So geht es weiter mit Nordkirchens Schwimmbad

Fachplaner-Konzept soll her

40 Prozent der Kinder an den Grundschulen Nordkirchens können vor Beginn des Schwimmunterrichts nicht schwimmen. 50 Prozent der Kinder, die in die DLRG eintreten, sind Nichtschwimmer – und 25 Prozent der Erwachsenen. Nordkirchen und das geschlossene Hallenbad: Dienstag im Ausschuss wurde wieder deutlich, wie wichtig ein Hallenbad und die ebenfalls geschlossene Sporthalle am Schlosspark sind. Fachplaner sollen nun eine gute Lösung erarbeiten.

NORDKIRCHEN

, 02.09.2015, 10:04 Uhr / Lesedauer: 3 min
So geht es weiter mit Nordkirchens Schwimmbad

Das Hallenbad im Schloßpark ist nicht mehr wirtschaftlich.

Das entschied der Ausschuss am Dienstagabend bei seiner Sitzung im Bürgerhaus einstimmig: Der Neubau eines Hallenbades und einer Sporthalle wird geprüft, indem eine Planerfirma einen Entwurf erstellt. Grundlage der Debatte ist eine erste Bewertung durch die Unternehmensberatung Prova, die besagt: 30.000 Besucher im Jahr aus den Schulen und dem öffentlichen Badbetrieb sind für eine Gemeinde in der Größe Nordkirchens überdurchschnittlich. Die Prova entwickelte auch schon einen Vorschlag, wie ein wirtschaftlicheres Hallenbad und eine Sporthalle aussehen könnten – mit 1745 statt 3600 Quadratmetern, einem Schwimmbecken mit einer auf 1,80 Meter reduzierten statt der bisherigen 3,80 Meter Wassertiefe und einer Sporthalle von 17 mal 29 Metern anstellte von 18 mal 33 Metern.

Widerspruch zum Wunsch der "Inklusiven Gemeinde"

Dazu ist das aktuelle Bad alles andere als barrierefrei mit seinen sieben Treppenhäusern. Nordkirchen will aber eine "Inklusive Gemeinde" sein, die Bewohner der Kinderheilstätte als auch Mitarbeiter der Caritas-Werkstätten sind bis dato vom Badbetrieb weitgehend ausgeschlossen.

Eine Sanierung, die der bisherige Badbetreiber Aqua Park GmbH mit 3,3 Millionen Euro angibt, ist viel zu teuer – ohne Schaffung von Barrierefreiheit und energetische Sanierung wohlgemerkt. In einer von der Gemeinde in Auftrag gegebenen Untersuchung ist von 2,8 Millionen Euro Renovierungsstau die Rede.

Der Betreiber ist nicht an einer Fortsetzung des Betreibervertrages interessiert – unwirtschaftlich! Darum ist das Bad zurzeit geschlossen. Aqua Park will einen deutlich höheren Betriebskostenzuschuss als bisher. Das will die Verwaltung nicht, kommt aber zu dem Fazit: Eine Schließung des Schwimmbades führt dazu, dass der rechtlich vorgegebene Rahmen für den Schulsport nicht mehr eingehalten wird.

Schnitzeljagd statt Schwimmen

Außerdem hätte sie eine Auflösung des Tauchsportvereins und der DLRG zur Folge. Dort nehmen 100 Kinder und 30 Erwachsene die Angebote wahr und schwimmen ein- bis zweimal pro Woche. „In der vergangenen Woche haben wir Pappmaschee gebastelt“, berichtete Julia Krälemann, 21 Jahre alt, von der DLRG gestern vor Beginn der Ausschussitzung im Gespräch mit unserer Redaktion. Sie ist im Verein als Übungsleiterin tätig. Diese Woche, sagte sie, mache man eine Schnitzeljagd mit den Kindern. Carina Schulte (25) sprang ihr bei:  Man habe sich in benachbarten Bädern erkundigt. „Lüdinghausen zu teuer, Senden zu teuer, Werne geschlossen, Herbern geht auch nicht. So lernt niemand mehr schwimmen – die Schulen und Kurse können auch alle nicht stattfinden.“

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Trotz der schlechten Finanzlage der Kommune soll nun also ein Neubau durchgedacht werden: an einem anderen Standort, zum Beispiel östlich der Gesamtschule, damit auch die Lage verbessert wird. Für die Gruppe Nordkirchen sagte Christian Lübbert (UWG): „Wir bekräftigen unser Statement:  Das Schwimmbad ist ein wichtiger Bestandteil der Gemeinde für Schulsport, Vereinssport und Freizeitsport. Wir müssen versuchen, ein neues Schwimmbad zu bekommen – natürlich nicht um jeden Preis. Wir dürfen den finanziellen Rahmen nicht sprengen.“

Viele offene Fragen für die Verwaltung

Leo Geiser, Fraktionssprecher der CDU, sagte: „Uns macht das Thema sorgen, weil es nicht nur um Schwimmvereine geht, sondern auch um den Schulsport und das Thema Turnhalle mitzählt. Auf eine Halle dieser Größe können wir nicht verzichten. Man wird im Dorf oft angesprochen – die Sorge ist spürbar, wie wir das angesichts unserer Finanzsituation stemmen sollen. Wir wollen aber keine Entscheidung aus dem hohlen Bauch treffen. Darum hat uns die Idee der Verwaltung überzeugt, zunächst zu gucken, was da eigentlich auf uns zu kommt. Wir wollen genaue Zahlen und Modelle durchgerechnet wissen: Was ist, wenn Gemeinde selbst baut? Was, wenn ein Investor? Was ist, wenn wir Halle und Schwimmbad nacheinander bauen? Was ist bei gleichzeitigem Bau? Wir wollen uns da an den Notwendigkeiten orientieren.  Die CDU-Fraktion kann heute keinerlei Entscheidung treffen – wir stimmen darum dem Verwaltungsvorschlag zu.“

Das Ergebnis der Abstimmung: einstimmig für den Beschlussvorschlag an den Rat. Sollte er am Donnerstag auch noch zustimmen, was sicher ist, wird eine Arbeitsgruppe mit vier Vertretern aus Gruppe und CDU zusammengestellt, die die Verwaltung bei dem Prozess begleiten soll. Ein Fachplaner soll die Situation eingängig untersuchen und einen Kostenrahmen auf Basis der Notwendigkeiten Nordkirchens erstellen. Der Betrieb eines neuen Bades soll später ausgeschrieben und vergeben werden. Eine neue Sporthalle soll ebenfalls erwogen werden. Die Ergebnisse sollen in die Haushaltsberatung für 2016 einfließen. Der Rat kann schon morgen mit seiner Zustimmung den Weg dazu frei machen.

Bürgermeister Dietmar Bergmann kündigte an, dass der Förderverein Bürgerbad 5000 Euro einbringen wird, um das Gutachten zu bezahlen. Auch der Tauchverein und die DLRG sicherten ihre Mitarbeit an der Realisierung eines Neubaus zu. 

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