Siege der Sympathie: So haben Kretschmann und Dreyer die Wahlen gewonnen

Landtagswahlen

In Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz haben die Wahlergebnisse viel mit der Sympathie für die Spitzenkandidaten zu tun. Daten der Forschungsgruppe Wahlen erklären die Ergebnisse im Detail.

Berlin

15.03.2021, 07:17 Uhr / Lesedauer: 3 min
Das Rekord-Ergebnis der Grünen bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg ist vor allem sein Verdienst: Die Zustimmungswerte Winfried Kretschmanns sind selbst bei CDU-Wählern enorm hoch.

Das Rekord-Ergebnis der Grünen bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg ist vor allem sein Verdienst: Die Zustimmungswerte Winfried Kretschmanns sind selbst bei CDU-Wählern enorm hoch. © picture alliance/dpa/dpa-Pool

Klarer hätten die Grünen in Baden-Württemberg kaum gewinnen können: Die Partei von Ministerpräsident Winfried Kretschmann steigert sich nach ihrem Rekordergebnis bei den Landtagswahlen von 2016 erneut. Im Ländle sind die Grünen längst in der Mitte angekommen. Die gemeinsam mit den Grünen regierende CDU musste hingegen eine historische Niederlage einstecken. Auch die SPD fiel laut ersten Hochrechnungen auf einen neuen Tiefstand.

Die Unterstützung für die Grünen basiert Umfragen der Forschungsgruppe Wahlen zufolge auf den sehr guten Noten, die die Baden-Württemberger der Partei für ihre Regierungsarbeit erteilen. In fast allen Politikfeldern wird die Kompetenz der Grünen von den Wählern als die größte eingeschätzt. Einzig in der Wirtschaftspolitik schätzen die Baden-Württemberger die CDU demnach mit sechs Prozent Vorsprung deutliche kompetenter ein als die Grünen.

Extrem hohe Zustimmungswerte für Kretschmann

Die Grünen genießen in Baden-Württemberg nicht nur als Partei ein deutlich höheres Ansehen als im Bund. Vor allem punktet ihr Spitzenkandidat und Ministerpräsident Kretschmann. 80 Prozent der Landesbewohner bescheinigen ihm eine gute Arbeit. Fast 70 Prozent aller Befragten wünschen sich, dass Kretschmann im Amt bleibt. Sogar eine Mehrheit der CDU-Wähler befürwortet eine weitere Amtszeit des Grünen. Für die CDU-Spitzenkandidatin Susanne Eisenmann als Ministerpräsidentin sprachen sich insgesamt nicht einmal 15 Prozent aus. Eine Fortführung der grün-schwarzen Koalition wird von den Wählern mehrheitlich positiv gesehen.

Besonders erfolgreich sind die Grünen in Baden-Württemberg bei Hochgebildeten und in Großstädten. Sie erhielten dagegen weniger Stimmen von Arbeitern, erreichten dort aber immer noch einen Wert von 25 Prozent und sind damit auch innerhalb dieser Erwerbsgruppe die stärkste Kraft.

Zugelegt haben die Grünen auch bei den Wählern über 60 und sind nun in allen Altersgruppen die stärkste Partei. Die CDU und die AfD verlieren besonders bei den unter 45-Jährigen, während die FDP in dieser Gruppe überdurchschnittlich zulegt. Ein Geschlechterunterschied ist vor allem bei den Grünen und der AfD zu beobachten. Während mehr Frauen als Männer die Grünen gewählt haben, zeigt sich bei der AfD ein gänzlich anderes Bild. Dort fällt laut Forschungsgruppe Wahlen die Zustimmung der Männer doppelt so hoch aus wie die der Frauen.

Sympathie für Dreyer und viele SPD-Wähler über 60

Die SPD ist in Rheinland-Pfalz ist die deutliche Gewinnerin der Wahl. Zu verdanken hat sie das besonders Ministerpräsidentin Malu Dreyer, die laut Umfragen der Forschungsgruppe Wahlen zu den beliebtesten Länderregierungschefs und -chefinnen Deutschlands zählt. Rund drei Viertel der Rheinland-Pfälzer bescheinigen Dreyer demnach gute Arbeit. Mehr als die Hälfte wünscht sich eine erneute Amtszeit der Ministerpräsidentin. Dreyers Herausforderer von der CDU, Christian Baldauf, weist deutlich schlechtere Beliebtheitswerte auf, nur 30 Prozent der Rheinland-Pfälzer wünscht sich ihn als Ministerpräsidenten.

Die Rheinland-Pfälzer stellen der Landesregierung mehrheitlich ein positives Leistungszeugnis aus, auch für die Bekämpfung der Corona-Pandemie. In der Wählergunst hat auch davon vor allem Dreyers SPD profitiert. In fast allen Politikfeldern sehen die Wähler in Rheinland-Pfalz die meiste Kompetenz bei der SPD. In der Verkehrspolitik liegt die CDU allerdings vorne, in Sachen Klimaschutz werden die Grünen als erheblich kompetenter bewertet als alle anderen Parteien.

Besonders viele Wählerstimmen erhielt die SPD in der Generation 60-Plus. Auch die CDU erzielte in dieser Altersgruppe ihr bestes Ergebnis, blieb jedoch auch bei den Rentnern hinter der SPD zurück. Bei den unter 30-Jährigen wird die CDU in Rheinland-Pfalz nicht nur von der SPD, sondern nun auch von den Grünen überholt, die dafür kaum Stimmen der über 60-Jährigen erhielten.

Besonders viele Wähler haben von der Briefwahl Gebrauch gemacht

Auch nach Geschlechtern gibt es in Rheinland-Pfalz leichte Unterschiede in der Wahlpräferenz: SPD und Grüne schnitten bei Frauen etwas erfolgreicher ab als bei Männern, bei AfD und FDP ist es hingegen umgekehrt. Bei CDU und Freien Wählern gibt es nur geringe geschlechtsspezifische Unterschiede. Unterschiede zeigen sich auch zwischen den verschiedenen Erwerbsgruppen: Während die SPD ihren höchsten Wert unter den Arbeitern erzielt, punktet die CDU unter den Beamten mit Abstand am stärksten. Die FDP konnte ihr bestes Ergebnis bei den Selbstständigen erzielen.

Die Daten basieren auf telefonischen Vorwahlbefragungen und Befragungen am Wahltag. In Baden Württemberg hat die Forschungsgruppe Wahlen dafür 1154 zufällig ausgewählte Wahlberechtigte in der Woche vor der Wahl befragt, sowie 13.928 Wähler am Wahltag. In Rheinland-Pfalz wurden 1117 Wähler vorab und 11.129 Wähler am Wahltag befragt. Abweichungen sind in diesem Jahr vor allem deshalb möglich, weil besonders viele Wähler von der Briefwahl Gebrauch gemacht haben und deshalb von der Befragung am Wahltag nicht erfasst wurden.

RND

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