Solingen richtet Spendenkonto für Beerdigung der toten Kinder ein

Tragödie in Solingen

Eine junge Mutter soll fünf ihrer sechs Kinder getötet haben. Die Stadt Solingen will nun ein Spendenkonto für die Beerdigung einrichten. Es soll zahlreiche Spendenwillige geben.

Solingen

05.09.2020, 14:48 Uhr / Lesedauer: 2 min
Teddybären und Kerzen haben Mitmenschen vor dem Haus niedergelegt, wo die Polizei fünf Kinder tot gefunden hat.

Teddybären und Kerzen haben Mitmenschen vor dem Haus niedergelegt, wo die Polizei fünf Kinder tot gefunden hat. © Roberto Pfeil/dpa

Nach dem gewaltsamen Tod von fünf Kindern in Solingen will die Stadt am Montag ein Spendenkonto einrichten, mit dem unter anderem die Beerdigung bezahlt werden soll. Über die sozialen Medien hätten sich zahlreiche Spendenwillige gemeldet, sagte am Samstag ein Stadtsprecher.

Die Mutter soll ihre ein bis acht Jahre alten Kinder erst betäubt und dann erstickt haben, wie die Ermittler vermuten. Nur das sechste Kind, ihr elfjähriger Sohn, überlebte. Er ist jetzt bei seiner Großmutter in Mönchengladbach. Die Jugendämter Solingen und Mönchengladbach seien in engem Austausch, wie er psychologisch betreut und unterstützt werden könne, sagte der Stadtsprecher.

Die Mutter hatte sich nach der Tat vor einen Zug geworfen. Sie wurde schwer verletzt und war zunächst nicht vernehmungsfähig. Von Staatsanwaltschaft und Polizei gab es zu ihrem Zustand bis Samstagmittag keine neuen Informationen.

Nachbarn wollen Samstagabend mit Lichterkette Abschied nehmen

Solingens Oberbürgermeister Tim Kurzbach habe den Schulen der getöteten Kinder und des überlebenden Jungen Betreuung durch den schulpsychologischen Dienst zugesagt. Dass der elfjährige Überlebende am Montag normal zur Schule gehe, könne er sich nicht vorstellen, sagte der Stadtsprecher. Die Entscheidung liege aber beim Jugendamt.

Die Nachbarn der Familie wollten am Samstagabend mit einer Lichterkette und einer Schweigeminute Abschied nehmen. Alle Anwohner seien gebeten, um 18.50 Uhr vor die Tür zu treten und eine Lichterkette zu bilden. „Der Tod von fünf Kindern trifft unsere Nachbarn, uns und die Hasseldelle ins Herz“, heißt es in einem Aufruf zur Lichterkette in dem Solinger Stadtteil.

Familie war Jugendamt bereits bekannt

Gegen die Mutter hat ein Richter Haftbefehl wegen Mordverdachts erlassen. Die Ermittler vermuteten am Freitag, dass die alleinerziehende Mutter von sechs Kindern nach der Trennung von ihrem Mann die Tat in einem Zustand emotionaler Überforderung begangen hat. Die Ehe sei zerrüttet gewesen, berichteten Polizei und Staatsanwaltschaft. Vor der Tat habe die Frau ein Jahr von ihrem letzten Mann, dem Vater von vier ihrer Kinder, getrennt gelebt. Sie sei die einzige Verdächtige.

Die Familie war dem städtischen Jugendamt vor der Tat bereits bekannt. „Der Familie wurden von der Stadt Solingen erforderliche Unterstützungen gewährt. Das Jugendamt hat zusätzlich mögliche Hilfsangebote unterbreitet“, teilte die Stadt mit, ohne Details zu nennen.

dpa

Lesen Sie jetzt