitestgehend schwiegen. Zunächst hätten lediglich die Krankenhäuser im Fokus der Maßnahmen von Bund und Ländern gestanden: „Das war falsch.“ Bislang seien 5.250 Pflegebedürftige im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben, sagte Brysch: „Diese Zahl ist zutiefst erschütternd und macht deutlich, wo Corona am heftigsten wütet.“

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