So unterscheiden sich die neuen Corona-Varianten

Corona-Mutationen

Weltweit treten neue Varianten des Coronavirus auf: Ein Überblick dazu, wie sich die neuen Linien des Erregers voneinander unterscheiden.

von Irene Habich

, 19.02.2021, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Coronaviren (blau) beim Austritt aus einer Nierenzelle, aufgenommen mit einem Heliumionen-Mikroskop.

Coronaviren (blau) beim Austritt aus einer Nierenzelle, aufgenommen mit einem Heliumionen-Mikroskop. © picture alliance/dpa/Universität Bielefeld

Gleich mehrere neue Varianten des Coronavirus wurden in den vergangenen Wochen entdeckt. Alle weisen Mutationen auf, die die Eigenschaften des Erregers zum Teil verändern. Die Wirksamkeit der Impfungen könnte bei einigen, aber nicht bei allen neuen Viruslinien herabgesetzt sein. Was bisher über die wichtigsten neuen Varianten bekannt ist:

Die britische Variante B.1.1.7.

Die Viruslinie B.1.1.7. wurde im Dezember erstmals in Großbritannien nachgewiesen und wird deshalb häufig auch als britische Variante bezeichnet. B.1.1.7. weist mehrere Mutation auf, darunter eine Veränderung des Spike-Proteins, die als N501Y bezeichnet wird. Diese Veränderung scheint es dem Virus leichter zu machen, sich an menschliche Zellen zu binden und sie zu infizieren. Deshalb kann B.1.1.7. etwas schneller übertragen werden, als die Ursprungsvariante des Virus.

Einer neuen Studie zufolge könnte die Viruslinie um etwa 35 bis 45 Prozent ansteckender sein. Allerdings scheint sich das bisher nicht auf das Infektionsgeschehen auszuwirken, weil sich B.1.1.7. mit den gleichen Schutzmaßnahmen eindämmen lässt. So konnten die Infektionszahlen in Großbritannien und Irland innerhalb kürzester Zeit gesenkt werden, obwohl sich die neue Variante dort schon sehr stark ausgebreitet hat.

In Deutschland wird B.1.1.7. inzwischen bei etwa 20 Prozent der positiven Tests festgestellt, was aber insgesamt noch nicht zu mehr Corona-Infektionen geführt hat. Es gibt bisher keine eindeutigen Belege dafür, dass B.1.1.7. gefährlicher ist als andere Formen des Erregers, dies wird aber noch weiter untersucht. Die bisher in Deutschland zugelassenen Impfstoffe scheinen ersten Untersuchungen zufolge gut vor Infektionen mit B.1.1.7. schützen.

Subtyp der britischen Variante

In Großbritannien sind auch Variationen von B.1.1.7. nachgewiesen worden, die weitere Veränderungen aufweisen. Dazu zählte auch die Mutation E484K, die zuvor schon bei der südafrikanischen Variante entdeckt worden war und es dem Virus leichter macht, sich Angriffen des Immunsystems zu entziehen. Allerdings scheint sich dieser Subtyp nicht durchzusetzen.

Die südafrikanische Variante B.1.351

In Südafrika wurde Ende vergangenen Jahres erstmals die Variante B.1.351 nachgewiesen. Auch sie weist mehrere Mutationen auf. Wie bei der britischen Variante kommt auch hier die Genomveränderung vor, die für eine etwas höhere Infektiosität zu sorgen scheint. Eine Genomveränderung mit der Bezeichnung E484K scheint dabei von besonderer Bedeutung zu sein. Sie kann es Antikörpern erschweren, sich an das Virus zu binden und wird deshalb auch als „immune escape“- Mutation bezeichnet.

Erste Daten deuten darauf hin, dass die verfügbaren Impfstoffe womöglich weniger gut vor Infektionen mit B.1.351 schützen, aber nicht gänzlich wirkungslos werden. Auch wurden vermehrt Reinfektionen mit B.1.351 bei Personen beobachtet, die zuvor bereits eine Infektion mit anderen Varianten durchgemacht hatten. B.1.351 ist in Deutschland deutlich weniger verbreitet als die britische Variante B.1.1.7.

Brasilianische Variante P1

Eine Virusvariante mit der Bezeichnung P1 wurde zuerst im brasilianischen Staat Amazonas entdeckt. Die Mutationen dieser Linie ähneln denen der südafrikanischen Variante. So weist auch P1 zusätzlich zur Veränderung des Spike Proteins (N501Y) die „immune escape“-Mutation E484K auf. Daher dürfte auch bei P1 die Wirkung von Impfungen etwas herabgesetzt sein und das Virus ist vermutlich leichter übertragbar.

Zudem dürfte das Risiko von Neuinfektionen nach einer bereits durchgemachten Infektion mit anderen Varianten erhöht sein. Bei weiteren Mutationen der Variante ist noch nicht genau bekannt, was sie bewirken. Eine leichtere Übertragbarkeit ist laut Robert-Koch-Institut denkbar. In Deutschland ist P1 bisher nicht sehr verbreitet und wurde erst vereinzelt nachgewiesen.

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