Spahn hält harten 10- bis 14-tägigen Lockdown für nötig

Coronavirus

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und RKI-Chef Lothar Wieler haben sich Corona-Fragen von Bürgern gestellt. Spahn glaubt, Deutschland brauche einen harten Lockdown von bis zu zwei Wochen.

Berlin

27.03.2021, 15:23 Uhr / Lesedauer: 2 min
Jens Spahn (CDU,r), Bundesminister für Gesundheit, und Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts, bei einer Pressekonferenz zur Corona-Lage vor Ostern.

Jens Spahn (CDU,r), Bundesminister für Gesundheit, und Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts, bei einer Pressekonferenz zur Corona-Lage vor Ostern. © picture alliance/dpa

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hält angesichts der steigenden Corona-Infektionszahlen einen zehn- bis 14-tägigen harten Lockdown für nötig. „Wenn wir die Zahlen nehmen, auch die Entwicklungen heute, brauchen wir eigentlich noch mal 10, 14 Tage mindestens richtiges Runterfahren unserer Kontakte, unserer Mobilität“, sagte der CDU-Politiker am Samstag bei einer Onlinediskussion zur aktuellen Impflage und Corona-Tests im Alltag.

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Nötig sei ein Lockdown ähnlich wie an Ostern im vergangenen Jahr, sagte Spahn. Er selbst würde auch lieber Ostern im größeren Kreis der Familie, sagte er. „Aber es geht halt dieses Jahr noch nicht.“

„Wenn wir die Welle rechtzeitig brechen würden, dann könnten wir anschließend genau die Öffnungsschritte gehen, die man jetzt schon in einigen Ländern und Kommunen sehe“, so Spahn. Er warnte vor einer Überlastung der Intensivmedizin, „wenn wir diese Welle jetzt nicht brechen“.

Spahn verteidigt Impfreihenfolge

Der Gesundheitsminister verteidigte zudem die Priorisierung beim Impfen. „Es rettet nachweislich Menschenleben, wenn wir zuerst die älteren Menschen impfen“, sagte er.

Die klare Devise sei aber, Impfdosen, die für eine Woche geliefert werden, am Ende der Woche auch verimpft zu haben, sagte er mit Blick auf das Impfen in Hausarztpraxen. „Alles ist besser, als dass noch was übrig ist am Ende der Woche“, sagte Spahn.

Er betonte, dass die Impfkampagne nun zunehmend an Fahrt aufnehme. „Wir werden immer mehr an Geschwindigkeit gewinnen können.“ Nun würden nach Ostern die Hausärzte eingebunden. Und irgendwann könnten auch Betriebsärzte zum Einsatz kommen. Aber noch sei der vorhandene Impfstoff zu knapp. Er finde es schwierig, jüngere Mitarbeiter von Unternehmen zu impfen, solange die Älteren noch nicht geschützt seien.

Andere Fachärzte, die impfen wollen, sollen zudem „ab Ende April, Anfang Mai“ schrittweise eingebunden werden, sagte Spahn weiter. Er geht davon aus, dass dann 80.000 bis 100.000 Arztpraxen Coronavirus-Impfungen verabreichen könnten. An der geplanten Ausweitung auf Hausärzte sollen laut Spahn zunächst bis zu 50.000 Praxen beteiligt sein.

Paul-Ehrlich-Institut sieht Sputnik V sowie Impfstoffe von Curevac und Novovax mit Hoffnung

Der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) sieht indes die derzeit laufende Prüfung neuer Covid-19-Impfstoffe mit Hoffnung. Derzeit prüfe die europäische Zulassungsbehörde EMA drei weitere Präparate in einem „Rolling-Review-Verfahren“, sagte Klaus Cichutek bei der Diskussion. Dies seien ein mRNA-Impfstoff des Tübinger Unternehmens Curevac, das russische Präparat Sputnik V sowie ein Vakzin des Unternehmens Novovax.

Beim „Rolling-Review-Verfahren“ werden Testergebnisse bereits geprüft, auch wenn noch nicht alle Ergebnisse vorliegen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ergänzte, voraussichtlich ab Mitte April werde der bereits zugelassene Impfstoff von Johnson & Johnson zum Einsatz kommen, allerdings anfangs noch in geringen Mengen.

PEI-Präsident Cichutek betonte zudem, das Institut beobachte etwaige Nebenwirkungen nach Covid-19-Impfungen sehr aufmerksam. „Die Glocken läuten, wenn es notwendig ist“, betonte Cichutek unter Verweis auf die zeitweilige Aussetzung der Impfungen mit dem Astrazeneca-Präparat nach mehreren Fällen von Hirnvenenthrombosen.

RND/cz/dpa

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