Die Mitte verabschiedet sich vom Populismus

Studie

Populistische Einstellungen gehen laut einer Studie in Deutschland stark zurück. Die AfD radikalisiere sich aber weiter. Auch die Corona-Krise hat Auswirkungen auf populistische Einstellungen.

Gütersloh

03.09.2020, 07:33 Uhr / Lesedauer: 2 min
Gibt es eine Trendwende in der Unterstützung für populistische Positionen?

Gibt es eine Trendwende in der Unterstützung für populistische Positionen? (Symbolfoto) © picture alliance/dpa

Der Populismus ist in Deutschland laut einer neuen Umfrage offenbar auf dem Rückzug. Nur noch jeder fünfte Wahlberechtigte zeige sich populistisch eingestellt, erklärte die Bertelsmann-Stiftung am Donnerstag in Gütersloh bei der Vorstellung des „Populismusbarometers“. Dies sei ein Rückgang um mehr als ein Drittel gegenüber Ende 2018. Zugleich warnte die Stiftung vor „Gefahren einer weiteren Radikalisierung am rechten Rand“.

In der gleichen Zeit sei zudem der Anteil der nicht-populistischen Wähler um die Hälfte auf rund 47 Prozent gestiegen, heißt es in der gemeinsam von der Bertelsmann-Stiftung mit dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung durchgeführten Analyse.

Die „Trendwende“ sei in der Wählerschaft besonders stark, die sich der politischen Mitte zuordne, erklärten die Autoren der Studie. Die Mitte erweise sich „in der Auseinandersetzung mit der populistischen Versuchung als lernfähig und robust“, erklärte der Demokratie-Experte der Bertelsmann-Stiftung, Robert Vehrkamp.

Gestiegenes Vertrauen in die Regierungsarbeit im Verlauf der Corona-Krise

Als „populistisch eingestellt“ im Sinne der Studie gilt, wer acht typisch populistischen Aussagen über das Funktionieren von Staat und Gesellschaft zugestimmt hat. Dazu gehören Sätze wie „Die Parteien wollen nur die Stimmen der Wähler, ihre Ansichten interessieren sie nicht“ und „Was man in der Politik „Kompromiss“ nennt, ist in Wirklichkeit nichts Anderes als ein Verrat an den eigenen Ideen“. Wer alle acht Fragen verneint, gilt als „nicht-populistisch“, wer einigen dieser Aussagen zustimmt, wird in die Kategorie „teils-teils“ eingestuft.

20 Prozent der Befragten gelten laut Studie als „populistisch“, 32 Prozent als „teils-teils“ und 47 Prozent als „nicht-populistisch“. Die Wähler aller Parteien mit Ausnahme der AfD zeigen sich deutlich weniger populistisch eingestellt als zur letzen Bundestagwahl 2017.

Der Rückgang populistischer Einstellungen setzte laut der Studie bereits 2019 ein. Dies sei zum einen auf eine „restriktive Migrationspolitik“ der Großen Koalition zurückzuführen, was die Mobilisierungskraft der Populisten geschwächt habe, hieß es. Zudem seien soziale und wirtschaftliche Fragen stärker in den Vordergrund gerückt. Das gestiegene Vertrauen in die Regierungsarbeit im Verlauf der Corona-Krise habe die Trendumkehr stabilisiert und leicht verstärkt, sagte Vehrkamp.

AfD leidet stark unter dem Abschwung populistischer Einstellungen

Unter den Parteien leidet der Studie zufolge die AfD stark unter dem Abschwung populistischer Einstellungen. Wähler aus der bürgerlichen Mitte hätten vielfach zu den etablierten Parteien zurückgefunden, vor allem zur Union, heißt es in der Studie. Umso dominanter würden demnach unter den AfD-Wählern rechtsextreme Positionen. Vehrkamp warnte vor einer „Radikalisierung am rechtspopulistischen Rand“. Die Mehrheit der AfD-Wähler sei nicht nur populistisch eingestellt (73 Prozent) sondern zugleich latent oder erklärt rechtsextrem (56 Prozent).

Für die Untersuchung wurden den Angaben zufolge im Juni mehr als 10.000 wahlberechtigte Deutsche repräsentativ befragt. Es handele sich um die fünfte Umfrage im Rahmen des Populismusbarometers seit März 2017. Als populistisch eingestellt gelten demnach Befragte, die sich gleichzeitig zu acht typisch populistischen Aussagen zu den Themen Antipluralismus, Anti-Establishment und Volkshomogenität bekennen.

RND

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