Streaming, Anstehen und Kleinanzeigen: Der neue Corona-Lifestyle

Coronavirus

Virologen sind die neuen Influencer, Drogeriemärkte die neuen Clubs und Kochbücher die neue Art zu reisen. Wie sich der Alltag in der Corona-Krise verändert, zeigt eine Trend-Übersicht.

Berlin

19.04.2020, 09:50 Uhr / Lesedauer: 2 min
Türsteher-Erfahrung wie am Discoeingang: Security-Männer mit grimmiger Miene bedeuten einem, nun rein zu dürfen.

Türsteher-Erfahrung wie am Discoeingang: Security-Männer mit grimmiger Miene bedeuten einem, nun rein zu dürfen. © picture alliance/dpa

Abstand ist Anstand – und die physische Distanz ist die neue Nähe und wahre Fürsorge, heißt es während der Coronavirus-Pandemie. So manche Maßstäbe haben sich in Zeiten mit Ausgangsbeschränkungen, Reiseverboten und vielen geschlossenen Restaurants und Geschäften verschoben.

Pflegerinnen und Pfleger und Supermarktmitarbeiter sind die neuen Helden. Sie erfahren plötzlich mehr Anerkennung – nur mit der Bezahlung hapert es noch.

Viele Dinge im Leben bekommen eine neue Bedeutung und sind Ersatz für das, was früher – also vor ein paar Wochen noch – normal erschien.

Thesen zum neuen Corona-Alltag

  • Einkaufen ist das neue Ausgehen: Was ziehe ich an? Und: Hab ich die Haare schön? Die Fragen stellten sich einst beim Besuch im Restaurant oder Theater, nun ist dafür bei vielen nur das Einkaufengehen übrig. Immerhin dürfen in der kommenden Woche noch mehr Geschäfte öffnen.
  • Drogeriemärkte sind die neuen Clubs: Türsteher-Erfahrung wie am “Berghain” in Berlin - Security-Männer mit grimmiger Miene bedeuten einem, nun rein zu dürfen. Drinnen gibt’s dann Klopapier statt Koks.
  • Anstehen ist die neue Entschleunigung: Mal runterfahren und über den Sinn des Lebens nachdenken; wofür früher kaum Zeit war, ist nun vielleicht öfter mal möglich beim Schlangestehen vorm Laden.
  • Spazieren ist das neue Tanzen: Wer bewegt sich wie - und wer ist überhaupt so unterwegs? Das Abchecken und vielleicht auch Flirten ist jetzt nicht mehr im Club angesagt, sondern draußen beim Laufen.
  • Zunicken ist der neue Wangenkuss: Weniger ist Mehr, das übertriebene Begrüßen mit Küsschen ist in Zeiten der empfohlenen und gewünschten Distanzwahrung tabu. Das Ende der Mediterranisierung Deutschlands?
  • Händewaschen ist das neue Mülltrennen: So akribisch wie in Deutschland gerne Abfall sortiert wird, werden nun – zweimal im Geiste “Happy Birthday” singend – die Hände geseift.
  • Der Mundschutz ist der neue Sneaker: Angesagte Sportschuhe sind begehrte Statussymbole und um limitierte Modelle kommt es auch mal zu gewaltsamen Kämpfen. Das gilt jetzt auch für Mund-Nasen-Masken.
  • Virologen sind die neuen Influencer: Bis vor kurzem waren dank Instagram und Co plötzlich Leute berühmt, die nicht intelligenter erschienen als ein Brot. Jetzt sind wenigstens Mediziner populär.
  • Home Workout ersetzt das Fitnessstudio: Gyms sind zu, ab auf die Matte daheim. Wer sich jetzt nicht bewegt, wird dicker werden – und Teil der zunehmenden Vermoppelung Deutschlands.
  • Der Videoanruf ist der neue Besuch: Untenrum was anhaben war gestern – für Videotelefonate mit Kollegen oder Freunden reicht theoretisch Bluse, Hemd oder Pulli. Der reale Kontakt fehlt vielen natürlich.
  • Streaming ist das neue Kino: Filmegucken in einem Saal? Ist erstmal out. Wer jetzt im Heimkino nicht alle Filme und Serien guckt, die er schon immer sehen wollte, hat den Schicksalswink nicht verstanden.
  • Livestreams sind die neuen Konzerte: Abgesagte Auftritte, geschlossene Clubs; alte Aufzeichnungen und neue Streams helfen vielen über die Zeit ohne Live-Events hinweg.
  • Kochbücher sind die neue Art zu reisen: Wer andere Länder erkunden will und sein Fernweh stillen möchte, dem bleibt bis auf Weiteres nur das Schwelgen in Bildern und anderen Küchen.
  • Kleinanzeigen sind das neue Shopping: Solange viele Läden und Warenhäuser noch dicht sind, verlagert sich vieles ins Internet. Da ist stundenlanges Surfen die neue Schnäppchensuche.

RND/mf/dpa

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