Sind die Personalkosten Nordkirchens zu hoch?

Vergleich mit Nachbarn

Wer meint, die Haushaltsrede einer Fraktion fände keine Beachtung, der sei nun eines besseren belehrt: Die Gruppe Nordkirchen hat in Person von Heiko Theis (SPD) eine eigene Recherche angestellt. Sie wollte eine von ihr wahrgenommene Unterstellung der CDU, die Personalkosten in Nordkirchen seien zu hoch, überprüfen.

NORDKIRCHEN

, 11.07.2016, 15:21 Uhr / Lesedauer: 2 min

Theis entnahm für seine Recherche den Haushaltsplänen der Gemeinden Ascheberg und Nordkirchen und der Stadt Olfen die Personalzahlen. Nach seinen Berechnungen, die er Ende Juni im Finanzausschuss vorstellte, ist Nordkirchen im Rathaus schlank aufgestellt. Ein Ergebnis, das nach einem kurzen Schlagabtausch zwischen SPD und CDU auch Bürgermeister Dietmar Bergmann unterstrich.

Zum Hintergrund:

Die Personalkosten stiegen im Haushalt für 2016 erstmals auf mehr als 3 Millionen Euro. Für Leo Geiser, der die Haushaltsrede der CDU-Fraktion bei der Einbringung im März hielt, Anlass, diesen Posten in einer Sechs-Punkte-Liste zu erwähnen, mittels derer er die „Finanzpolitik der letzten Jahre von Bürgermeister und Gruppe“ als verfehlt bezeichnete.

Zur Vergleichsrechnung:

Heiko Theis verglich auf Basis der Einwohnerzahl sowie einer von ihm errechneten „Stundenkapazität“ und der Personalbudgets dreier Orte. Als Basis diente die Jahresarbeitsstundenzahl der Beamten und tariflich beschäftigten Mitarbeiter, die die „Kommunale Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement“ (KGST) definiert hat: Ein Beamter in Vollzeit arbeitet 1648 Stunden im Jahr, ein Angestellter 1607. Nordkirchen hat 2016 6,66 Beamten- und 49,5 Angestellten-Stellen – in Summe 0,8 Stellen weniger als 2015. Bei 10.012 Einwohnern (2013) kam er so für 2016 auf 9033 Dienststunden je 1000 Einwohner.

Zum Vergleich:

Olfen gibt bei 12.200 Einwohnern, 13 Beamten- und 67 Beschäftigtenstellen 4,56 Millionen Euro fürs Personal aus (Stundenkapazität je 1000 Einwohner: 10.500). Ascheberg (14.900 Einwohner) hat 10 Beamten- und 76 Beschäftigtenstellen im Personalplan 2016, eine Mitarbeiterkapazität von 9305 Stunden je 1000 Einwohner und Gesamtkosten von 5,6 Millionen Euro.

Fazit:

Nordkirchen liegt bei Stundenkalkulation und Personalkosten unter den Vergleichsgemeinden. Und ist die einzige der drei Gemeinden, die hier reduziert hat.

Reaktionen:

Bürgermeister Bergmann bezog das in seiner Stellungnahme, in der er seine Mitarbeiter in Schutz nahm, auf einen Prozess, der vor drei Jahren begann: „Der war nicht immer leicht. Wir wollten die Verwaltung optimal aufstellen und haben Strukturen verschlankt. Bei uns haben die drei Fachbereichsleiter jeweils eine der sieben Teamleitungen übernommen, so brauchten wir nur vier weitere Teamleiter – anders als in anderen Orten.“

Leo Geiser sagte, es habe sich damals um eine „reine Feststellung“ gehandelt, er habe „in keinster Weise den Fleiß der Mitarbeiter im Rathaus kritisieren“ wollen und wundere sich, warum die Gruppe nachkarte. Gereon Stierl (SPD) sagte, es gehe der Gruppe darum, „das im Kontext richtig zu stellen“. Maria Wellmann (CDU) meinte: „Wir alle schätzen die Arbeit der Gemeinde. Der Haushalt ist beschlossen, da müssen wir nicht solche Andeutungen hervorholen. Wir haben mit wichtigeren Dingen zu tun.“

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