"So ist Paris" - In Wahrheit ganz anders

Paris ist neben New York die Metropole des Kinos schlechthin. Ihre Wahrzeichen und Sehenswürdigkeiten haben schon unzählige Filmemacher in Szene gesetzt. Aber natürlich ist Paris in Wahrheit ganz anders, als man es aus dem Kino kennt. Und genau das will uns Cédric Klapisch mit "So ist Paris", seiner filmischen Liebeserklärung an die Bewohner der französischen Hauptstadt, beweisen.

von Von Sascha Westphal

, 20.07.2008, 14:51 Uhr / Lesedauer: 1 min
Pierre (Romain Duris) und seine Schwester Elise (Juliette Binoche) blicken über Paris.

Pierre (Romain Duris) und seine Schwester Elise (Juliette Binoche) blicken über Paris.

Jede Stadt hat mindestens so viele Geschichten und Gesichter wie Einwohner. Dieser Einsicht folgend webt Klapisch sein Paris-Porträt aus zahlreichen kleineren und größeren Geschichten zusammen, die sich manchmal kreuzen, meist aber einfach parallel nebeneinander her laufen. Im Zentrum steht der ehemalige Tänzer Pierre (Romain Duris), der an einem Herzfehler leidet und nicht mehr lange zu leben hat, wenn sich nicht noch ein Spenderherz findet. Um ihn zu pflegen, gibt seine Schwester Élise (Juliette Binoche) ihren Job als Sozialarbeiterin auf.

Viele Facetten

Die anderen Handlungsstränge erzählen von einem in die Jahre gekommenen Professor (Fabrice Luchini), der einer seiner Studentinnen nachstellt, und von seinem Bruder, einem erfolgreichen Architekten, von einem Gemüsehändler, der sich in Élise verliebt, von einer impertinenten Bäckereibesitzerin (Karin Viard), ihrer maghrebinischen Angestellten und einem Afrikaner, der illegal nach Frankreich kommt. Klapisch versucht sich hier also an einem sozialen, ethnischen und kulturellen Querschnitt, der möglichst viele Facetten des Pariser Lebens spiegeln soll. Ein ehrenwertes Projekt, an dem er aber ganz und gar scheitert.

Vage Charakterskizzen

Klapisch gibt zwar vor, all seine Charaktere gleich zu behandeln und zu gewichten. Aber in Wahrheit reproduziert er nur ein an sich schon bestehendes Ungleichgewicht. Während der Tänzer und der Professor, die Sozialarbeiterin und die Bäckereibesitzerin, die alle auch noch prominent besetzt sind, sich als ziemlich genau umrissene Charaktere erweisen, bleiben die anderen, vor allem die Fremden, Schemen. Gerade im Fall des Illegalen und der Bäckereiverkäuferin und ihrer Familie begnügt Klapisch sich mit vagen Charakterskizzen, die nur Klischees reproduzieren. Entgegen seiner Vorsätze gesteht auch er diesen in der Regel immer marginalisierten Figuren weder eine Stimme noch eine unverwechselbare Geschichte zu.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt