Striptease in aller Öffentlichkeit bringt einige Borkener auf die Palme

dzJunggesellinnenabschied

Mitten in der Innenstadt von Borken hat ein junger Mann blank gezogen: Doch dieses Mal geht es nicht um Exhibitionismus: Ein Junggesellinnenabschied hatte den Stripper offenbar engagiert.

von Peter Berger

Borken

, 11.08.2020, 17:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Selbst ist die Braut“ heißt eine US-Kino-Komödie von 2009, in der die Braut (Sandra Bullock) bei ihrem Junggesellinnen-Abschied das Rumgefummel eines Strippers über sich ergehen lassen muss. Eine von vielen Pointen des Films ist, dass der Stripper ein paar Szenen später bei der Eheschließung nochmal in Erscheinung tritt – diesmal als Standesbeamter.

Welche Berufe der junge Mann, der am Samstagnachmittag bei brütender Hitze in der Borkener Innenstadt fast alle Hüllen fallen ließ, sonst noch ausübt, lässt sich derzeit nicht aufklären. Fest steht, dass er eine Auftragsarbeit erledigte und im Rahmen eines Junggesellinnen-Abschieds für Stimmung sorgte.

Auftritt unter freiem Himmel

Anders als im Film fand der Auftritt aber nicht drinnen statt, sondern unter freiem Himmel in der Außengastronomie eines Lokals an der Heilig-Geist-Straße. Und somit auch vor unfreiwilligem Publikum. „Da sage noch einer, in Borken sei nichts los“, so ein Augenzeuge zur BZ. Aber auf dieses knapp halbstündige Schauspiel hätten er und seine Frau gut und gerne verzichten können. Die Posen seien anzüglich und eindeutig gewesen. Angesichts der vielen Familien und Kinder, die sich dort zufällig aufhielten, halte er das für völlig deplatziert.

Inwieweit die beteiligten Frauen den Strip spaßig oder peinlich fanden, könne er nicht beurteilen. Nach seiner Beobachtung habe sich der Mann gegenüber der Damenrunde aber ziemlich ruppig und respektlos verhalten. In geschlossener Gesellschaft oder geschlossenen Räumen stehe es selbstverständlich jedem frei, solche Dienstleistungen zu beauftragen. Draußen sei das aber auf jeden Fall „drüber“, so der Augenzeuge.

Geschäftsführer war überrascht

Überrascht äußerte sich Paul Schepping. Er ist Geschäftsführer des „Klatsch“, an dessen Tischen der Vorfall stattfand. Über die Reservierung des Junggesellinnen-Abschiedes sei man selbstverständlich informiert gewesen, nicht aber über den geplanten Ablauf und schon gar nicht über das Auftreten eines Strippers. „Sollte es sich dabei tatsächlich um eine vollkommene Entblößung gehandelt haben – was ein professioneller Stripper niemals machen würde – verurteilen wir dieses Verhalten umfassend, weil es als Erregung öffentlichen Ärgernisses eine Ordnungswidrigkeit darstellt“, betont Schepping. Bei Gästen, die offensichtliche und unübersehbare Ordnungswidrigkeiten begehen, mache man umgehend vom Hausrecht Gebrauch und würde diese Personen verweisen. Die Verantwortung für den Ablauf der angesprochenen „Veranstaltung“ und deren mögliche Folgen liege allein bei der reservierenden Person und in keinem Fall beim „Klatsch“, fügt Schepping hinzu. Und: Unabhängig vom Grad der Unbekleidetheit habe der Auftritt eines Strippers im öffentlichen Straßenraum „absolut nichts zu suchen“.

Keine Anzeigen bei Polizei und Ordnungsamt

Polizei und Ordnungsamt teilten auf Anfrage mit, dass diesbezüglich keine Beschwerden beziehungsweise Anzeigen eingegangen seien. Grundsätzlich komme bei Vorkommnissen dieser Art aber die „Erregung öffentlichen Ärgernisses“ in Betracht, insbesondere dann, wenn Kinder unter den Zeugen seien, so ein Polizeisprecher.

Zurück zum Film „Selbst ist die Braut“: Darin spielt der Strip für die Gesamthandlung keine Rolle. Wie es sich für eine anständige Herz-Schmerz-Geschichte gehört, gibt es selbstverständlich ein Happyend.

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