Störfall auf Bocholter Kläranlage: Giftige Substanz vermutet

Abwasserreinigung

Auf der Bocholter Kläranlage gibt es einen Störfall. Eine bisher noch unbekannte Substanz hat stark schädigend Einfluss auf die biologischen Prozesse genommen. Experten untersuchen den Vorfall.

Bocholt

08.09.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Noch ist nicht klar, welche Giftsubstanz in das Klärwerk in Bocholt gelangt ist.

Noch ist nicht klar, welche Giftsubstanz in das Klärwerk in Bocholt gelangt ist. © Stadt Bocholt

Auf der Bocholter Kläranlage gibt es einen Störfall. Das teilt die Stadt in einer Pressemitteilung mit. Der Auslöser des Vorfalls soll bereits einige Tage zurückliegen. Dabei geht es um eine noch unbekannte Substanz, die über die Kanalisation in die Bocholter Kläranlage gelangt ist.

Nach derzeitigem Kenntnisstand gelangte am vergangenen Donnerstag die noch unbekannte Substanz in das Klärwerk. Im Zulauf der Kläranlage wurden dabei ungewöhnliche Werte unter anderem in Bezug auf die elektrische Leitfähigkeit gemessen.

Nach Angaben der Betriebsleitung des ESB hat sich der noch nicht näher identifizierte Stoff über das Wochenende stark schädigend auf die biologischen Prozesse der Kläranlage ausgewirkt.

Mikroorganismen geschädigt

Die Mikroorganismen, die im Normalfall zuverlässig einen wesentlichen Teil der Schmutzstoffe abbauen, zeigen eine starke Hemmung ihrer Abbauleistung, so dass sich die Werte des gereinigten Abwassers im Kläranlagenablauf verschlechtert haben.

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Diese negativen Auswirkungen auf die Reinigungsleistungen schwächen sich derzeit ab. Voraussichtlich wird die Anlage im Laufe der Woche im Normalbetrieb arbeiten. Eine Gesundheitsgefährdung für Mensch und Tier besteht nicht.

Proben werden untersucht

Da negative Auswirkungen dieser Größenordnung auf der Bocholter Kläranlage noch nicht aufgetreten sind, hat der ESB Experten des Ruhrverbandes um eine fachliche Einschätzung gebeten. Diese gehen von einer stoßweisen Belastung mit einem Schwermetall oder einem ähnlich giftigen Stoff aus. Der ESB hat deshalb veranlasst, dass Rückstellproben des belasteten Abwassers bei einem externen Labor genauer untersucht werden.


Außerdem laufen aktuell Gegenmaßnahmen, um die geschädigte Biologie der Kläranlage möglichst schnell wieder zu regenerieren. So hat das Fachpersonal der Kläranlage unter anderem die Belüftungsleistung erhöht.

Keine Gefahr für anliegende Gewässer

Für die anliegenden Gewässer besteht nach Angaben der Betriebsleitung des ESB keine außergewöhnliche Gefährdung. Die zeitlich begrenzte stärkere Belastung im Kläranlagenablauf ist nicht als direkt gewässerschädlich bzw. wassergefährdend einzustufen.

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Um ähnliche Störfälle in der Zukunft zu vermeiden, bittet der ESB um Hinweise, ob vielleicht bei einem Industriebetrieb in Bocholt gegen Ende der letzten Woche bewusst oder unbewusst giftige Substanzen in den Kanal eingeleitet wurden.

Möglicherweise kam es im Rahmen normaler Produktionsprozesse zu einem Störfall oder es sind Stoffe in das Kanalnetz gelangt, die im Normalfall bisher gar nicht oder in wesentlich geringeren Konzentrationen angefallen sind.

Informationen nehmen Heinz Welberg und Gisbert Jacobs von der Betriebsleitung des ESB vertraulich unter der Telefonnummer (02871) 24 63 40 entgegen.

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