So setzt das Museum Werne dem Osterei ein Denkmal

Außergewöhnliche Ausstellung

Sie gehören vor allem für Kinder zu Ostern wie der alte Mann mit dem weißen Rauschebart zu Weihnachten: Um das gefärbte Ei haben sich zahlreiche Bräuche und Riten entwickelt. Begonnen hat alles bereits im Mittelalter - und mit Roter Beete. Wir zeigen, wie das Stadtmuseum Werne dem Osterei eine eigene Ausstellung widmet.

WERNE

, 02.04.2015, 13:56 Uhr / Lesedauer: 3 min
So setzt das Museum Werne dem Osterei ein Denkmal

1988 wurden erstmals Ostereier präsentiert. 2015 lädt das Stadtmuseum Werne zur 25. Ausstellung.

Weihnachten ist das Fest der Liebe, heißt es. Auch der Brauch um das Osterei hat mit einer Geste der Liebe begonnen - und mit Roter Beete. Im 12. Jahrhundert war es üblich, Pacht und Zinsen in Form von Naturalien zu entrichten. Damals wurden im Frühjahr rote Eier abgegeben - die Farbe galt als Zeichen für Leben und Liebe, Eier waren ein Symbol für Fruchtbarkeit und die Entstehung neuen Lebens. Gefärbt wurden die Eier damals meistens mit dem Saft der Roten Beete, selten wurde rote Farbe aus Purpurschnecken gewonnen.

1000 Ostereier

Im 17. Jahrhundert schließlich wurden in Europa die Eier erstmals aufwendiger verziert. "Seitdem haben sich zahlreiche regionale, christliche Brauchtümer entwickelt", erzählt Hartmut Marks. Er ist Kurator der Ausstellung "Das Symbol des Lebens", mit der im Stadtmuseum Werne die Geschichte der Ostereier erzählt wird. Zu sehen sind dort kleine Kunstwerke, die nicht im Garten versteckt werden, weil sie zu kostbar sind oder zu zerbrechlich.

Rund 1000 Ostereier umfasst die Sammlung des Museums mittlerweile. Angefangen hat alles 1988, als Hartmut Marks die Ausstellung erstmals initiierte. Als evangelischer Pfarrer beschäftigt er sich seit über 30 Jahren mit österlichen Traditionen. "Ich fand es einfach interessant zu beobachten, wie die Menschen in der Welt Ostern feiern", sagt Marks. Gemeinsam mit Museumsleiterin Heidelore Fertig-Möller ist er auf der Suche nach Brauchtümern und Ostereiern durch Europa gereist und hat zahlreiche Exponate mitgebracht.

Eier aus der Lausitz

Viele davon sind in der Ausstellung zu sehen - aus der Lausitz etwa Eier, die mit farbigem Wachs bemalt wurden, das mit einer Feder aufgetragen wird. "Eine unglaubliche Technik, die sehr viel Fingerfertigkeit erfordert", sagt Fertig-Möller. In Böhmen werden Eier oft mit Drähten umspannt. Sie sehen aus, als ob sie Schmuck tragen würden. Auch Eier aus Polen, Russland oder Frankreich sind im Stadtmuseum ausgestellt. Sie sind bunt und filigran bemalt und mal aus Porzellan oder Holz, die meisten sind jedoch echt und stammen vom Huhn oder Strauß. Von ihm stammt dann auch das größte bemalte Osterei. Das kleinste vom Zebrafink ist nur knapp über einen Zentimeter groß. Auch das hat ein Künstler bemalt: mit Marienkäfer und Blumen.

Heidnischer Ursprung

Viele Eier wurden mit Figuren und Ornamenten verziert, einige aber auch mit Versen. Das Osterei ist einer der Bräuche, die einen heidnischen Ursprung haben, die von der christlichen Kirche einverleibt wurden. Andere wurden mit einem Zahnbohrer bearbeitet, indem die Schale perforiert und ausgestochen wurde. "Von zehn gehen bei dieser Technik bestimmt acht kaputt", sagt Fertig-Möller. Auch in Westfalen wurden natürlich Eier verziert, eines zeigt ein beeindruckendes Bild des münsterschen Rathauses.

Gespeist wird zu Ostern natürlich auch. Im 19. Jahrhundert wurden in Westfalen am Ostersonntag - der Tag, an dem die Fastenzeit zu Ende geht - in Gaststätten öffentliche Eierwettessen veranstaltet. Bis zu 30 Stück sollen manche Männer geschafft haben. Sie hatten so viele Eier gegessen, dass später beim Gottesdienst in der Kirche die Bänke vor den Teilnehmern leer blieben, erzählt Fertig-Möller. Viele Männer mussten sich nach dem Wettessen übergeben.

Der Hase als Eierbringer

Zum öffentlichen Eierwettessen treffen sich die Männer heute nicht mehr, auch viele andere Bräuche sind verloren gegangen. Helmut Marks findet das schade: "Wir befinden uns in Zeiten des Traditionsumbruchs. Es gibt zwar noch Osterläufe und Osterfeuer. Aber das christliche Osterbrauchtum wird nicht mehr so gepflegt." Die gefärbten Eier zu Ostern sind geblieben - und der Osterhase, der angeblich die Eier bringt. Wie dieser Brauch entstand, ist nicht genau bekannt.

Der eierbringende Hase wurde 1638 erstmals urkundlich erwähnt. Auch er wurde zu Ostern, einem der Termine, an dem im Mittelalter die Abgaben entrichtet wurden, mit den Eiern abgegeben. Eine der Theorien besagt, dass der Hase so zum Eierbringer wurde.

"Richtig populär wurde der Osterhase aber erst in neuerer Zeit", sagt Marks: als Spielzeugfigur, in Bilderbüchern und natürlich als Schokoladenosterhase.

 

Stadtmuseum Werne: "Das Symbol des Lebens", bis 3.5., Kirchhof 13, Di bis Fr 10 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr, So 10 bis 13 Uhr. Karfreitag und Ostermontag geschlossen, Ostersonntag 10-13 Uhr.  

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