Simon Stone erzählt "Orestie" als Stück von heute

Theater Oberhausen

Der 29-jährige Australier Simon Stone gilt als ein internationaler Star unter den Theatermachern. Seine Neufassung von Ibsens "Wildente" etwa war 2012 beim Ibsen-Festival in Oslo sowie 2013 bei den Wiener Festwochen und beim Holland Festival zu sehen. Mit "Die Orestie" nach Aischylos zeigt er jetzt am Theater Oberhausen seine erste Regiearbeit in Deutschland. Die Uraufführung wurde am Freitagabend heftig bejubelt.

OBERHAUSEN

von Von Klaus Stübler

, 02.02.2014, 14:15 Uhr / Lesedauer: 1 min
Tod in der Wanne: Agamemnon (Torsten Bauer) wird von Klytaimnestra (Anja Schweitzer) vergiftet.

Tod in der Wanne: Agamemnon (Torsten Bauer) wird von Klytaimnestra (Anja Schweitzer) vergiftet.

Stones "Orestie" interessiert sich nicht für den Ausgang der alten griechischen Tragödie (Teil 3: "Die Eumeniden" fehlt bei ihm sogar ganz), sondern vielmehr für deren Vorgeschichte: Wie konnte es zu dieser tödlichen Spirale von Schuld, Rache und Sühne kommen, die hier mit Musik unter anderen aus Mozarts "Requiem" auch ohrenfällig wird? Was ist da im Vorfeld mit Iphigenie passiert?Tragödie rückwärts Um die Antwort hinauszuzögern, erzählt Stone die Tragödie rückwärts, wobei er mit der Ermordung Klytaimnestras (Anja Schweitzer) durch ihren Sohn Orest (Eike Weinreich) beginnt. Und er macht aus dem Ganzen eine Familienstory von heute.

Seine Charaktere haben einen modernen Erfahrungshorizont (Cashcard, Kicker, Sterbehilfe) und sprechen eine heutige Sprache. Als wesentlicher Fluch lastet auf den modernen Atriden, dass sie viel und wenig variationsreich fluchen. Die Entfernung von Aischylos zeigt darüber hinaus das Fehlen des in seiner Tragödie so wichtigen Chors, der das Geschehen kommentiert und deutet, und auch als Mitspieler in die Handlung eingreift. Dafür ist bei Stone der Unterhaltungswert größer.

Der Regisseur erfindet pointierte Kurzszenen mit jeweils wenigen Akteuren und Requisiten (Ausstattung: Alice Babidge). Das Ganze wird aus einer riesigen Black Box gezaubert, die sich dafür anhebt und senkt. Das Publikum sitzt mit auf der Bühne, rings um die Spielfläche.

Zuerst eher komödienhaft, wird der pausenlose, fast zweistündige Abend zunehmend dramatischer und ernster. Beklemmende Szenen ergeben sich mit der zu Hochform auflaufenden jungen Lise Wolle als Iphigenie und dem gerade in seiner Sprachlosigkeit eindrucksvollen Torsten Bauer als Agamemnon.

Termine: 7./8./12.2., 5./ 7.3., Karten: Tel. (0208) 8 57 81 84.

 

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