So entsteht das 300 Quadratmeter große Graffiti am alten Luftschutz-Bunker

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Graffiti prägen seit langer Zeit das Dortmunder Stadtbild. Am Bunker entsteht in diesem Sommer ein riesiges „Mural“. Dahinter stecken alte Hasen der lokalen Sprüher-Szene.

Hafen

, 07.08.2019, 10:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Graffiti haben in Dortmund eine lange Tradition: Seit den 80er-Jahren gehören in Dortmund kleine und auch große Kunstwerke zum Stadtbild dazu. Manchmal sind es auch nur Schmierereien. Erst kürzlich haben Künstler die Nordseite des Dortmunder Hauptbahnhofes großflächig besprüht.
Bei dem sogenannten „Mural“ (großflächiges Wandbild) am Hauptbahnhof handelte es sich um eine Auftragsarbeit, finanziert durch die Stadt Dortmund. An der Fassade des Musikschul Probe Zentrums Dortmund (MPZD), einem alter Luftschutz-Bunker an der Gneisenaustraße, entstand nun ein 300 Quadratmeter großes Mural – jedoch eigenständig und unabhängig von Behörden oder Firmen.

Wer hinter dem riesigen Mural steckt

Mehr als neun Tage hat die Sprüher-Gruppe um Damian Sombetzki (34) an dem Graffiti am Bunker gearbeitet. 16 Sprüher machten mit und kamen aus ganz Deutschland. Sogar bekannte Namen aus der Szene wie „Silas“ aus Berlin oder der Dortmunder „Bird“ beteiligten sich. Einige haben sich sogar Urlaub genommen, um besonders viel Zeit für die Arbeit an dem Graffiti zu haben. Der Großteil der Writer – so nennen sich die Menschen in der Szene, die spayen – sprüht schon seit 20 Jahren.

So entsteht das 300 Quadratmeter große Graffiti am alten Luftschutz-Bunker

Die Aktion am Bunker war keine ungeplante "Schmiererei". Im Vorfeld wurde viel geplant und ein Gerüst wurde organisiert. © André Silva

Bevor die Arbeiten draußen am Bunker losgingen, wurde im Inneren des Bunkers gesprüht und „getaggt“. „Das muss irgendwann im Jahr 2007 gewesen sein“, erzählt Sombetzki. Damals hat er noch mit seiner Band im Bunker geprobt. Die meisten Räume im Bunker werden übrigens als Proberäume genutzt.

Nachdem es das Okay des Pächters gab, verlagerte sich das Sprühen an die Fassade. Mit der Zeit wuchsen die „Pieces“, wurden größer. Seit vier Jahren sind sie so groß, dass die Gruppe um Sombetzki sich ein Gerüst aufstellen lässt, um besser und detaillierter arbeiten zu können. Zuvor an der Nord- und Westseite des Bunkers, in diesem Jahr ist die östliche Fassade an der Reihe.

Viel Planung nötig, bevor es losgehen kann

In den vergangenen vier Jahren sprühten die Künstler nicht wahllos drauf los, sondern überlegten sich, was sie zeigen möchten. Sie nutzen mehrere Abende, um das Mural zu planen und sich ein Farbkonzept zu überlegen. Dafür hat die Gruppe Räume im Speicher100 am Hafen als Lager und Atelier angemietet. Für das Mural in diesem Jahr lautet das Thema ganz simpel: „Stadt“. Entstanden ist ein Bild aus mehreren Elementen – wie einer Taube, Schriftzügen und einer Skyline.

Sombetzki ist der Initiator des Projektes. Durch seine Tätigkeit als Malermeister konnte er bei seinem Geschäftspartner Marc Dammers von Zero, einem Dortmunder Profi-Malermarkt, Farben für die Grundierung der Fläche organisieren. Der Dortmunder Onlineshop Graffiti-Cans.com steuerte ebenfalls ein paar Sprühdosen bei. Den Großteil der Kosten für das Projekt tragen die Writer um Sombetzki jedoch selbst. Das Material für das Projekt kostete mehr als 3000 Euro.

So entsteht das 300 Quadratmeter große Graffiti am alten Luftschutz-Bunker

Das gesamte Mural lässt sich nur schwer mit einem Bild einfangen. In unserer Bildergalerie finden Sie Bilder vom Entstehungsprozess und ein paar Detailaufnahmen. Aber am Besten schauen Sie sich das Graffiti einfach selbst an. © Jason Thomas

Warum die Gruppe den ganze Aufwand betreibt? „Es ist schön, als Künstler etwas zu machen, was lange bleibt“, sagt Sombetzki. „Halls of Fame“, also Flächen, die Menschen legal besprühen dürfen, sind in Dortmund nämlich Mangelware. Wenn Sprayer dort sprühen, ist es gut möglich, dass das Graffiti sehr bald „gecrosst“ – also übermalt – wird.

So soll es weiter gehen

Mit der Ostseite des Bunkers soll natürlich nicht Schluss sein. Viele Flächen an der Fassade sind noch frei. Die Gruppe möchte gerne die Südseite, die zur Treibstraße zeigt, verschönern, jedoch befindet sich dort ein städtischer Kindergarten. „Da können wir leider nicht einfach so ran“, sagt Sombetzki.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

So entsteht das riesige Graffiti am alten Luftschutz-Bunker an der Gneisenaustraße

16 Künstler, 9 Tage, 300 Quadratmeter besprühte Fläche. Das sind die harten Fakten, die zu diesem riesigen Graffiti an der Fassade des Bunkers in der Gneisenaustraße gehören. Dabei handelt es sich nicht, wie so häufig bei Sprüh-Aktionen dieser Dimension, um eine bezahlte Auftragsarbeit. Die Künstler, auch "Writer" genannt, haben sich aus Leidenschaft zu ihrem Hobby zusammengetan. Und den Löwenanteil der Kosten tragen sie selbst.
06.08.2019
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Die Ostseite des alten Bunkers in der Gneisenaustraße wurde vorher schon von den Künstlern verschönert. Dieses Jahr sollte es aber das bislang größte Projekt werden. Die Nordseite (rechts im Bild) wurde im vergangen Jahr besprüht.© Damian Sombetzki
Graffiti sind häufig nicht für die Ewigkeit. Die mühselige Arbeit aus vergangenen Tagen wird mit herkömmlicher, grauer Fassadenfarbe überstrichen.© Damian Sombetzki
Mehr Platz, mehr Arbeitsfläche: Für dieses Jahr haben sich die Writer ein Baugerüst organisiert. Die zuvor ergraute Fläche wird nach und nach bunter.© Damian Sombetzki
Bei dem Mural, der größten Ausdrucksform der Street Art, sind unterschiedliche Graffiti-Styles vertreten.© André Silva
Durch das Baugerüst konnten mehrere Writer simultan arbeiten.© Damian Sombetzki
Der Profi-Malermarkt Zero und der Onlineshop Graffiti-Cans.com steuerten etwas Material bei. Den Rest bezahlten die 16 Writer aus eigener Tasche – mehr als 3000 Euro.© Jason Thomas
Die gesamte Fläche des Graffitis beträgt mehr als 300 Quadratmeter.© André Silva
Einige Stellen des Kunstwerks sind sehr detailliert.© Jason Thomas
Kaum zu glauben, was mit Sprühdosen möglich ist.© Jason Thomas
Das Farbkonzept wurde im Vorfeld geplant. Blau und Grau sind die dominanten Farben.© Jason Thomas
Es ist schwer, das gesamte Mural in einem Foto einzufangen und der Arbeit der 16 Writer gerecht zu werden. Schauen Sie einfach selbst am alten Bunker in der Gneisenaustraße vorbei, es gibt viele kleine Details zu entdecken.© Jason Thomas

Die Writer rund um Sombetzki möchten in naher Zukunft einen Verein gründen: „Wir würden gerne zukünftig soziale Projekte machen.“ Interessierte und vor allem Kinder sollen sich am Sprayen ausprobieren können.

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